Reiseberichte

Tag 10: Kazbegi (Kazbegi in Georgian)

Hier geht die Reise weiter: ?Tag 11: Akhaltsikhe

Lichtspiele im Kaukasus
Lichtspiele im Kaukasus
Heute soll es nach Kazbegi im Kaukasus gehen - einem kleinen Ort mitten im tiefsten Kaukasus, nrdlich von Tbilisi. Selbiger ist lediglich fnf Kilometer von der russischen Grenze entfernt (und nebenbei gesagt nur 20 Kilometer von Tschetschenien). Da ich persnlich die Berge sehr mag, zhlt die Fahrt nach Kazbegi zu meinem persnlichen Highlight auf dieser Tour. Klar kennt jeder den Kaukasus vom Hrensagen, und sicherlich ist dies nur ein weiteres Hochgebirge wie etwa die Alpen, aber trotzdem interessiert es mich brennend, in diese Region zu fahren. Kaukasus - offizielle Grenze zwischen Europa und Asien, Sammelbecken verschiedenster Vlker und Sprachen, leider aber auch immer wieder Schauplatz bitterer Schlachten - siehe Tschetschenien oder Abchasien. Einer georgischen Mr nach verteilte Gott bei der Erschaffung der Erde die Schnheit hier und da. Am Kaukasus angekommen, war noch ziemlich viel brig, also verschttete er den Rest ber dieser kleinen Region.

Was mich interessiert, ist die Frage, wie ursprnglich der Kaukasus ist. Die Alpen sind berall verbaut, kultiviert oder sonstwie erschlossen - klar sind die Berge so, wie sie seit Entstehung sind, aber die Tler sind keineswegs mehr reine Natur. Und Tourismus pur - wohin man schaut. Doch wie sieht es im Kaukasus aus?

Von Nasi erhalten wir eine Adresse und Wegbeschreibung, wo wir in Kazbegi bernachten knnen. Als ich frage, wieviel es kostet, sagt sie nur "wenig". Nun gut. Sie gibt mir zudem noch einen Brief fr die dortige Familie mit. Wir verabschieden uns von Nasi, der wir wirklich einen schnen Aufenthalt verdanken, und fahren mit der Metro vier Stationen nach Didube - zum Busbahnhof. Selbst in der Metro - junge Kinder, die Tand verkaufen, um ein paar Lari zu verdienen. Die U-Bahn verlsst den Untergrund vor Didube und offenbart dort das Chaos - Markt und Busbahnhof in einem - ein grosses Gemenge von Kleinbussen, Bussen und Stnden und unzhligen Menschen.
Nach lngerem Suchen - die Schilder mit den Fahrzielen sind alle nur auf Georgisch, ausser bei den nach Russland fahrenden Bussen - finden wir eine Marshrutka. Es ist schon 10 Uhr, aber die Marshrutka ist noch lange nicht voll, und so dauert es eine geschlagene Stunde, bis jeder Platz besetzt ist und sie endlich losfhrt.

Kazbegi von oben
Kazbegi von oben
Irgendwann fahren wir endlich los und verlassen die Stadt Richtung Norden. Erst entlang eines Flusses und dann vorbei an einem trkisfarbenen, grossen Stausee. Dort schraubt sich die Strasse bedchtig in die Hhe. Hohe Berge sind nicht in Sicht, aber die Berge entlang des Tals bekommen langsam einen alpinen Charakter. Die Strasse ist zum Teil in Bau, und so wird auch diese Fahrt wieder sehr rauh. Wir fahren immer entlang eines Gebirgsflusses, und es wird immer hher. Irgendwann lst sich die Strasse vom Fluss und fhrt in immer luftigere Hhen. In einer Kurve halten wir - hier schiesst ein Gebirgsbach aus der Felswand, an dem alle ihre Trinkflaschen fllen, und neben allerlei Getrnken und Esswaren werden hier auch die typischen hohen Fellmtzen und andere traditionelle Kleidung verkauft. Was bei der Fahrt durch die Berge auffllt - die Landschaft ist wirklich einmalig und oft unberhrt - mit saftig grnen Wiesen bedeckte Steilhnge, vom Wasser geschaffene Furchen, die das Grn durchbrechen, und frische Schuttfcher. Auch einige Drfer sind auf den ersten Blick akut lawinengefhrdet - selbst dort keine Sicherungsmassnahmen.

