Reiseberichte

Prolog

Viele assoziieren Bulgarien mit der Schwarzmeerkste und Touristenghettos. Schade eigentlich, denn es gibt so viel mehr zu entdecken - viel, viel Kultur und Geschichte, atemberaubende Landschaften, gutes Essen usw. - klar sind die Strnde schn, doch die wahren Perlen liegen im Hinterland.

Visa

Die meisten EU-Angehrigen brauchen seit wenigen Jahren kein Visum mehr. Drei Monate Aufenthalt werden visafrei gestattet, der Pass sollte bei Einreise noch einige Monate gltig sein. Stempel rein und fertig - dass ist Europa (wie es sein sollte).

Ja oder Nein?

  • Ahnungsloser Touri alias Tabibito: Zwei Fahrkarten nach Burgas bitte.
  • Verkufer: Bis Burgas?
  • tabibito: (nickt)
  • Verkufer: Wie jetzt? Ich denke bis Burgas?
  • tabibito: Na ja! (und nickt wieder...)
  • Verkufer: (schaut etwas gestresst) Na wohin denn nun?
  • tabibito: Burgas!!! (jetzt mit ernstem Gesicht und den Kopf ruhig haltend)
  • Verkufer: Ah, gut. Zwei Fahrkarten, richtig?
  • tabibito: (nickt wieder...)
  • Verkufer: ...

usw.usf. - am besten ohne Gestik, nur mit Worten antworten, denn das mit dem Kopfnicken und -schtteln gewhnt man sich schwer ab.

 

 

Geld

Die bulgarische Whrung heisst Leva; ein Leva besteht aus 100 Stotinki. Alle, die der D-Mark hinterhertrauern, finden in Bulgarien die Erfllung: 1999 wurde das alte, hyperinflationre Geld eingestampft und durch den neuen Leva ersetzt - selbiger wurde an die D-Mark bzw. nun an den Euro gekoppelt. Ein Leva = eine D-Mark, bzw. ein Euro sind rund 1.95 Leva. Es gibt 1, 2, 5, 10, 20, 50 Stotinki und ein Leva-Mnzen sowie 1, 2, 5, 10, 20, 50, 100 etc. Leva - Scheine. Alles Geld vor 1999 ist ungltig und kann nicht gewechselt werden!!!

In grsseren Stdten gibt es Geldautomaten, die alle gngigen Kreditkarten, Maestro und Cirrus akzeptieren (bei letzteren mit der blichen Gebhr von 4 Euro pro Transaktion). Achtung: Bulgarisches Geld ist schwer ausserhalb des Landes tauschbar. Selbst im Nachbarland Mazedonien muss man lange suchen. Es ist auch nicht empfehlenswert, an der Grenze zu tauschen - die Rate dort ist ziemlich schlecht. Ansonsten die Kurse der Wechselstuben vergleichen.

Bulgarischer 10-Leva Schein
Bulgarischer 10-Leva Schein

Preise

Bulgarien ist nachwievor das preiswerteste Land der Region. Eine bernachtung in einfachen, aber meist sauberen Hotels oder Pensionen kostet um die 10 Euro pro Person im Doppelzimmer. Privatunterknfte (z.B. an Bushaltestellen suchen) kosten mitunter gerade mal zwei Euro. Auch Essen in Restaurants ist wirklich gnstig. Das gleiche gilt fr Zug- und Busfahrten. Erstaunlich ist die hohe Qualitt: Wer denkt, dass er da fr 2 Euro kein wirklich gutes Essen und fr 20 cent nur einen Espressoersatz bekommt, irrt sich - alles ist hochwertig, nur ebend viel viel billiger. Wie die Bulgaren das machen, ist mir noch immer ein Rtsel. An der Kste, rund um und in den Bettenburgen, sind die Preise freilich wesentlich hher.

 

 

 

Anreise

Bus, Bahn, Flugzeug, Auto - alles mglich. Es gibt mittlerweilen auch kein Nachbarland mehr, fr das man ein Visum braucht. Direkte Flugverbindungen nach Sofia und ?Plovdiv sowie unzhlige Charterflge nach ?Burgas und ?Varna gibt es reichlich. Mitunter lohnt es sich, eine Pauschalreise zu buchen, hinzufliegen und die Hotelgutscheine wegzuwerfen und sich selbst auf die Socken zu machen! Kommt manchmal billiger als ein Linienflug.

Die nationale Fluggesellschaft heisst Balkan Airlines - fr die, die den Nervenkitzel suchen. Bei einer Landung in Burgas fing die Maschine an zu wackeln - ich sass neben der Tragflche und sah nur noch, wie diese fast das Rollfeld berhrte. Dass ich seitdem keine Flugangst habe, finde ich selbst recht beachtlich. Versptungen gab es ebenfalls oft.

Auch zahlreiche Busse fahren von Deutschland direkt nach Bulgarien. Ob man sich die lange Fahrt und die ganzen Grenzkontrollen antun mchte, sollte man sich jedoch genau berlegen. Busse sind allerdings wahrscheinlich der billigste Weg - vom Trampen mal abgesehen.

