Hört man in Deutschland von Südkorea, dann meist in Verbindung mit Nordkorea, Streiks oder Studentenprotesten. Auch Kampfsportfreunden ist das Land meist ein Begriff. Doch als Reiseziel liegt das Land weit hinter China, Japan, oder gar Thailand, zurück. Dafür mag es einzelne Gründe geben, doch ist es auf jeden Fall eine Reise wert. Ganz Korea befindet sich auf der gleichnamigen Halbinsel zwischen Gelbem und Chinesischen Meer- mit Landgrenze zu China und Russland im Norden und unmittelbarer Nähe zu Japan im Südosten. Nord- und Südkorea sind zusammen rund 220,000 km² groß, wobei Südkorea etwas kleiner ist als der Norden (in etwa so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen). Doch während in Nordkorea nur rund 20 Millionen Menschen leben, sind es im Süden gut 45 Millionen - damit ist die Bevölkerungsdichte fast doppelt so groß wie die Deutschlands. Getrennt sind beide Staaten etwa entlang des 38. Breitengrades durch die wohl weltweit gefährlichste Grenze. Ganz Korea ist überwiegend gebirgig mit Höhen bis zu 1950 m in Südkorea und über 2700 Metern im Norden. Korea hat - gerade in jüngerer Zeit - eine sehr abwechslungsreiche und tragische Geschichte erfahren.

 

 

 

 

Schon in sehr früher Zeit eingewanderte Stämme vereinigten sich und gründeten im 1. Jahrhundert u.Z. das erste koreanische Königreich. Dieses teilte sich jedoch später, bis sich im 3. Jhd. drei bedeutende Königreiche herausbildeten und in dieser Form rund 400 Jahre lang überdauerten. Sie hießen Koguryo, Paekche und Shilla, befanden sich im stetigen Austausch mit China und bedingt auch mit Japan - dies stellten eine erste große Blütezeit dar. Mit dem 7. Jhd. wurde Shilla immer stärker, bis es schließlich ganz Korea in einem Reich vereinigte. Doch im 9. Jahrhundert wurde das Reich immer schwächer, und es folgte die Koryo-Dynastie. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts fielen die Mongolen in Korea ein und verwüsteten das Land. Die nachfolgende Invasion Japans schlug jedoch fehl (siehe →Geschichte Japans). Die Dynastie wurde stark geschwächt und musste hohen Tribut an die Invasoren leisten. Bald erstarkte die Yi- (auch Choson genannte) Dynastie, in deren Verlauf Korea prosperierte. Diese erneute Blütezeit fand 1592 ein jähes Ende, als Japan die Halbinsel in nur einem Monat überrannte. Zwar dauerte die Annexion nicht sehr lange, doch waren die Folgen verheerend, da fast alles zerstört und die Intelligenz nach Japan verschleppt wurde. Die Japaner wurden mit Hilfe Chinas vertrieben, doch wenige Jahrzehnte später wurde Korea von der Mandschurei annektiert. Später folgte eine Zeit der Landesabschließung, in der kein Ausländer das Land betreten durfte, doch wie auch in Japan wurde Ende des 19. Jhd. die Öffnung von außen - namentlich von Japan - erzwungen.

Im Japanisch-Chinesischen und anschließend im Russisch-Japanischen Krieg bekam Korea zu spüren, was es bedeutet, zwischen zwei Großmächten eingekeilt zu sein. 1910 schließlich wurde Korea endgültig von Japan annektiert und zur Kolonie erklärt. Damit endete die Yi-Dynastie. Aufstände gegen die Fremdherrschaft wurden brutal unterdrückt, ebenso die eigene Kultur. Japanisch wurde zum Pflichtfach. Das Land wurde in den folgenden 35 Jahren zudem hemmungslos ausgebeutet. Diese Zeit kann man wohl als die eines kulturellen Genozids bezeichnen, und viele Koreaner - auch die Jüngeren - sind seitdem nicht gut auf Japaner zu sprechen.

In Japan traf ich einen koreanischen Auslandsstudenten, der mir sagte, dass er Japan und die Japaner nicht leiden könne. Ich fragte ihn daraufhin, warum er dann nach Japan gekommen sei. "Um zu sehen, ob meine Abneigung begründet ist" antwortete er. Ob er diese Abneigung in Japan bestätigt sieht, fragte ich ihn daraufhin. Seine Antwort war ein entschiedenes "Ja".

Kaum befreit von der Fremdherrschaft 1945, wurde Korea, wie auch Deutschland, von den USA, der UdSSR und Großbritannien aufgeteilt, doch jetzt nicht in Ost und West, sondern in Nord und Süd, wobei geographisch gesehen logischerweise der Norden zu sowjetischem Einflussgebiet wurde. Alle Mächte zogen zwar bald ihre Streitkräfte ab, doch versorgte die UdSSR Nordkorea massiv mit Waffen. Unter Kim Il Sung schließlich wurde 1948 die Demokratische Volksrepublik Korea proklamiert. Kim Il Sung, der bis zu seinem Tode 1994 regierte und offensichtlich von seinem Sohn, Kim Song Il abgelöst wurde, errichtete die weltweit einzige kommunistische Monarchie. 1950 schließlich fiel Nordkorea im Süden ein.

