Prolog

Kann man sagen, dass man schon mal da war, wenn man nur mit dem Berlin-Moskau-Express durchfuhr und zwei Stunden durch das nächtliche Brest rannte? Eigentlich nicht, dachte ich mir, und so nutzten wir die Tour durch die baltischen Staaten dazu, auf dem Rückweg durch die Belarus zu fahren. Allerdings war das Anfang Dezember. Nicht gerade die günstigste Zeit für diese Region.

Visa

Von ein paar GUS-Staaten- Angehörigen einmal abgesehen braucht JEDER ein Visum. Die Gebühren sind dabei für jede Nation gleich. Es gibt eine gute Nachricht: Seit 2004 braucht man nur noch entweder ein offiziell beglaubigtes Einladungsschreiben oder Vouchers von einem Hotel. Vorher brauchte man beides. Die schlechte Nachricht: Mittlerweilen braucht jeder, der das Land betritt, ein Visum: Will heissen, auch die, die auf altmodische Art mit dem Zug nach Moskau fahren wollen, müssen sich ein Transitvisum besorgen! Das Visum kann nicht bei der Einreise erworben werden!.

Weissrussisches Visum
Teurer Spass: Visum (einen Monat gültig) für Belarus

Es gibt Touristen-, Geschäfts-, Transit- und normale Visa. Ein Transitvisum ist drei Tage gültig und kann NUR erworben werden, wenn man ein Visum für die Ukraine oder Russland besitzt ODER (so man nach Polen oder in die baltischen Staaten fährt) ein Ticket von Belarus ins nächste Land besitzt. Letzteres ist zumindest bahntechnisch unmöglich!

Wer keine Kontakte nach Weissrussland besitzt, sollte sich ernsthaft überlegen, einen Visaservice (zum Beispiel Visa-Express) oder ein Reisebüro in einem der Nachbarländer zu bemühen! Kostet ein paar Euro mehr, aber man bekommt den Pass am gleichen Tag zurück, braucht keine Vouchers oder Einladungsschreiben sondern nur ein Passphoto. Konkretes Beispiel: Bei den Reisebüros in →Vilnius bezahlt man 65 Euro für ein normales Visum, welches einen Monat lang gültig ist (eigentliche Gebühr bei der Botschaft: 50 Euro). Dafür braucht man aber wirklich nur den Pass und Photos - die Vouchers erledigt der Agent. Ein Expressvisum kostet übrigens rund 110 Euro.

Registrierung

Am ersten Tag in Weissrussland muss man sich bei den örtlichen Behörden registrieren lassen. In aller Regel erledigt das Hotel diese langwierige Prozedur, weshalb die erste Nacht in Weissrussland auch teurer als der normale Übernachtungspreis ist. Man muss im Hotel diverse Formulare - insgesamt vier Mal - ausfüllen. Selbige gibt es (zumindest in unserem Fall) nur auf Russisch. Dann erhält man ein Spravkan (Bescheinigung) - die sollte man auf jeden Fall aufheben. Von jedem Hotel erhält man ähnliche Zettelchen. die soll man bei der Ausreise vorzeigen. Von uns wollte man sie bei der Ausreise in →Brest nicht sehen, aber darauf würde ich mich nicht verlassen - besser alles aufheben was man bekommt!

Wer privat übernachtet, muss sich beim nächsten OVIR-Büro registrieren lassen!!! Wer das nicht tut, muss mit ernsten Problemen bei der Ausreise rechnen.

 

 

 

Geld

Die Landeswährung heisst БР - der belorussische Rubel, die allgemein gebräuchliche Abkürzung lautet BYR. Der bestand früher aus 100 Kopeken, aber die Inflation hat die Kopeken dahingerafft. Aufgrund der (ehemals!?) hohen Inflation wurden die Scheine häufig ausgetauscht - alte Scheine, also z.B. von 1993, sind nicht mehr gültig! Die Inflation scheint mittlerweilen halbwegs gering zu sein. Es gibt keinen Schwarz-Umtausch mehr! Im Jahre 2004 war der Kurs 1 Euro = 2880 BYR.

