Geschichte - kurzer Überblick

Natürlich ähnelt die Geschichte Albaniens der der umliegenden Länder bis weit in die Neuzeit. Nur die Hauptakteure sind etwas anders. Besiedelt wurde der gesamte Balkan inklusive Albanien zunächst von den Illyrern. Griechen gründeten zudem Kolonien wie z.B. Butrint oder Appolonia entlang der Küste. Im 3 Jhd. v.u.Z. begannen die Römisch- Illyrischen Kriege, infolgedessen Albanien ins Römische Reich eingegliedert wurde. Grund war das starke Illyrerreich unter Königin Teuta rund um das heutige →Shkodër. Zusammen mit benachbarten Gebieten bildete Albanien schliesslich die Provinz Illyrien.

395 u.Z. kam es zur Teilung des Römischen Reiches. Der Norden des heutigen Landes ging dabei an das Weströmische Reich, der Süden fiel an das Oströmische Reich. Die Folgen sind noch heute sichtbar: Im Norden dominieren bei den Christen die Katholiken, im Süden die Orthodoxen. Nach dem 6. Jahrhundert siedelten sich Slawen in der Region an. Allerdings hatten sie weit weniger Einfluss - die heutigen Albaner sind keine Slawen, sondern stammen direkt von den Illyrern ab (im Gegensatz zu den →Mazedoniern). Allerdings zeugen heute slawische Ortsnamen, z.B. Pogradec, von der Besiedlung.

Von für die Bevölkerung verheerenden Vökerwanderungen und Kreuzzügen blieb Albanien nicht verschont. 1344 geriet Albanien unter serbische Herrschaft, wurde aber nach der Niederlage der Serben 1389 vom Osmanischen Reich vereinnahmt. Teile des Nordens wurden wenig später von Venetien erobert. Eine glanzvolle Rolle spielte der Volksheld Skenderbeu (auch: Skënderbeg), der im 15. Jahrhundert zahlreiche Schlachten gegen die Osmanen schlug - und alle gewann. Erst 1478 war der Widerstand gebrochen und ganz Albanien unter osmanischer Kontrolle. Doch gerade das bergige Hinterland war schwer zu kontrollieren. Eine eigene albanische Identität schälte sich mehr und mehr heraus - inklusive der albanischen Sprache.

Staatsmännische Paranoia: Einer von zahllosen Bunkern
Staatsmännische Paranoia: Einer von zahllosen Bunkern

Die Osmanen sollten über 400 Jahre lang bleiben. Viele Albaner flohen zu Beginn nach Italien, noch heute gibt es dort albanische Dörfer, und mehr als die Hälfte der Verbliebenen konvertierten zum Islam. Die Albanische Liga von →Prizren versuchte gegen Ende des 19. Jahrhunderts, ein vereintes Albanien zur Unabhängigkeit zu führen. 1912, nach dem Ersten Balkan-Krieg, konnte Albanien endlich seine Unabhängigkeit proklamieren, doch die Größmächte beschlossen 1913, daß →Kosova und vorwiegend albanisch besiedelte Gebiete im Nordwesten →Mazedoniens →Serbien zuzuschlagen seien.

Der deutsche Wilhem Prinz zu Wied wurde Regent des Fürstentums, konnte sich aber nicht durchsetzen. Im Ersten Weltkrieg wurde Albanien teilweise von Österreich-Ungarn, Italien, Griechenland und französischen Truppen besetzt. 1920 fand der für Albanien bedeutende Kongress von Lushnja statt - Albanien wurde wieder unabhängig, doch die Italiener zogen sich nur widerwillig zurück. Chaotische Jahre folgten. Der Nordalbaner Ahmed Zogu wurde 1925 zum Führer des Landes und krönte sich drei Jahre später zum König. Aber schon 1939 okkupierte Italien unter Mussolini erneut Albanien. 1943 folgten die Deutschen. Aber es gab bemerkenswerten Widerstand seitens albanischer Partisanen (und Kollaborateure - in Albanien traf ich auf einen ehemaligen Dolmetscher der Wehrmacht). 1944 konnte sich das Land schließlich aus eigener Kraft befreien.

Unter den vielen Partisanengruppen gingen die Kommunisten unter Enver Hoxha als stärkste Kraft hervor. Die Opposition wurde ausgeschaltet und Säuberungsaktionen forderten zahlreiche Opfer. Außenpolitisch hielt man sich erst an Jugoslawien, dann an die Sowjetunion unter Stalin und nach dessen Tod an die →VR China. Nach Mao's Tod war es auch damit vorbei. Albanien igelte sich ein. Keiner kam ins Land herein und keiner heraus. Der Geheimdienst hatte das Land fest im Griff. Rund 600'000 Betonbunker wurden überall im Land errichtet, denn man befürchtete eine jugoslawische Invasion (siehe Photo). Die Religion wurde verboten und Kirchen und Moscheen entweder zweckentfremdet oder zerstört. Albanien wurde zu einem vergessenen Land mitten in Europa.

Enver Hoxha verstarb 1985; beerbt wurde er von Ramiz Alia. 1990 folgte die Wende und der Sturz des Regimes, aber man kam nicht richtig voran. Tausende Albaner flohen Richtung Albanien, viele von ihnen als boat people. 1992 übernahmen die Demokraten unter Sali Berisha die Macht. Der war allerdings nicht sehr erfolgreich und ging deshalb später in die Opposition. 1997 geriet Albanien seltenerweise weltweit in die Schlagzeilen. Durch ein Schneeballsystem verloren mehr als die Hälfte der Albaner ihre Ersparnisse. Es kam zum sogenannten Lotterieaufstand, der auf das ganze Land übergriff. Fast 750'000 Waffen wurden entwendet und das blanke Chaos brach aus. Die OSZE versuchte schließlich mit der albanischen Regierung, die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Seitdem geht es langsam aufwärts. Wirklich langsam. Im Jahr 2005 errang ein Bündnis unter der Führung der Demokraten nach verbissenem Wahlkampf den Sieg - der Gewinner war ein alter Bekannter: Sali Berisha. Viele Nordalbaner scheinen damit nicht glücklich zu sein - die Nordalbaner fühlen sich von den Südalbanern wohl übervorteilt. Fakt ist jedoch, das zum Beispiel →Shkodër wesentlich ärmer aussieht als manch andere Stadt in Albanien. Das Land hat noch einen weiten Weg zu gehen, und die Ereignisse im →Kosovo waren dabei bestimmt nicht hilfreich.

 

 

 

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