Reiseberichte

Name

Tiranë. Wie bei den meisten anderen albanischen Ortsnamen auch, gibt es hier eine zweite Variante: Tirana. Letztere ist bekanntlich bekannter und international gebruchlich, deshalb soll dieser Name fortan auch hier benutzt werden. Der Stadtname leitete sich vom alten Namen Tehran ab, der einst von den osmanischen Herrschern gegeben wurde. Ja, dieser Name wiederum leitet sich von Tēhran (Teheran), der Metropole Persiens resp. Irans, ab - der Herrscher hatte vorher dort eine erfolgreiche Schlacht geschlagen. Soweit zumindest eine Theorie der Namensentstehung. Der Name Tirana ist gleichzeitig Namensgeber fr einen kleinen Fluss im Stadtgebiet.

Lage

Lage von Tirana
Lage von Tirana

Tirana liegt so ziemlich in der Mitte des Landes am bergang von der Kstenebene zum Gebirge. Bis zur Hafenstadt Durrës an der Adria sind es nur gute 30 km - bis zu den Bergen im Osten nur wenige Kilometer. Der Hausberg nennt sich malit të Dajtit (Dajti-Berg) und ist immerhin 1613 m hoch. Im Sommer sind Stadt und Umland arid - es fllt weniger Regen, als verdunsten kann. Das Klima ist ansonsten sehr mediterran geprgt und oft regnerisch - es fllt doppelt so viel Niederschlag wie in Berlin.

Einwohner

Schwer zu schtzen. Ein offizieller Zensus 2003 ergab um die 350,000 Einwohner, aber realistische Schtzungen gehen von rd. 830'000 Einwohnern aus. Die Zahl drfte wohl auch in den folgenden Jahren steigen. Mich wrde es nicht wundern, wenn Tirana vor 2010 eine Millionenstadt wird.

Stadtbild

Tirana: Der Skenderbeg-Platz im Herzen der Hauptstadt
Der Skenderbeg-Platz im Herzen der Hauptstadt

Der absolute Mittelpunkt der Stadt und des politischen Albaniens ist der grosse Sheshi Skënderbej (Skenderbeg/Skanderbeg-Platz), von dem die wichtigsten Strassen sternfrmig in alle Richtungen abgehen. Bestimmt wird das Stadtbild im Zentrum von breiten, teils grnen Boulevards. Man findet hier und dort auch ltere Bauten. Der Stacioni Trenit (Bahnhof) befindet sich rd. einen halben Kilometer nrdlich des Zentrums am Ende des Bulevardi Dëshmorët e Kombit. Achtung - das ockerfarbene Gebude ist nur schwer als Bahnhof identifizierbar!

Im Norden und Westen wuchert die Stadt einfach nur - vllig planlos und viel zu schnell. Streckenweise kann man schon von Slums sprechen. Kein Wunder - die Landflucht seit 1991 brachte hunderttausende, meist bettelarme Albanier in die voreinst beschauliche Stadt. Im Norden wird die Stadt vom unbegradigten Tirana-Fluss begrenzt, von Osten her fliesst der winzige Lanë (Lana)-Fluss quer durch die Stadt - allerdings stark kanalisiert.

Geschichte

Tirana hat in der Geschichte bis zum 20. Jahrhundert keine grosse Rolle gespielt. Gegrndet wurde die Siedlung wohl von einem osmanischen Provinzherrscher im Jahre 1614. Vorher gab es dort nur ein kleines Dorf, obwohl die Gegend rund um die Stadt schon seit sehr langer Zeit besiedelt war. Tirana blieb ein kleines Provinzzentrum und stand im Schatten von Stdten wie Durrës oder ?Shkodra. Erst 1920 wurde Tirana erstmals zur Hauptstadt - des unabhngig gewordenen albanischen Staates. Die Begrndung war simpel - die Stadt liegt in der Mitte des Landes. Und war damit ein Kompromiss zwischen Nord und Sd, zwischen Gheg und Tosk.

Natrlich brachte dies einen Boom hervor - zahlreiche prchtige Bauten und Alleen wurden errichtet. Die Einwohnerzahl lag damals allerdings nur bei rund 20,000. Nach der Befreiung von der deutschen Besetzung 1944 ergriffen die Kommunisten unter Enver Hoxha die Macht. Alte Gebude wurden abgerissen oder verfielen einfach. Typisch sozialistische Monumentalbauten und sehr breite Strassen wurden angelegt - hinzu kamen triste Wohnviertel. Auch die Industrialisierung schritt schnell voran. In den 1950ern wuchs die Bevlkerung auf ber 100'000 Einwohner an. Um 1990 herum kam es vor allem in der Hauptstadt zu heftigen Protesten gegen das Regime, welche schliesslich zum Sturz der Regierung fhrten.