Weissrussischer Rubel
Immerhin 0.003 Euro wert: 10-Rubel-Schein

Das Geld treibt einen in Weissrussland in den Wahnsinn. Grund ist die schiere Menge der Scheine. Es gibt keine Münzen. Es zirkulieren Scheine zu 10, 20, 50, 100, 500, 1'000, 5'000, 10'000, 20'000 und 50'000 BYR. Nach ein paar Fahrten mit der Metro und kleineren Einkäufen hat man deshalb schnell gut 20 Scheine in der Hand, die insgesamt nur einen Euro wert sind!

In grösseren Städten wie →Minsk und →Brest gibt es Geldautomaten, die man jedoch oft suchen muss. Diese akzeptieren gängige Kreditkarten sowie EC- bzw. Cirrus und Maestro-Karten. In kleineren Städten gibt es noch keine Automaten.

Achtung: Bei den Zahlen lässt man gern das Wort für 'tausend' (tyisjatsch) weg! Will heissen 'dve sto' (eigentlich '200') heisst oftmals '2100' (eigentlich: dva tyisjatscha sto!) BYR. Selbst wer des Russischen mächtig ist wird hier oft Probleme haben!!!

Selbstredend wird man die weissrussischen Rubel im Ausland nicht los! Also besser übriggebliebenes Geld im Land zurücktauschen! Die Marge zwischen Tausch von Euro in BYR und dem von BYR in Euro liegt noch im passablen Bereich.

Preise

TDrei-Klassen-Hotelpreise (pro Person, in Euro):
Drei-Klassen-Hotelpreise (pro Person, in Euro):
WeissrussenGUS-BürgerAusländer
Suite
Einzel
Doppel
Dreier
€ 27
€ 7,3
€ 5,7
€ 4,7
€ 67
€ 16,7
€ 13,7
€ 10,9
€ 80
€ 20,7
€ 16,7
€ 13,7

Preislich gesehen würde Belarus zu einem der günstigsten Reiseziele in Europa zählen - wäre da nicht das archaische Preissystem von Hotels und Museen, welches da je nach Staatsangehörigkeit verschiedene Preise berechnet.

Im Museum kann man das mitunter umgehen, soweit man etwas Russisch spricht. Einfach 'Ein Ticket bitte' nuscheln und schon zahlt man den Preis, den auch die Einheimischen zahlen. Anders im Hotel. Sobald man fragt, wieviel ein Zimmer kostet, kommt sofort die Gegenfrage 'Welche Nationalität?' Lügen ist zwecklos, denn jeder muss sich ausweisen. Dies scheint in ALLEN Hotels, selbst auf dem Land, üblich zu sein.

Damit verschlingt die Übernachtung einen Grossteil des Budgets - reist man zu zweit, zahlt man in der Regel um die € 15 pro Bett im Doppelzimmer. Ein üppiges Mahl mit Vor- und Nachspeise und diversen Getränken kostet im durchschnittlichen Restaurant ca. 3 bis 5 Euro pro Person, Mittag essen kann man bereits für unter einen Euro. Eine Packung Zigaretten kostet ab ca. 0.15 Euro, eine Flasche Bier ab 0.20 Euro. Eine Zugfahrt mit der Elektritschka (siehe unten) von →Minsk nach →Brest kostet knapp 4 Euro.

So man auf Hotels angewiesen ist, sollte man mit 25 bis 30 Euro pro Tag und Person rechnen. Es gibt keine teuren Museen und nur wenige teure Restaurants. Betrachtet man allerdings das Preis-Leistungs-Verhältnis, so muss man sagen, dass Belarus ganz weit unten liegt - in der →Ukraine zum Beispiel zahlt man zwar ähnlich viel, aber die Qualität ist wesentlich besser.

 

 

 

 

Anreise

Mit Flugzeug, Bus oder Bahn. Es gibt direkte Flug-, Bus- und Bahnverbindungen. Verkehrsknotenpunkte sind →Minsk und →Brest. Von beiden Städten gibt es direkte Züge nach Wien, (von Minsk 22 h), →Prag (22 h), →Kiew (14 h), Moskau (12 h), →Vilnius (4½ h), →Warschau (10 h), Berlin, (19 h), →Riga (12 h), →Chisinau (27 h), Brüssel (27 h) und gar bis Novosibirsk (67 h) und Irkutsk (99 h). Man sollte bei der Wahl der Züge bedenken, dass man bei internationalen Nachtzügen im Zug 11 Euro Zuschlag bezahlen muss! Und - nicht alle Züge fahren täglich.

