Reiseberichte

Tag 4: Batumi (Batumi in Georgian) ? Tbilisi (Tbilisi in Georgian)

Hier geht die Reise weiter: ?Tag 6: Tbilisi ? Jerevan

Bahnhof von Batumi
Bahnhof von Batumi...
...und eine der zahllosen Khe
Kurz nach sieben weckte uns der zugegebenermassen nicht so freundliche Schaffner. Ein Blick aus dem Fenster zeigte uns eine in mildes Morgenlicht getauchte, wilde Landschaft mit einem kleinen Fluss und schroffen Hgeln im Hintergrund und vllig verrotteteten Industrieanlagen hier und da im Vordergrund. Kurz vor acht - pnktlich wohlgemerkt - fuhren wir in Tbilissi ein. Auf dem schmutzigen Bahnhof wuselten hunderte Menschen mit viel Gepck. Bald fanden wir eine Treppe und stiegen hinab. Ein langer, so unebener und schmutziger wie dunkler Gang fhrte nach draussen - mit nur einer nackten, von der Decke baumelnden Glhbirne an jedem Aufgang. Die Suche nach einem Kaffee zum Frhstck fhrte uns zu einer der zahlreichen Imbissstnde vor dem Bahnhof. Dort sprach uns prompt ein ziemlich Betrunkener an. Wo wir herkmen, warum wir eigentlich nach Georgien kmen, ob wir einen Schnaps mit ihm trinken usw. Wir beliessen es bei Kaffee. Knstler sei er, mehr aber wohl Lebensknstler, und es sei ja nun mal egal, ob man morgens oder abends trinkt. Und wir sollten uns besser schnell vom Bahnhof entfernen, denn dort gbe es viele schlechte Menschen. Das glaubten wir ihm gern. Er bestand noch darauf, unsern Kaffe zu bezahlen, und wnschte uns alles Gute.

Zu Fuss - wir hatten ja Zeit, machten wir uns auf die Suche nach einer Adresse im Stadtinneren, wo man, so der Tipp, fr wenig Geld in einer Familie bernachten kann. Auf dem Weg durch die khlen, baumgesumten Strassen, suchten wir eine Bank mit Geldautomaten - erfolglos. Nach lngerem Suchen und ein bisschen herumfragen fanden wir die gesuchte Adresse in einem Hinterhof. Eine freundlich wenn auch streng aussehende, ltere Frau kam aus dem Haus. Ja, wir knnen bernachten, sagte sie, und zeigte uns ein riesiges Wohnzimmer mit einem Doppelbett. 5 Dollar pro Person - zahlbar nur in Dollar. Das klang vernnftig. Und so machten wir uns sofort wieder auf den Weg zur Stadterkundung.

Stadtplan von Tbilissi
Stadtplan von Tbilissi

Tbilissi alias Tbilisi alias Tiflis hat ca. 1.5 Mio Einwohner - nahezu 30 % der Georgier leben hier. Der Mtkvari-Fluss teilt die Stadt in Nord und Sd bzw. in Left Bank und Right Bank mit der eigentlichen Altstadt auf der Sdseite bzw. dem Rechten Ufer. Der Bahnhof ist hingegen im Nordwesten und etwas abseits gelegen. Obwohl die Stadt in den letzten 1500 Jahren mindestens 30 mal von diesen und jenen erobert wurde, gibt es viele historische Sttten zu sehen. Doch nicht nur die - auch die kosmopolitische, lebendige Atmosphre der Stadt macht Tbilissi zu einem Muss fr jeden Georgien-Besucher. Die sozialistische Architektur rund um das jetzige Flchtlingsquartier Hotel Iveria, die vielen Kirchen nahe der Methekis-Brcke zwischen Erekle II Kucha und Abesadzis Kucha (Kucha bedeutet Strasse), das mondne Tbilissi mit zahlreichen Regierungsgebuden und schnen Geschften entlang der Rustaveli Gamziri und der Ausblick auf die Stadt von der Narikala-Festung - es gibt viel zu sehen in der Stadt, und alles ist mehr oder weniger in Laufweite.

