Geschichte - kurzer Überblick

Hongkong ist bekannt als einstige britische Kronkolonie, doch nur wenige wissen, dass die Geschichte Hongkongs als Kolonie erst sehr viel später begann als die des benachbarten, ehemals portugiesischen Macaos. Bei Ausgrabungen im Gebiet von Hongkong stellte man fest, dass die Gegend schon seit einigen Jahrtausenden besiedelt war. Für sehr lange Zeit spielte das heutige Hongkong allerdings keine grosse Rolle - in der Gegend wurde Fisch gejagt, Salz gewonnen und Perlen geerntet, doch Kanton und viele andere Städte weiter im Landesinneren spielten immer eine grössere Rolle.

Dies sollte sich 1842 ändern. Die Briten entdeckten zu der Zeit den lukrativen Handel mit Opium, welcher vom Kaiserhaus mit Missgunst betrachtet wurde. Das kaiserliche China versuchte mit Gewalt, den Opiumhandel zu stoppen, doch das in Sachen Kriegstechnik überlegene Königreich siegte gegen China und nahm bereits im Jahr 1841 die Insel Hongkong in Beschlag. Am 29. August 1842 wurde der Vertrag von Nanking besiegelt, welcher den Opiumkrieg beendete, die Chinesen zwang, einige Häfen für den Aussenhandel zu öffnen sowie England die Einrichtung Hongkongs als Kronkolonie zu genehmigen.

Die Lage von Hongkong war bewusst gewählt: Es liegt direkt an der Mündung des Perflusses und damit an der "Aussentür" des grossen Reiches. Zudem ist Hongkong von Natur aus mit einem geschützt gelegenen, aussergewöhnlich tiefem Naturhafen ausgestattet. Und so entwickelte sich die kleine Insel Hongkong binnen Jahren zu einer lebhaften Hafenstadt, wobei die Grenzen des Wachstums schnell deutlich wurden. Dies wurde in der Pekinger Konvention 1860 gelöst. Auch im Zweiten Opiumkrieg unterlag China den westlichen Mächten - jene besetzten Peking und drohten damit, den Kaiserpalast niederzubrennen. Der Kaiser wurde somit zu schmerzhaften Kompromissen mit England und Russland gezwungen. China verlor einen Teil der Mandschurei an Russland und musste Kowloon - die Halbinsel nördlich der Insel Hongkong - für immer an England abtreten. Ein paar Monate vorher wurde Kowloon noch "geleast", doch die Dinge änderten sich nach der Niederlage des Kaiserreiches.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Hongkong jedoch direkt von der Dritten Pestwelle, ausgehend um 1850 in der chinesischen Provinz Yunan, getroffen - viele zehntausend Menschen starben, und Hongkong kämpfte noch bis in die 1920er mit der Pest. 1898 unterzeichneten das Vereinige Königreich und China die Zweite Pekinger Konvention, dieses Mal unter friedlicheren Umständen. Der Vertrag erlaubte Grossbritannien, die sogenannten 新界 New Territories zu pachten - ein Stück Land, welches wesentlich grösser als die Insel Hongkong ist, sowie die Insel Lantau und dutzende kleinerer Inseln rund um die Insel Hongkong. Der Pachtvertrag hatte eine Laufzeit von 99 Jahren und sicherte der Kronkolonie Raum für weiteres Wachstum.

Hongkong entwickelte sich in den Jahrzehnten bis zum 2. Weltkrieg prächtig als Handelsdrehscheibe und Schnittpunkt zwischen westlicher und chinesischer Kultur. Schnell hatte es dabei dem benachbarten, wesentlich kleineren Macao den Rang abzulaufen. Das hatte jedoch ein abruptes Ende 1941: Nur 8 Stunden nach dem Angriff auf Pearl Harbor griff Japan den Flughafen von Hongkong an und gewann damit die Luftoberheit. 17 Tage später kapitulierten die in Hongkong stationierten Truppen des Königreichs und des Commonwealth vor der japanischen Übermacht. Hongkong blieb die folgenden knapp 4 Jahre - bis zum 15. August 1945 - von Japan besetzt. Diese Jahre waren geprägt von brutaler Unterdrückung, Hunger und Hyperinflation. Viele Bewohner flüchteten vor den Besatzern oder wurden zwangsumgesiedelt - lag die Bevölkerung vor der Invasion bei 1,6 Millionen Menschen, so waren es bei Kriegsende nur noch ca. 600'000.