Nach 1990 war es Albanern nunmehr erlaubt, ihren Wohnsitz frei zu whlen. Gerade aus dem Norden setzte eine massive Landdflucht ein - mit Ziel Tirana. Die Stadt platzte schnell aus allen Nhten. Die Luftverschmutzung ist enorm und das Wachstum so rasch, dass teilweise noch nicht mal Strassennamen vergeben wurden.

Anreise

Tirana erfllt auch verkehrstechnisch seine Hauptstadtfunktion. Der wichtigste Flughafen Albaniens heisst Aeroportin Nënë Tereza (Mutter Theresa-Flughafen) und liegt keine 30 km nordwestlich des Stadtzentrums. Es verkehren Busse zwischen Stadt und Flughafen.

Von Tirana gibt es zahlreiche nationale Bahnverbindungen, so nach Pogradec, Durrës, ?Shkodër usw. Es gibt allerdings keinen zentralen Busbahnhof - je nach Fahrtziel fahren Busse und Minibusse von unterschiedlichen Orten ab. In der Stadt selbst kommt man mit dem Bus gut voran (die Linien sind gut markiert), jedoch liegt das meiste in Laufnhe. Zu allgemeinen Informationen darber, wie man am besten nach Albanien kommt, siehe ?Reisetipps Albanien.

 

 

In Tirana konzentriert sich alles, wie eingangs bereits erwhnt, rund um den grossen Sheshi Skënderbej (Skenderbeg/Skanderbeg-Platz). Der Platz ist riesengross und gar nicht komplett einsehbar. In der fr den Verkehr gesperrten Platzmitte steht ein dem Nationalhelden gewidmetes Reiterdenkmal - komplett mit der roten Adlerfahne davor. Der Sdteil des Platzes wird von halbkreisfrmigen Gebudekomplexen dominiert. Grosse Teile davon werden als Regierungsgebude genutzt. Diese Bauten stammen aus der Zeit um 1930 und sind schn anzusehen.

Tirana: Skanderbegnkmal auf dem gleichnamigen Platz
Skanderbegnkmal auf dem gleichnamigen Platz

Nur an einer einzigen Ecke des Skanderbeg-Platzes stehen ein paar ltere Bauten, die im Schatten der alles dominierenden Betonpalste am Platz fast unterzugehen scheinen. Dies sind im konkreten eine Moschee sowie, direkt dahinter, ein 35 m hoher, begehbarer Glockenturm. Der Bau der Xhamia e Tiranës (Tirana-Moschee) begann 1794 und dauerte bis 1821. Whrend der Herrschaft von Enver Hoxha war die Religionsausbung strengstens verboten, aber nun wird sie wieder von Glubigen genutzt. Ansonsten sieht man relativ wenige Moscheen in der Hauptstadt - wohl auch, weil die Stadt bis vor kurzem noch sehr klein war.

Tirana: Die Moschee nebst Glockenturm im Stadtzentrum
Die Moschee nebst Glockenturm im Stadtzentrum

Vom Skanderbeg-Platz fhrt der breite Blvd. Dëshmorët e Kombit (Boulevard der Mrtyrer der Nation direkt gen Sden bis hin zur Universitt. Der Boulevard wird gesumt von etlichen Prachtbauten und sehr viel Grn. Auf halbem Wege kreuzt er das Betonbett des kerzengeraden Lana-Flusses. Linkerhand, vom Skanderbeg-Platz aus gesehen, trifft man bald auf ein seltsames Gebude - es sieht aus wie eine Zirkusarena aus Beton. Wie es sich fr einen znftigen Diktator gehrt, hat sich Enver Hoxha hier ein Mausoleum bauen lassen. Nach 1990 musste er allerdings "ausziehen". Der Bau wird heuer als Internationales Kulturzentrum genutzt.