Im Zentrum von Tbilissi am Mtkvari-Fluss, das Hochhaus links ist 
das besagte Hotel Iveria
Im Zentrum von Tbilissi am Mtkvari-Fluss,
das Hochhaus links ist das besagte Hotel Iveria
Das Hotel Iveria (siehe Detailaufnahme unter ?Georgien) mit dem grossen Springbrunnen und den monumentalen aber interessanten Betonformationen davor ist ein Phnomen - scheinbar findet man wirklich keine Lsung fr die Brgerkriegsflchtlinge, so dass diese jahrelang unter zweifelhaften Umstnden aber immerhin in bester Lage - auch wenn es ihnen nichts ntzt - leben mssen. Gleich nebenan beginnt die Prachtstrasse Rustaveli Gamziri - eine schne, breite Strasse mit vielen interessanten Gebuden und definitiv zu starkem Verkehr.

Wenn man die Rustaveli Gamziri entlang luft, stt man auf den Tavis-Uplebis Moedani (Moedani heisst Platz) und der nahgelegenen Galerie fr moderne Kunst sowie dem Janashia-Museum ber Georgien. Am Tavis-Uplebis-Platz gibt es auch eine Bank, die gerade Geldautomaten installiert, wo man aber auch so auf Kreditkarten Bares bekommt. Schwenkt man nun Richtung Mtkvari-Fluss, kommt man in das ganz alte, eng bebaute Zentrum der Stadt entlang der Shavtelis-Kucha. Dort reihen sich zahlreiche Kirchen, Galerien und Museen aneinander, die alle aufzuzhlen hier den Rahmen sprengen wrde.

Kirchengesumte Shavtelis Kucha in Tbilissi; ganz klein im Hintergrund 
Mutter Georgien
Kirchengesumte Shavtelis Kucha in Tbilissi;
ganz klein im Hintergrund Mutter Georgien
Interessant sind die senkrechten Felswnde entlang des Mtkvari-Flusses gleich hinter der Metekhis-Brcke. Am rechten Ufer hingegen thront die gleich hinter der Armenischen St. George-Kathedrale die Narikala-Festung ber der Stadt. Diese ist leicht zu erklimmen. Vor der Festung kommt man allerdings zuerst in die St Nicholas-Kirche. Eine alte, zahnlose Frau - offensichtlich die "Hausmeisterin" - nherte sich uns und sagte, wo wir in die Kirche hineingegen knnen. Und bat um etwas Geld. Ich gab ihr einen Lari, und sie freute sich. Als wir aus der Kirche herauskamen, kam sie wieder und erzhlte ihre Lebensgeschichte - in zwei Minuten. Fazit - "Bitte, darum gebt mir einen Dollar". Einmal reichte wohl nicht...sicher leben viele in bitterster Armut in Georgien, denn soziale Wohlfahrt ist verschiedenen Quellen zufolge praktisch nicht existent - andererseits, wenn man jedem, der in Georgien um Geld bittet, auch welches geben wrde, knnte man gar nicht genug mitbringen. Und nachdem man Geld bekommen hat, die gleiche Person nochmal zu bitten, kann ich persnlich nicht nachvollziehen.

Von der Festung selbst - die ltesten Mauern stammen wohl aus dem 4. Jhd., ist nicht mehr viel brig - Folge einer riesigen Explosion 1827. Von dort hat man allerdings einen sehr schnen berblick ber die gesamte Stadt. Luft man etwas weiter den Kamm entlang, trifft man auf Kartlis Deda, die "Mutter Georgiens", einer riesigen, weithin sichtbaren Statue mit einer Schale Wein in der einen (fr die Freunde Georgiens) und einem Schwert (fr die Feinde) in der anderen Hand. Ich persnlich bevorzuge da das Erstere. An dem Monument herumlungernde Polizisten schauten uns an wie Ausserirdische...ob wir wohl die Mittagsruhe gestrt haben? Irgendwie schlagen wir uns durch ominse Stadtviertel durch und laufen zurck zum Stadtzentrum. Das spte Mittagessen im Zentrum besteht aus Chranili, einer georgischen Spezialitt. Das sind gefllte Teigtaschen, die den chinesischen Baozi sehr hnlich sehen. Der Teig ist dick, mit Fleisch gefllt und nach oben zusammengedreht.
Busbahnhof Didube mit zahllosen Marshrutkas, Tbilissi
Busbahnhof Didube mit zahllosen Marshrutkas, Tbilissi
Die doppelte Portion mit Kaffee und Cola kostet gerade mal 6 Lari. Danach gehts mit der Metro kreuz und quer durch die Stadt. Die Stationen liegen sehr tief unter der Erde, so dass die Fahrt mit der Rolltreppe, obwohl diese ziemlich schnell ist, relativ lange dauert. Es gibt nur zwei Linien und die Stationen liegen meist ziemlich weit auseinander, so dass man sie in der Innenstadt kaum nutzen kann, nach ausserhalb aber schon.