Es geht weiter die Georgische Heeresstrasse entlang, wie diese den Kaukasus durchquerende Strasse genannt wird, weiter nach oben. Wir fahren vorbei an Gudauri - hier entsteht ein grosses Heliski-Zentrum bzw. ist ein Teil davon schon lange fertig. Vom Helikopter abspringen und Ski fahren ist in den Alpen wohl mittlerweilen verboten und deshalb weicht man halt in den Kaukasus aus. Toll! Die Alpen hat man zugebaut und die Natur nachhaltigst geschdigt, und nun geht es ebend in das nchste Gebirge! Wirklich schade drum. Aber das drfte dem sterreichischen Betreiber egal sein.

Vorbei an der Baustelle und einem grossen, einfach so in die Landschaft gestellten Panorama erreichen wir den Jvari-Pass - mit 2395 Metern der hchste Punkt auf dieser Strecke. Die Wolken hngen tief und es ist ganz schn kalt. Die Landschaft ist wahrhaftig grandios! Ab da geht es wieder etwas abwrts durch vor Steinschlgen schtzende, an die Hnge gebaute Halbtunnel. Die sind allerdings ziemlich alt und brcklig - die Frage, was gefhrlicher ist - die Steinschlge oder diese Tunnel - ist berechtigt.

Karte von Kazbegi
Karte von Kazbegi
Ab jetzt geht es nur noch durch ein etwa 2 bis 3 km breites Trogtal, umgeben von sehr hohen Bergen. Hier und da gibt es ein paar Wolken, aber den Gipfel des Kazbek suche ich vergeblich. Gegen zwei Uhr nachmittags erreichten wir schliesslich Kazbegi. Es ist ziemlich khl, und die Luft ist sehr klar. Kazbegi liegt in einem langen Tal und ist ansonsten von ziemlich hohen Bergen umgeben.

Wir verlassen den Bus und laufen ber eine Brcke zum Dorf Gergeti, um die von Nasi beschriebene Unterkunft zu suchen. Die finden wir auch relativ schnell. In einem zweigeschossigen Haus wohnt Vano nebst Familie - er begrsst uns sehr freundlich auf Englisch. Erst dachte ich, er spricht nur schlecht Englisch, da ich ihn kaum verstand, aber das liegt an einem Sprachfehler - ansonsten spricht er sehr gut Englisch. Er, seine Mutter und seine Schwester nahmen uns sofort auf, als ob wir zur Familie gehrten und von einer langen Reise zurckkamen. Zwei weitere Reisende - aus Japan und Neuseeland - sind auch da, und in dem Raum, der uns gezeigt wird, liegt zahlreiches Gepck von anderen.

Alle haben Schlafscke dabei - nur wir nicht. Oops. Aber wir sind ja auch nur auf Kurzbesichtigung hier. Man fhrt uns erstmal ins Erdgeschoss, wo es einen gemtlichen grossen Raum (inklusive Stalinbild) gibt. Und daran angeschlossen eine Kche - hat ein bisschen was von Jugendherberge. Und die Mutter serviert uns eine deftige Suppe und Brot. Sie gibt mir zuerst einen Teller Suppe, und ich reiche den meiner Freundin weiter - da wurde pltzlich die Mutter energisch, nahm ihr den Teller aus den Hnden und gab ihn wieder mir. Und erklrte, dass in Georgien auf jeden Fall zuerst der Mann das Essen bekommt.

Danach - es ist ja schon spt - machen wir uns auf den Weg zur 400 m hher gelegenen Sameba-Kirche. Will man in die Kirche auch herein, muss man erst den Schlssel holen - von Genri Tchiklauri, der etwas hher im Ort wohnt. Nach einer Weile finden wir auch sein Haus, erfahren aber, dass er gerade weiter unten im Ort ist. Die Zeit wre zu knapp, und deshalb machen wir uns ohne Schlssel auf den Weg nach oben.

Quer durch kleine Felder und im Zickzack durch einen Wald immer nach oben - zu guter letzt krzen wir etwas ab und laufen einen kleinen Pfad durch das Dickicht hoch - bis wir auf einer schnen Wiese stehen. Und einen umwerfenden Blick auf Kazbegi und die umliegende Bergwelt haben. Unter uns schweben hier und da auch ein paar Wolken. In der Richtung, in der der Kasbek sein msste, steht allerdings eine dunkle, regenschwangere Wollkenmauer.