Tirana: Das ehemalige Enver-Hoxha-Mausoleum
Das ehemalige Enver-Hoxha-Mausoleum

Eins merkt man schnell - die Stadt ist im Umbruch. An allen Ecken und Enden wird gebaut und ausgebessert. Nach Berlin ist Tirana wahrscheinlich momentan die sich am schnellsten verndernde Hauptstadt in Europa. An vielen Orten fallen quietschbunte Wohnhuser mit abstrakten Mustern und unterschiedlichster Bauart auf. Dieses "Facelifting" verdankt die Stadt dem Brgermeister Edi Rama, einem internationalen Knstler, der seit 2000 die Stadt regiert. Offensichtlich mit Erfolg - er wurde 2004 sogar von nationalem wie internationalem Publikum zum "Besten Brgermeister der Welt" gekrt. Rama ist umstritten, aber sein Ziel war die Suberung und Verschnerung der Stadt - und das hat er erreicht.

Tirana: Die Renaissance der Stadt erzielt ihre Wirkung
Die Renaissance der Stadt erzielt ihre Wirkung

Das Konzept der Rilindja e qytetit (Renaissance der Stadt) wirkt. Es sieht vielerorts wirklich frisch und sauber aus. Natrlich gibt es noch sehr viel zu tun - an vielen Ecken hat sich noch nichts getan, und wie die frisch bemalten Huser von innen aussehen... Aber Tirana ist auf bestem Wege, eine sehr interessante, boomende Hauptstadt zu werden.

Tirana: Typisches Wohnviertel nahe des Bahnhofs
Typisches Wohnviertel nahe des Bahnhofs

Alles in allem fand ich, da Tirana einen Abstecher wert ist. Aber es gibt interessantere Orte in Albanien. Leider hatte ich aber auch nur einen knappen Tag Zeit in der Hauptstadt. Dabei gibt es noch einiges mehr zu sehen - darunter Parks, Museen und so weiter.

 

 

War leider zu kurz in der Hauptstadt, um die Umgebung zu erkunden. Eins ist jedoch sicher - der Ausblick vom Hausberg Dajti muss berwltigend sein. Es lohnen sich wohl auch Abstecher ins nahe Kruja - einem traditionellen Bergdorf. Auch Elbasan und Durrës sind nicht weit.

 

Mittlerweilen gibt es sogar ein Tirana Backpacker Hostel, welches im Juni 2004 seine Pforten ffnete. Ich war der 20. Gast oder so. Es gibt zwei Schlafsle mit je 5 Betten und ein 3-Bett-Zimmer. Und eine wunderschne Veranda. Die Betreiber sind sehr jung und usserst nett. Man kann allerdings nur zwischen 16 und 20 Uhr einchecken - die Betreiber sind aber nicht bse, wenn man unbemerkt eincheckt (wenn andere Gste die Tr ffnen) - so lange man freilich fair bleibt und bezahlt. A propos - eine Nacht dort kostet 1500 Leke (rd. 12 €). Das Hostel liegt relativ zentral. Einfach vom Skanderbeg-Platz den breiten Boulevard der Mrtyrer (siehe oben) gen Sden entlanglaufen. Dann in die Strasse vor dem aufflligen Rogner Europa Park-Hotel linkerhand einbiegen und einfach bis zum Ende der Strasse laufen - dann steht man direkt vor der gelben Villa. Achtung: Im Sommer 2005 deutete kein einziges Schild auf die Existenz eines Hostels hin!!! In unmittelbarer Nhe gibt es alles, was man braucht: Supermarkt, Café, Internet usw. Die Adresse: Rruga Elbasanit 85. Tel: ++355-(0)682167357.

Luft man vom Hostel aus immer gerade aus (das Hostel im Rcken) die Ismail Qemali-Str. entlang und berquert dabei den breiten Boulevard der Mrtyrer, gelangt man direkt ins Vergngungsviertel Blloku. Dort steppt der Br - jeden Tag. Es gibt unzhlige schicke Bars und Restaurants und miniberockte, beinahe exhibitionistisch veranlagte Frauen usw. usf. - die Khao San-Rd. von Tirana sozusagen.

 

  • www.tirana-online.de: Sehr brauchbare Seite ber die Stadt - und wie .de schon vermuten lsst auch auf Deutsch.
  • www.tirana.gov.al: Gelungener Internet-Auftritt der Stadtverwaltung - auf Albanisch und Englisch und durchaus informativ.

Ihr habt eine interessante Seite ber Tirana oder kennt eine gute Seite? Dann her damit! Nachdem ich die Seite berprft habe, werde ich sie hier aufnehmen. Link bitte ber Kontaktformular.

 

 

 

 

 

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