Reiseberichte

Tag 12: Akhaltsikhe (Akhaltsikhe in Georgian)

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Nur fr Frhaufsteher: Mt. Kasbek
Nur fr Frhaufsteher: Mt. Kasbek
Am Vorabend besttigten uns die anderen Reisenden, dass der Kasbek nur am frhen Morgen zu sehen ist. Da wir sowieso einen weiten Weg vor uns haben und ich unbedingt den Kasbek sehen mchte, stehen wir um sieben Uhr auf. So auch fast alle anderen. Whrend ich darauf warte, ins Bad gehen zu knnen, ffne ich die Hintertr, und siehe da - der Kasbek leuchtet mir entgegen (siehe Photo links). Den kann man auch besteigen, aber dazu braucht man einen Fhrer. Und das ganze kostet ber 100 €. Da man auf dem Weg zum Gipfel wohl auch kurz russisches Territorium durchquert, steht in ziemlich grosser Hhe angeblich ein russischer Offizier, der die Hand aufhlt.

Im Bad stehen zwei grosse Kbel mit Wasser, die fr die Leute auch gerade so reichen. Danach frhstcken wir unten. Vano begrsst uns und drckt mir zwei beidseitig beschriebene Bltter in die Hand. Als wir uns am Vorabend viel ber Sprachen unterhielten, hatte ich ihm das koreanische Schriftsystem erklrt, denn wenigstens dass kannte er noch nicht. Wahrscheinlich schreibt er das jetzt fliessend...Im Gegenzug hatte er doch tatschlich abends noch vier Seiten voll mit den Grundlagen der Grammatik und Schrift der Farsi-Sprache (Persisch) vollgeschrieben - in rot und schwarz, leicht verstndlich dargestellt. Einfach unglaublich.

Da angeblich um 9 eine Marshrutka nach Tbilisi fhrt, gehen wir zur Bushaltestelle. Vano winkt uns noch lange hinterher. Nette Menschen wie er und seine Familie sind unbezahlbar... Einige andere machen sich auf dem Weg zum Gletscher, der zu Fuss wohl ca. drei Stunden entfernt liegt. Leider haben wir dafr nicht das entsprechende Schuhwerk. Und da wir in sechs Tagen von Istanbul zurckfliegen, auch nicht die Zeit, was am rgerlichsten ist. Whrend wir auf die Marshrutka warten, geniessen wir den Anblick des Kasbek, der noch in rotes Morgenlicht getaucht ist. Wir knnen den Berg auch lnger als geplant bewundern, da keine Marshrutka kommt. Ein alter, dubios aussehender Mann bietet uns an, uns mit seinem Lada nach Tbilisi zu fahren. Zu zweit fr 40 Lari. Mit der Marshrutka wren es 16, und obwohl der Preis gerechtfertigt ist, lehne ich erstmal ab. Wir unterhalten uns noch ein bisschen, und er sagt, er fhre uns fr zehn Lari pro Person, wenn sich noch zwei andere finden. Und tatschlich - eine ltere Frau und eine jngere, nebst Kind, finden sich. Wir quetschen uns in den Wagen - aber es ist trotz der Enge immer noch besser als im Bus.

Der Kasbek (5047m), links die Sameba-Kirche
Der Kasbek (5047m), links die Sameba-Kirche
Leider findet das Kind die schauklige Fahrt nicht so witzig und bergibt sich nahezu pausenlos - nur kurz unterbrochen von Heul- und Schreikrmpfen. Whrend ich stndig sehe, wie sich das Kind bergibt, berlege ich mir, ob mir jetzt auch schlecht werden soll. Tut es aber gottseidank nicht. Unterwegs halten wir wegen des Kindes drei Mal an - einmal auch an dem schnen Stausee - wofr ich ziemlich dankbar bin. Daran, dass das Kind sich permanent bergibt, habe ich mich ja gewhnt, aber das Geschreie und Gequengele zwischendurch zermrbt langsam. Ich nahm an, dass die Fahrt mit dem Lada schneller wre als mit der Marshrutka, aber in Wirklichkeit, dauerte es sogar lnger. Gegen halb zwei kommen wir am Busbahnhof Didube in Tbilisi an. Wir bezahlen den Fahrer und suchen ein Restaurant. In einer Speisehalle bestellen wir Kotlett (was eher wie ein Hamburger war), eine Art Stew und zwei Flaschen Limonade, die wir schon oft hier gesehen haben. Aber die Limonade ist unertrglich sss und schmeckt sehr eigenartig - nicht zu empfehlen. Alles zusammen, inklusive Kaffee, zahlen wir zu zweit gerade mal 6 Lari.

Daneben gibt es eine Toilette, in der man pro Person 20 Tetri bezahlen muss. Wir wollen der hyperaktiven Frau dort also 40 Tetri geben, aber sie lehnt das Geld ab und sagt, dass es in Georgien Tradition ist, dass Gste als solche behandelt werden und deshalb nichts zu zahlen htten. Welch Kontrast zu den vielen Bettlern! Die Frau verdient mit ihrer Toilette mit Sicherheit auch kaum genug zum berleben, und trotzdem lehnt sie das Geld ab. Wir knnen auch nichts dagegen machen, obwohl ich ihr das Geld gerne gegeben htte.