Abends dann die nchste georgische Spezialitt - Khachapuri. Sieht von oben aus wie ein grosses Auge. Khachapuri ist ein Teigschiffchen, berbacken mit Schafskse und einem Ei in der Mitte. Macht satt und schmeckt hervorragend.
Internet kann man auch in Tbilissi benutzen. So gibt es Internetcafe's rund um die Rustaveli-Metro-Station. Die Stunde kostet so um die 2 Lari.

Hier geht die Reise weiter: ?Tag 6: Tbilisi ? Jerevan

 

 

  • Der Flughafen liegt knappe 20 km stlich vom Zentrum entfernt, ein Bus fhrt regelmig durch das Stadtzentrum hindurch bis zum Bahnhof.
  • Der Bahnhof liegt etwas ausserhalb vom Zentrum, aber von dort fahren zahlreiche Busse und Marshrutkas. Die Bahnhofsgegend sieht nicht unbedingt sehr sicher aus. Zur Fahrt von und nach Batumi siehe Vortag. Zge fahren u.a. nach Jerevan und Baku.
  • Eine Fahrt mit der Metro kostet, egal wohin, 0.20 Lari. Die muss man in Jetons umtauschen.
  • Dutzende Marshrutka-, Bus- und Trolleybuslinien durchkreuzen die Stadt. Marshrutkas kosten meist 0.50 Lari pro Fahrt. Einfach jemanden fragen - zumindest irgendeine Marshrutka fhrt mit Sicherheit zum gewnschten Zielort.
  • Es gibt zwei Busbahnhfe: Didube im Westen ist ein gutes Stck vom Zentrum entfernt, die Metro fhrt allerdings direkt hin (sechste Station ab Rustaveli). Ab Didube fahren alle Inlandsbusse Richtung Norden, Sden und Westen - zum Beispiel nach Borjomi, Kazbegi, Batumi, Kutaisi usw. Von hier fahren auch Taxis und Marshrutkas nach Vladikavkas und Mineralnye Vody in Russland (Visum!!!). Ortachala liegt im Osten, nahe des Mtkvari-Flusses (Sdseite) und ist mit Marshrutkas bzw. dem Bus erreichbar. Von hier fahren Busse und Marshrutkas nach Ostgeorgien, Armenien, Aserbaidschan und die Trkei.
  • Falls keine Marshrutka mehr fhrt - Taxis gibt es freilich auch. Scheinbar oft ohne Taximeter. In dem Fall Preis vorher verhandeln!!! Beispiel: Von Marjanishvili zur Bushaltestelle Ortachala 3 Lari (ob das ein guter Preis ist, weiss ich nicht, aber die Strecke ist lang und 3 Lari scheint dafr okay zu sein. Der Fahrer wollte erst 5 Lari).

 

 

  • Es gibt viele Hotels in Tbilissi, aber keine Hostels oder Jugendherbergen. Hotels scheinen auch alle sehr teuer zu sein. Im Hotel Iveria ist die 3. Etage wohl auch fr Hotelgste reserviert. Eine bessere Wahl ist mit Sicherheit die bernachtung bei einer Familie.
  • Eine bernachtung bei Nasi kostet pro Person 5 Dollar. Die Wohnung ist riesig, und irgendwie hat Nasi immer Platz, jemanden unterzubringen. Heisses Wasser kostet extra. Die Familie ist auch sehr nett - man kann sich mit ihnen sehr gut unterhalten. Nasi ist sehr streng, wenn es um Wasser- und vor allem Stromverbrauch geht! Und bloss nicht die Wohnung mit Schuhen betreten - nach Hausschuhen fragen! Ansonsten ist die Unterkunft wirklich schn, man trifft auch andere Backpacker abends auf der Terasse. Und - Nasi kennt bernachtungsadressen in Jerevan, Borjomi, Kazbegi usw. - sehr praktisch. Adresse: Marjanishvilis Kucha 30/92. Mit der Metro bis Marjanishvili, am Ausgang links und gleich wieder links, gute 200 Meter laufen, dann auf der linken Seite in einem Hinterhof. Davon gibt es viele. Am besten, jemanden, der dort wohnt, fragen - man kennt Nasi schon. Diese bernachtung ist (noch!?) ein echter Geheimtipp. Genau so stellt sich ein Backpacker das vor.

 

 

 

 

©2018 Tabibito.de