Mit der Eisenbahn geht es auch. Zumindest im Sommer gibt es einen direkten Zug von ?Prag nach ?Varna - der braucht allerdings auch anderthalb Tage. Oder man fhrt gemchlich ber ?Zagreb und ?Belgrad nach ?Sofia. Direkte Verbindungen nach Thessaloniki, ?Istanbul, Moskau, ?Kiew etc. gibt es auch! Nach ?Mazedonien allerdings gibt es keine Zugverbindung mangels Gleisen. Mit dem Auto geht es natrlich auch. ber ?Tschechien oder sterreich, evtl. die ?Slowakei und ?Ungarn oder ?Serbien.

Grenzbergnge

Hier ein paar Anmerkungen zu Grenzbergngen, die ich selbst testen durfte:

  • Flughafen Burgas: Wohl die entspannteste Art und Weise, einzureisen.
  • Giurgiu (Rumnien) - Russe: ber eine lange Donaubrcke. Von rumnischer Seite ohne eigenes Fahrzeug schwer erreichbar. Es gibt aber ein paar Zge. Kann man zu Fuss oder mit dem Fahrrad berqueren. Grenzkontrollen problemlos. Von der bulgarischen Seite fhrt ein Linienbus (40 Stotinki) ins 8 km entfernte ?Russe.
  • Kulata (- Griechenland), Strecke Thessaloniki-Sofia: Vielleicht nicht mehr aktuell, aber 1996 war mit Fahrzeug ohne Bestechung kein Rberkommen. Fr Auto und Bahn.
  • Gjueshevo (- Mazedonien), Strecke Sofia-Skopje: Die Grenzkontrolle beiderseits ist reine Schikane - alles Gepck raus, in Reih und Glied anstehen, Kontrolle. Die gilt aber nur Bulgaren und Mazedoniern - fr Auslnder interessiert man sich nicht sehr. (Stand 2003).

    Die Busfahrt von Sofia nach Skopje kostet pro Person 24 Leva (12 Euro, Stand Sommer 2006) und dauert lange fnfeinhalb Stunden.

  • Malko Tarnovo (- Trkei) - Kirklareli: Witziger, etwas verlassener Grenzbergang. Achtung: Auf beiden Seiten keine ffentlichen Verkehrsmittel - man muss trampen. Geht mitten durch das Strandscha-Gebirge: Allein der Landschaft wegen genial. Relativ unkompliziert, obwohl mit Hygienekontrolle u.a. auf trkischer Seite. Man liess uns einmal eine Stunde ohne Pass im Niemandsland stehen - im nachhinein wegen Mittagspause der Bulgaren, wie wir spter erfuhren.

Reisen im Land

Es gibt Eisenbahnen, aber die sind qlend langsam. Mittlerweilen haben Busse der Bahn den Rang abgelaufen. Es fahren viele berland- und Auslandsbusse, die meisten davon ziemlich neu und schnell. Und billig. Taxis gibt es in Massen; die Fahrer sind oft sehr aufdringlich.

 

 

Essen und Trinken

Darf nicht ausgelassen werden... Fragt man einen Japaner, was ihm zu Bulgarien als erstes einfllt, kommt sofort das Wort "Joghurt". Zurecht. Immerhin heisst die Joghurtkultur auch lactobacillus bulgaricus.

Typisches bulgarisches Mahl
Typisches bulgarisches Mahl

Dementsprechend enthalten einige Speisen auch Joghurt - so die berhmte, Tarator genannte kalte Joghurt-Gurken-Suppe (auf dem Photo rechts oben). Schafskse (Sirene) ist Zutat Nummer eins: Auf Salaten (Shopska Salata), in Auflufen, auf Nudeln, selbst auf Pommes! Warum auch nicht. Richtig gut ist ein Gericht namens Sirene po shopski - im Ofen zubereitet, besteht es aus Schafskse, manchmal Paprika, Ei, Tomate und Krutern (auf dem Photo unten links). Unverkennbar der Einfluss der Nachbarlnder: Fleischbllchen namens Kfte sowie gebratenes Fleisch (Kebabce, siehe Photo unten rechts) kommen aus der osmanischen Ecke, Hackfleisch-Auberginen-Auflufe (Moussaka) stammen aus Griechenland. Nicht zu vergessen schliesslich das Gericht Mischmasch. "Was gabs heute zu Mittag, Schatz?" ... "Mischmasch!" Sieht auch so aus (Photo oben links). Kleingehackte Tomaten, Schafskse etc. - gekocht. Schmeckt aber ziemlich gut.

Bulgarien ist auch bekannt fr seinen Wein. Schade, dass man fast nur den berchtigten Rosentaler Kadarka importiert - die Bulgaren sind wahrscheinlich so clever, das sie nur den Wein, den sie selbst nicht trinken wollen, exportieren. Bier gibt es freilich auch - darunter das recht angenehme Zagorka. Ansonsten gibt es die blichen Bretterknaller - Slivova und andere Rakiya (Obstbrnde), Mastika (Anisschnaps, etwas wie Ouzo) usw. - alles unglaublich billig, solange es im Land produziert wurde. Ein kleiner Schnaps bedeutet hier 5 cl.

 

 

 

 

 

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