Wir wollen weiter nach Akhaltsikhe nahe der trkischen Grenze. Und finden schnell eine Marshrutka, aber bis zur Abfahrt um drei Uhr haben wir noch viel Zeit, und schlendern so ber den Markt. Die Marshrutka selbst ist ein ziemlich neuer Ford-Transporter, mit deutscher Firmenaufschrift. Wie der wohl hierher kam...Jedenfalls freute sich der Fahrer, als er merkte, dass ich und sein Bus aus dem gleichen Land kommen. Daumen hoch! Und mit Karacho geht es los - er holt alles aus dem Motor. Noch in der Stadt winken uns Polizisten aus dem Verkehr. Der Beifahrer rennt zu den Polizisten und drckt denen einfach Geld in die Hand! Keine Diskussion, nichts - einfach Geld geben und das wars.

In anderen Lndern fragt man wenigstens, wofr man jemanden bestechen muss. Im Bus lese ich die "Georgian Times", eine englischsprachige Wochenzeitschrift. Auf der Titelseite der Vermerk "Wenn Sie die Georgian Times kaufen, untersttzen Sie die freie Presse von Georgien". Von wegen! Regierungstreuer geht es nicht - "Wie auch unser Prsident Schewardnadse sagt..." und hnliche Stze sind typisch.

Das Lesen im Bus ist aber nicht sehr einfach. Die Strasse im Tal, durch Kaspi und Gori, ist erstaunlich gut, aber nur einspurig, was den Fahrer zu waghalsigen Manvern verleitet. Er fhrt wie der letzte Henker. Irgendwann biegen wir wieder ab in die Berge, quer durch Borjomi, einem Kurort, in dem auch wirklich gutes Mineralwasser produziert wird. Und statt in vier Stunden, wie im Reisefhrer angegeben, sind wir in nur guten drei Stunden in Akhaltsikhe, unserm Zielort. Kurz vor Akhaltsikhe gerieten wir in einen heftigen Regenschauer, aber der schien kurz vorher in unserem Zielort aufgehrt zu haben. Im Bus gab es vorher eine Streiterei - ein unterwegs zugestiegener Mann soll zwei Lari bezahlen, will aber nur einen bezahlen. Das artet nach Ankunft schliesslich in einer Prgelei aus.

Nahe des Busbahnhofs gibt es eine Festungsruine, aber ansonsten gibt es scheinbar nicht viel zu sehen im lndlichen Akhaltsikhe. Auf dem Weg zu einem Hotel treffen wir eine beleibte Amerikanerin, die sich riesig freut, uns zu sehen. Als sie sagt, sie lebe hier, bin ich berrascht. Sie arbeite fr das Peace Corps und unterrichte deshalb hier Englisch. Leute vom Peace Corps hatten wir auch schon zuvor in Kazbegi getroffen. Dank ihrer Erklrung finden wir schnell ein billiges Hotel, das gross und alt ist, aber innen sehr sauber. Die Zimmer sind schlicht aber in Ordnung - nur gibt es keine Dusche. Im Hinterhof gibt es extra ein nagelneues, sehr schnes Bad. Der "Bademeister" legt Kohlen auf, und eine halbe Stunde spter knnen wir ausgiebig duschen - mit heissem Wasser! Zum ersten Mal seit zehn Tagen heisses Wasser! Dann, die Sonne geht schon fast unter, erkunden wir die Stadt.

Traditionelle Huser in Akhaltsikhe
Traditionelle Huser in Akhaltsikhe
In einer abgelegenen Strasse entdecken wir schne, alte Holzhuser (siehe Photo). Wir wollen zu einer Kirche auf einem Hgel. Auf dem Weg dorthin hlt ein Auto an mit vier jungen Mnnern, die uns fragen, wo wir hingehen. Wir sagen "zur Kirche", und sie sagen, sie zeigen uns die Kirche und warten deshalb dort auf uns. Da die Gegend aber ziemlich verlassen ist, machen wir uns besser schleunigst auf den Rckweg. Wir essen in einer komischen Bar, in der wir die einzigen Gste sind. Es gibt zwar das gleiche wie immer, aber dafr schmeckt es gut und ist sehr, sehr billig. Als wir wieder auf die Strasse gehen, verfolgt uns ein betrunkener Mann, der sehr aggressiv auf uns zukommt und rumkrakeelt. Wir flchten deshalb schnell in eine andere Bar und bleiben dort sicherheitshalber ein bisschen - Akhaltsikhe scheint kein Ort zu sein, in dem man abends frei herumlaufen sollte. Auch so schauten uns alle sehr seltsam an - wohl mangels Touristen.

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  • Von Kazbegi kann man auch mit Privatpersonen nach Tbilisi fahren. Diese fragen oft Reisende an der Bushaltestelle. Das Auto kostet dann 40 Lari - also pro Person kostet die Fahrt dann je nach Anzahl der Personen. Sie fahren direkt zum Busbahnhof Didube. Zur Fahrt mit der Marshrutka siehe Vortag.
  • Busse nach Akhaltsikhe fahren von Didube, eine Marshrutka kostet sieben Lari pro Person, Fahrtzeit um die sieben Stunden.
  • Ein Grenzbergang zur ?Trkei ist nicht weit - mehr Infos dazu siehe den nchsten Tag.

 

 

  • Das Meskheti-Hotel scheint die einzige Option zu sein. Liegt mitten im Zentrum des geringen Geschehens, rundherum gibt es zahlreiche kleine Restaurants und Bars. Das Doppelzimmer kostet 15 Lari, warme Dusche im Hinterhof kostet extra - zwei Lari pro Person. Ein ziemlich sauberer, bequemer Ort. Adresse: Kostavas Kucha, Tel.: 20420. Zu Fuss vom Bahnhof und den davor liegenden Bushaltestellen dauert es gute zehn Minuten.

 

 

 

 

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