Sameba-Kirche: Auch Puschkin liess sich hier inspirieren
Sameba-Kirche: Auch Puschkin liess sich hier inspirieren
Die Kirche selbst ist in Blickweite. Sie besteht aus der Kirche an sich und einem Glockenturm - umgeben von einer Mauer. Die Steine sind verschiedenfarbig, und man findet seltsame Symbole auf ihnen (siehe Photo...wer weiss, was sie bedeuten, bitte E-Mail schicken!!!). Die Kirche ist faszinierend, aber beinahe noch faszinierender ist die Landschaft. Im Norden kann man bereits erkennen, dass es von dort an wieder bergab geht - ins nordkaukasische Vorland. Der Kaukasus ist wirklich nicht sehr breit...Da es nach Regen aussieht, steigen wir auf einem steilen Pfad in eine andere Richtung wieder ab. Dabei durchqueren wir auch den Friedhof, und begegnen auch noch Dorfbewohnern dort, was mir etwas peinlich ist.

Das Dorf ist verwinkelt, die Huser sind schief und schmutzig und sehen so aus, als ob das 20. Jahrhundert hier spurlos vorbeigezogen wre. Kleinvieh berall; hier und da ein paar spielende Kinder...alles in allem ein schnes Dorf - wobei mir etwas unwohl dabei ist, als Tourist hier einfach so hereinzuplatzen, zumal wir nicht die einzigen Touristen sind. Aber: Die Dorfbewohner schauten uns meistens grimmig an, doch ich nicke ihnen immer lchelnd zu und murmele einen Gruss - und siehe da - jeder von ihnen lchelt pltzlich zurck. Ein gutes Gefhl...

Zurck bei Vano will ich mir einen Kaffee kochen, aber es ist erst 18 Uhr, und da gibt es noch keinen Strom. Die Zeiten, zu denen es hier Strom gibt, sind fest definiert. Wir fragen, wo im Dorf man etwas essen kann. Es gibt da auch keine grosse Auswahl - zwei "Restaurants". Eines sieht aus wie ein Kindergartenspeisesaal. Und das Ehepaar, das dort arbeitet, ist sehr lustig. Wir bestellen Brot und Salat, etwas gebratenes Fleisch und Kse. Bei Vano gibt es auch Abendbrot, aber das wussten wir nicht und ist bei den billigen Preisen auch nicht weiter rgerlich. Abends sitzen bei Vano alle Gste zusammen - und Vano ist dabei. Seine Schwester ist mir ebenfalls sehr, sehr sympathisch - eine Seele von Mensch. Wir treffen an dem Abend etwa acht andere - aus Tschechien, England, Japan...und unterhalten uns sehr gut - bei georgischem Wein. Ich unterhalte mich mit Vano ber Sprachen - der Mann ist ein Sprachgenie! Er spricht und schreibt mindestens Georgisch, Altgeorgisch, Russisch, Armenisch, Arabisch, Farsi, Englisch und scheinbar auch Hindi, und lernt gerade Japanisch. Und er ist schwer in Ordnung - ich unterhalte mich lange angeregt mit ihm. Irgendwann ziemlich spt abends gehen wir ins Zimmer - die Tschechen spielen noch Karten, und wir machen uns in den einzigen beiden Betten, die dort stehen, breit...mangels Schlafsack. Schade eigentlich.

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  • Marshrutkas von Tbilissi starten vom Busbahnhof Didube, zu dem man direkt mit der Metro fahren kann. Pro Person kostet die Fahrt 8 Lari (4 €) und dauert etwa drei Stunden. In Kazbegi gibt es freilich keine Verkehrsmittel - alles ist in Laufweite.
  • Von Kazbegi bis zur russischen Grenze sind es nur 5 Kilometer, und es fahren einige Busse und Marshrutkas bis nach Vladikavkaz (ehemals Ordchonikidze) in Nordossetien. Visapflicht beachten!

 

 

  • Unterkommen kann man bei Davithet Vano Sujashvili, Telefonnummer 00995-345-524 18. Lage siehe Karte oben - knappe zehn Minuten von der Bushaltestelle entfernt. Die Nacht in einem Bett (mit Schlafsack wirds wohl billiger) kostet 10 Lari - inklusive Mahlzeiten wohlbemerkt! Warmes Wasser gibts freilich nicht und Strom nur sporadisch, aber wenn kmmert es dort! Eine geniale Unterkunft, und Vano und seine Familie sind sehr, sehr liebenswrdig. Von Vano bekommt man auch alle ntigen Informationen, wenn man wandern mchte oder bergsteigen.

 

 

 

 

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