Geschichte - kurzer Überblick

Estland ist heute ein unabhängiger Staat und vollwertiges Mitglied der EU. Dabei ist die Unabhängigkeit des Landes eher eine historische Seltenheit. Kurz vor Beginn der Zeitrechnung wanderte das Volk der Esten von irgendwo hinter dem Ural bis ins Baltikum ein - wie auch die Finnen. Dann geschah erstmal nicht viel - Finnen, Esten, Letten und Litauer suchten sich ihr Plätzchen und erwehrten sich der vielen Slawen im Osten. Um das Jahr 1200 herum war es soweit - deutsche Kreuzritter fielen in →Lettland ein, kurze Zeit später bemühten die Dänen sich redlich um Estland. Das ging nicht sehr gut, und so halfen die Kreuzritter nach und christianisierten die Esten mit Gewalt.

Deutsche Zeugen: 'Kiek in de Kök'-Turm
Deutsche Zeugen: 'Kiek in de Kök'-Turm

Die Dänen beherrschten nun Estland, aber die Deutschen wurden immer einflussreicher. Das Land begann, sich prächtig zu entwickeln. 1347 trat Dänemark die Besitzungen an den deutschen Orden ab, und so wurde der Ordensstaat Livland geschaffen. Enge Verbindungen zur Hanse zahlten sich aus. Die Esten selbst hingegen waren zumeist zur Feldarbeit verdonnert. Rußland war nicht faul und griff 1558 nach Estland, und so riefen die Deutschen die Schweden um Hilfe. Die kamen 1561 auch prompt, taten aber mehr, als den Deutschen lieb war. Der Norden wurde schwedisch, der Süden polnisch-litauisch. 1700 kamen die Russen wieder - gerufen von den Deutschen - und entfesselten einen langen und barbarischen Krieg. Dieser Grosse Nordische Krieg griff auf weite Teile Europas über. 1721 war es schliesslich geschafft - im Frieden von Nystad wurde Russland das heutige Estland zugesprochen. Die Machtverhältnisse änderten sich indes nicht - die Deutschen herrschten, die Esten darben. Von 1816 bis 1819 wurde die Leibeigenschaft abgeschafft, aber das änderte nicht viel.

Die Russen oder die Deutschen - beides erschien den Esten nicht sehr verlockend. Es kam zu Aufständen, und der Erste Weltkrieg verschärfte die Situation. Im Februar 1918 gründete man zum ersten Mal die Estnische Republik, die jedoch schnell wie der Rest des Baltikums von Deutschland besetzt wurde. Die 1917 im nahen St. Petersburg ausgebrochene Revolution fand auch in Estland ihre Anhänger. Eine nationalistische Koalition bekämpfte jedoch in einem blutigen Bürgerkrieg die Bolschewiki. Der Widerstand war so stark, dass Russland schliesslich im Frieden von Tartu 1920 auf Estland verzichtete. 1920 bis 1922 kam es zu Bodenreformen, infolgedessen die deutsch-baltischen Familien an Einfluss verloren und die Lage der Bauern verbessert wurde. Der Staat wurde jedoch zunehmend diktatorisch, woran ein versuchter Staatsstreich 1934 nichts änderte.

Auch Estland fiel dem Geheimen Zusatzprotokoll im Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion zum Opfer und wurde im Juni 1940 von der Sowjetunion annektiert. 1941 kam es zu einer grossen Säuberungsaktion, bei der zehntausende Esten ermordert, verschleppt oder in die Rote Armee gezwungen wurden. Der blanke Terror herrschte in Estland. Das änderte sich im Juni 1942 kaum, als die Wehrmacht Estland besetzte und das Land in das Generalkommissariat Ostland eingliederte. Der Terror ging weiter. Im August 1944 stand die Rote Armee wieder in Estland, und der stalinistische Terror wurde fortgesetzt. Vor allem im Jahre 1949 wurden die "Feinde des Volkes" gejagt und erneut zehntausende Esten ermordet oder deportiert. Hinzu kam die Zwangskollektivierung, eine massive Industrialisierung und die Russifizierung - die Landessprache Estnisch wurde mehr und mehr verdrängt.

Und so hielt der kommunistische Alltag Einzug in Estland. Worunter vor allem die Umwelt und die estnische Kultur litten. Im Jahre 1988 begann jedoch eine leise Revolution im Land - gewaltfrei, mit viel Musik und schleichend. Auf dem Rücken von Perestroika und Glasnost' gelang es Estland, am 20. August 1991 zum zweiten Mal in seiner langen und bitteren Geschichte die Unabhängigkeit zu erklären. Estnisch wurde wieder zur offiziellen Landessprache, die estnische Kultur wurde seitdem massiv gefördert. Enge Verbindungen zum reichen Nachbarn im Norden, Finnland, verhalfen dem Land zu einem raschen Aufschwung. Und so wurde Estland ohne Probleme vollwertiges Mitglied der EU am 1. Mai 2004. Das Land ist sehr modern - so ist laut Verfassung jedem Einwohner das Recht auf (freien!) Internetzugang eingeräumt worden.

 

 

 

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