Reiseberichte

Geschichte - kurzer berblick

Die Belarus ist heute ein eigenstndiger, vllig unabhngiger Staat, was zwar kein Novum ist, aber historisch gesehen doch eine Ausnahme bildet. Kein Wunder - das Land liegt im Schnittbereich verschiedener, historisch sehr bedeutsamer Kulturen. Als da wren Russland, ?Litauen, ?Polen sowie im 20. Jhd. und ausschliesslich im negativen Sinne Deutschland.

Wenn man sich das Archologische Museum von ?Brest so ansieht, geschah vor dem Jahr 1000 u.Z. nicht wirklich viel in der Region. Viele kleine Siedlungen mit Holzhusern dominierten das Bild (nun ja, streckenweise hat sich da bis heute nichts gendert). Um das Jahr 1000 herum entstanden kleinere eigenstndige Frstentmer. Ab dem 13. Jhd. gehrte der Grossteil der heutigen Belarus zum ?Grofrstentum Litauen, was dem Gebiet eine wahre Bltezeit bescherte. Die weissrussische Sprache war damals gar Amtssprache. ber die nchsten Jahrhunderte sollte sich nicht viel daran ndern. Ab ca. 1800 geriet das Gebiet jedoch zunehmend unter russischen Einfluss, bis es schliesslich gnzlich dem Zarenreich anheim fiel. Weissrussisch als Sprache wurde verboten - bis 1905.

Der Erste Weltkrieg verschonte auch die Belarus nicht. 1918 nutzte man die Wirren der Revolution, um die Weissrussische Volksrepublik zu proklamieren. Die hielt sich nur ein paar Monate, bis die Bolschewiki auch in der Belarus eindrangen. Die Polen erhoben ebenfalls Anspruch auf die Region, und so wurde die Belarus aufgeteilt - der ganze Westen des Landes bis zu einer Linie zwischen ?Minsk und ?Nyazvizh (damals: Neswish) gehrte zur ?Republik Polen, der Osten wurde zur sowjetischen Belarussischen SSR. Der sowjetische Teil genoss durchaus freizgige autonome Rechte mit Weissrussisch, Polnisch und Russisch als Amtssprache. In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg jedoch verschonte Stalin auch die Belarus nicht - unzhlige Weissrussen wurden ermordert oder deportiert.

Gemss dem Zusatzprotokoll des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspaktes wurde Polen aufgeteilt, so dass sich die Rote Armee und die Wehrmacht seit 1939 bei ?Brest und der heutigen weissrussisch-polnischen Grenze gegenberstanden. 1941 schliesslich wurde Weissrussland von der Wehrmacht und nachfolgenden Einheiten quasi berrollt. Man liess nichts brig - alle Stdte und fast 10.000 Drfer wurden nahezu dem Erdboden gleichgemacht. Das Prinzip Verbrannte Erde wurde gerade hier am konsequentesten angewandt. Deshalb gibt es heute kaum noch Gebude aus der Vorkriegszeit. Erst 1944 gelang es der Roten Armee, das Land zurckzuerobern.

Schulklasse in der Festung von Brest
Heut geht's wieder im Gleichschritt voran:
Schulklasse in der Festung von Brest

Den hchsten Tribut mussten auch hier die Juden bezahlen. Hunderttausende Juden siedelten seit dem spten Mittelalter im Land und stellten in vielen Orten wie Minsk, Hrodna und Brest gut die Hlfte der Einwohner. Freilich gab es auch frher schon Progrome, aber richtig verheerend war die Zeit der Besetzung durch Nazideutschland zwischen 1941 und 1944. Der Grossteil der Juden bezahlte diese Zeit mit dem Leben. Allerdings gab es auch nennenswerte jdische Partisanengruppen, die den Besatzern das Leben in den Wldern schwer machte.

Bei den verschiedenen Konferenzen zur Nachkriegsordnung in Europa wurde Polen schlichtweg ein Stck weit gen Westen 'verlegt'. Zuungunsten Deutschlands und zugunsten der Sowjetunion respektive der Belarussischen SSR - die Flche verdoppelte sich fast. Nach dem Krieg erfolgte der Neuaufbau des Landes nach stalinistischem Vorbild sowie eine massive Industrialisierung. Sowie eine weitgehende Russifizierung - die weissrussische Kultur rutschte in die Unbedeutendheit ab.

1991 schloss man sich dem allgemeinen Trend zur Unabhngigkeit an und erklrte die selbige. Man verbot die Kommunistische Partei und begann mit der Privatisierung der Unternehmen. Das hatte vorerst eine atemberaubende Inflation und das allgemeine Abrutschen des Lebensstandards zur Folge. Es war jedoch durchaus ein positiver Trend erkennbar. Die Kommunisten erstarkten jedoch nach und nach, die Partei wurde 1993 wieder erlaubt. In einer direkten Prsidentenwahl gewann 1997 Alexander Lukashenko, der seither das Rad zurckdreht. Seither krallt sich Lukashenko an der Macht fest, erweitert seine Befugnisse und sorgte dafr, dass er entgegen der Verfassung noch lnger regieren kann. Man kapselt sich ab vom Westen und sucht stattdessen die Nhe zum stlichen Nachbarn Russland. Doch auch da gibt es Probleme. Nach und nach werden allgemeine Rechte beschnitten - letzter Coup Ende 2004 war der Plan, die Reisefreiheit Minderjhriger abzuschaffen. Presse und Fernsehen werden gleichgeschaltet (bestes Beispiel: die grandiose Wochenzeitung Minsk Times). Man whnt sich in der Sowjetunion vor 1989, und das bekommt der Reisende auch mit allen negativen Auswirkungen zu spren.

Man kann nur hoffen, dass sich Belarus nicht zu einem europischen Nordkorea entwickelt. Als notorischer Osteuropa-Reisender kann ich nur ein Fazit ziehen: Kein Land in Europa ist weiter von einem vereinten Europa entfernt als Belarus. Selbst ?Transnistrien kann sich bei Lukashenko noch was abschauen. Deshalb istdie Belarus durchaus interessant fr den Traveler, der etwas besonderes sucht: Die Chance, die Sowjetunion mit allem drum und dran noch mal zu erleben.

 

 

 

 

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