Die UNO entsandte zwar eine Armee zur Abwehr des Angriffs, doch Nordkorea nahm schnell fast die ganze Halbinsel ein - bis auf ein kleines Gebiet rund um Pusan. Doch General MacArthur (vorher Oberbefehlshaber des Generalhauptquartiers im Nachkriegsjapan) landete mit einer Armee bei Inch'on nahe Seoul und drängte die Invasoren bis zur mandschurischen Grenze zurück. Doch China unter Mao Tsetung schritt ein. Die Frontlinie pendelte sich schließlich um den 38. Breitengrad herum ein, und es kam zum Waffenstillstand und der Schaffung einer demilitarisierten Zone (DMZ). Seoul allein wechselte vier Mal den Besitzer, in P'yongyang gab es angeblich kein einziges Haus mehr nach dem Krieg. Ganz Korea lag in Schutt und Asche, es gab bis zu zwei Millionen Tote und Verwundete. Ironischerweise profitierte Japan wirtschaftlich durch den Erfolg, da die USA das Land als Brückenkopf und Nachschublieferanten nutzte.

Noch immer gibt es zwischen beiden koreanischen Staaten keinen Friedensvertrag, sondern nur einen Waffenstillstand. Noch immer gibt es Provokationen seitens Nordkoreas (Tunnel an der Grenze, Anschläge auf Politiker, Spionage, militärische Provokationen durch Flugzeuge und U-Boote etc.), die jedoch stets bestritten werden. Die Armee Nordkoreas gilt als sechstgrößte der Welt - zwar hat sie relativ wenig Material, aber geschätzte eine Million Soldaten (fast halb so viel wie die chinesische Armee!). Da die Politik aus dem Norden nach wie vor unberechenbar zu sein scheint (zumal seit dem Tod Kim Il Sung's, der von 1948 bis 1994 das Land als erster kommunistischer Monarch regierte, eine klare Linie fehlt), ist die Bedrohung aus dem Norden allgegenwärtig und bei genauerer Betrachtung in Südkorea deutlich spürbar. Dazu kommt die unmittelbare Nähe der Hauptstadt Seoul zur nordkoreanischen Grenze und die für mich seltsam erscheinende Lage des Regierungsviertels, das nördlich von Seoul, also noch näher zur Grenze hin, errichtet wurde.

Während Nordkorea seit Beendigung des Krieges eine einheitliche, verhängnisvolle Linie verfolgte, war die Lage in Südkorea eher unruhig - mit Putschversuchen und Militärdiktaturen, Unruhen und Skandalen. Einige Korruptionsskandale und die Aufarbeitung der Zeit der Militärdiktatur sind aktuelle Themen, wobei auch die letzte Wirtschaftskrise Ostasiens schwere Folgen für Südkorea hatte. Seit dieser Krise und dem starken Verfall der Landeswährung Won wurde das Land aber auch wieder attraktiver für Touristen. Läuft man heute durch Städte wie Seoul oder Pusan, so erkennt man leicht, dass das Land im Aufschwung begriffen ist. Mit dem Wirtschaftsboom kommt auch der Trend zur Konsumgesellschaft, der dafür sorgt, dass es an manchen Orten schon aussieht wie in Tokyo, Singapur oder anderswo. Trotzdem ist die eigene, koreanische Kultur nach wie vor einfach unverkennbar.

 

 

 

Das Klima Koreas ist stark jahreszeitlich geprägt und zeigt zudem ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Es gibt wie in Europa vier Jahreszeiten. Der Sommer ist dabei feucht-schwül mit durchschnittlich über 30 Grad tagsüber. Kommt man aus Japan (außer Hokkaido) nach Korea, so wird man keinen großen Unterschied zu dieser Jahreszeit feststellen. Im Juli und August fällt auch das Gros der Gesamtniederschlagsmenge. Frühling und Herbst hingegen warten mit moderaten Temperaturen und annehmbaren Niederschlagsmengen auf - sicher die beste Zeit für eine Korea-Reise. Im Winter zeigt sich das Temperaturgefälle von Nord und Süd deutlich. Der kalte Wind aus Sibirien lässt das Quecksilber nahe der chinesischen Grenze bis unter -30 Grad fallen. In Seoul liegen die Wintertemperaturen durchschnittlich unter dem Gefrierpunkt; - 10 Grad und weniger sind nachts die Regel.

In Pusan im Süden ist es deutlich wärmer. Am wärmsten ist es jedoch auf der Ferieninsel Cheju-Do. Niederschläge sind dabei relativ selten. Als ich im Januar in Korea weilte, war es mit - 10 Grad und weniger in Seoul recht kalt, und es schneite nur einmal kurz. 500 km weiter südlich, in Pusan, war es zur gleichen Zeit richtig angenehm, tagsüber war es bis +10 Grad warm. Doch lediglich gut 50 km weiter nördlich wehte bei - 10 Grad tagsüber ein eiskalter, starker Wind bei blauem Himmel, der den Aufenthalt draußen denkbar erschwerte. Das sich bei diesen Temperaturen kaum Touristen blicken lassen, gereicht natürlich zum Vorteil. Wer also Korea ohne Hektik und Trubel genießen möchte und nichts gegen Kälte hat, sollte am besten im Winter fliegen, zumal Anreise billiger und die Hotelsuche einfacher wird.

 

 

 

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