Der billigste Weg von Deutschland sieht wie folgt aus: Man fährt mit dem Berlin-Warszawa-Express nach →Warschau (6 h, rd. 32 Euro), von dort mit lokalen Zügen nachTerespol an der Grenze (4 h, 7 Euro) und von dort mit einem lokalen Zug, der nur die Grenze überquert, nach →Brest. Von Berlin kommt man also für unter 40 Euro nach Weissrussland.

Achtung: In Brest werden die Zoll- und Ausreiseformalitäten im Bahnhof erledigt!!! Man muss mindestens eine Stunde vor Abfahrt dort sein, sonst wird es knapp!!! Der lokaleZug von Brest nach Terespol ist ein Schmugglerzug - da dauert die Abfertigung noch wesentlich länger!

Es gibt natürlich auch viele internationale Busse. So unter anderem nach →Vilnius (4 h) und nach →Riga über Daugavpils. Letzterer brauchtrund 10 Stunden und kostet 9 Lats (13.5 Euro) am Tag bzw. 10 Lats (15 Euro) im Nachtbus. Letzterer ist sehr empfehlenswert!!! Es gibt keinen direkten Bus und keinen Zug nach →Estland!

Klar kann man auch fliegen, aber es dürfte schwer sein, einen billigen Flug zu bekommen. Bei vielen Verbindungen muss man sicherlich auch in Moskau oder Kiew umsteigen.

Grenzübergänge

Es gibt zahlreiche Grenzübergänge nach →Polen, →Litauen, →Lettland, Russland und in die →Ukraine. Achtung: Die kleineren Grenzübergänge sind nur für Anwohner und dürfen nicht von Ausländern benutzt werden!

Ein- und Ausreise

Angeblich kann es bei der Ein- und Ausreise grosse Probleme mit dem Zoll geben und man braucht wohl auch eine spezielle Krankenversicherung. Wir hatten jedoch rein gar keine Probleme! Bei der Einreise war der Zoll geschlossen (es war 2 Uhr nachts), bei der Ausreise wollte der Zoll nur wissen, wieviel Bargeld wir dabei haben. Alle Zettel, die man vom Hotel bekommt, aufheben!!! Bei der Ausreise - egal wo - muss man angeblich 2.5 Euro Ausreisegebühr bezahlen. Die Bescheinigung dazu wollte allerdings niemand sehen...

 

 

Essen und Trinken

Neuester Renner: Wodka 'UdSSR'
Neuester Renner: Wodka 'UdSSR'

Die Küche ist arg an der russischen Küche orientiert - mit den üblichen Mayonnaise-lastigen Salaten, Pelmeni, mehr oder weniger ominösen Fleischgerichten und Buttercremetorten. Ziemlich verbreitet sind hier vor allem die Dranniki - eine Art herzhafter Kartoffelpuffer. Crepes kann man mittlerweilen auch oft sehen. Mit internationaler Küche sieht es reichlich mau aus, obwohl man hier und da ein (pseudo-)chinesisches Restaurant sieht. In →Brest steht ein nettes Fischrestaurant.

Allgemein gesagt gibt es sehr wenige Restaurants - selbst in Minsk. Deshalb bleibt häufig nur der Gang zum Hotelrestaurant, welches manchmal das einzige der Stadt ist. Dort gibt's sowjetisch-deftig- derben Service. Ach ja - in →Minsk gibt es sogar ein paar McDonalds-Filialen.

Guten Kaffee darf man freilich nicht erwarten. Beim Wasser muss man aufpassen - manchmal ist das verkaufte Mineralwasser wirklich Mineralwasser - schmeckt dann salzig-bitter. Man trinkt vornehmlich Wodka (Flasche ab 1.2 Euro) und mittlerweilen auch Bier. Lokale, halbwegs akzeptable Biersorten gibt es auch - darunter zum Beispiel Kryinitsa, Brestskoe oder Lidskoye.

 

 

wwwlena-perevod@mail.ru wrote:

wollen Sie Minsk besuchen? dann schreiben an meine e-mail

wwwlena-perevod (at) mail (dot) ru

Posted by wwwlena-perevod@mail.ru on April 11, 2012 03:00

 

 

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