Die Engländer kehrten umgehend nach der Kapitulation des Japanischen Kaiserreiches am 15. August 1945 zurück. Hongkong bekam in den darauffolgenden Jahren sehr viele Zuwanderer aus China, da dort der Bürgerkrieg zwischen den Kommunisten und der Kuomintang wütete. Mit dem Sieg der Kommunisten flohen besonders viele Unternehmer nebst Kapital und Knowhow z.B. aus Shanghai nach Hongkong. Die Zügel wurden derweilen auch in Hongkong gelockert: Vor dem Krieg gab es noch Apartheid-ähnliche Züge (gewisse Strände und Stadtteile waren für ethnische Chinesen tabu).

Aufgrund der Entwicklung in der VR China verlegten fast alle ausländischen Firmen mit Niederlassung in China ihre Büros nach Hongkong. Hinzu kamen die zahlreichen Chinesen, die vor den Kommunisten flohen. Das Wachstum, vor allen bei den kleinen Betrieben, die alles mögliche herstellten und den Angestellten nur Hungerlöhne zahlten, brachte Probleme mit sich. Unterkünfte wurden knapp, und so begann man, mit offiziell gefördeten Wohnprogrammen massiv Wohnraum zu schaffen. Hongkong stand in den 1950ern dabei noch für ein Billiglohnland, das viel billigen Ramsch herstellt, doch das Image sollte sich schon in den 1960ern bessern. Vor allem um 1967 kam es jedoch zu schweren Unruhen in Hongkong - in der Volksrepublik tobte die Kulturrevolution, und Nachahmer und sehr viele Unzufriedene gab es auch in Hongkong. Bei den 六七暴動 Unruhen von (19)67 gab es über 50 Tote bei Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei und Bombenattentaten.

Die folgenden Jahrzehnte kann man mit rapidem Wachstum sowohl bei der Bevölkerung als auch bei der Wirtschaftsleistung und dem Lebensstandard bezeichnen. Aus dem Billiglohnland wurde einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte Ostasiens. Die Hochhäuser wurden immer mehr und die Bevölkerung zu einer der reichsten in der ganzen Welt. Zugute kam Hongkong dabei die allmähliche wirtschaftliche Öffnung der VR China sowie später auch die Tatsache, dass die VR China mit Taiwan nur über Hongkong als Mittelsland verkehrte: Ein nicht unbeachtlicher Teil der unzähligen Milliarden Dollar, die zwischen Taiwan und der VRC flossen, blieb in Hongkong. Hinzu kam die sich immer mehr abzeichnende Rolle als Luftdrehkreuzes für die Region sowie die steigende Beliebtheit bei Touristen.

1997 war es laut Vertrag soweit: In einer feierlichen Zeremonie wurde Hongkong von der Krone an die VR China zurückgegeben - unter der Prämisse des 一國兩制 - ein Land, zwei Systeme-Models. Die Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit sowie die meisten Gesetze sollen demnach für weitere 50 Jahre bestand haben. Die Grenze und Dinge wie die eigene Währung usw. bleiben vorerst. Die ersten Dinge, die sich änderten, hatten eher Symbolcharakter: So verschwand das Antlitz der Queen von Geldscheinen und Briefmarken. Das Bildungssystem wird dem offiziellen chinesischen System angepasst. Ansonsten lässt die Regierung in Peking Hongkong weitgehend freien Lauf.

Im ersten Jahrzehnt nach dem Jahr 2000 brachte einige Rückschläge - so durch das in Hongkong ausgebrochene SARS oder der globalen Rezession beginnend 2008, doch auch diese Herausforderungen wird Hongkong sicherlich mit Bravour meistern.

 

 

 

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