Obwohl Japan und China in der Geschichte ständig aufs Neue versuchten, Korea zu vereinnahmen, hat dieses Land seine eigene Kultur und Traditionen stets bewahren können. Dass jedoch die Nachbarn in Korea Spuren hinterließen, ist selbstverständlich. Historisch gesehen war Korea stets ein Bindeglied zwischen China und Japan. Fast alle Gesandtschaften zwischen diesen beiden Ländern durchquerten Korea, und so profitierte Korea - zumindest in Friedenszeiten - von seiner Lage. Dazu muss jedoch gesagt werden, dass der kulturelle Austausch eher einseitig war - das vor 1500 Jahren wesentlich weiterentwickeltere China hatte vor allem zu jener Zeit einen unglaublich großen Einfluss auf Korea und Japan. So waren es Chinesen, die die Metallherstellung, die Schrift, den Buddhismus (der zwar eigentlich nicht aus China stammt, dort aber stark abgewandelt wurde) oder auch den Konfuzianismus einführten. Es wäre jedoch falsch, als Koreareisender permanent Vergleiche mit China anzustellen, denn die koreanische Kultur ist eine Eigene, und die Koreaner sind sehr stolz darauf.

Trotzdem gibt es einige kleine Parallelen. Eine davon liegt im Aberglauben. Im Japanischen und Koreanischen gibt es jeweils zwei Zählsysteme - eines in der Landessprache und ein aus dem Chinesischen eingeführtes. So klingt das Wort für die Zahl 4 in allen drei Sprachen gleich wie das für "Tod", im Chinesischen "si", im Japanischen "Shi" und im Koreanischen "Sa". Gerade wenn es um den Tod geht, gibt es in beiden Ländern sehr viele Dinge zu beachten, und eine Verletzung dieser Etiketten ruft wahrhaftig Bestürzung hervor. Dies macht die Zahl 4 zur Unglückszahl Nummer 1, gefolgt von der 9 (die gleich klingt wie das Wort für "Leiden"). Deshalb gibt es in Korea wie auch in Japan in keinem Krankenhaus eine 4. Etage, nach 3 kommt 5. Genauso ist es sehr oft bei Zimmernummern oder auch bei Hotelbauten. Andere, ganz große Fauxpas sind zum Beispiel das Steckenlassen der Stäbchen im Reis oder mit den Stäbchen etwas von den Stäbchen eines anderen anzunehmen (vor allem keine Knochen!) - beides Teile des Beerdigungsrituals und deshalb definitiv tabu. Gerade bei Koreanern, so schien mir, ist der Aberglaube sehr weit verbreitet.

 

 

 

 

Südkorea ist ein Land mit vielen Religionen. Eine große Religionsgemeinschaft ist die der Christen - katholisch wie auch evangelisch, also einer "importierten" Religion. Fährt man durch die Neubaugebiete Seouls, so wird man erstaunt sein über die Anzahl der Kirchen. Alle 200 Meter findet man ein gerade erbautes Gotteshaus mit einem Neonkreuz auf dem Turm. Diese Kirchen sehen alle gleich aus - als stammten sie aus der Fließbandproduktion. トhnlich groß ist die Gemeinschaft der Buddhisten. Wie auch in Japan gibt es viele verschiedene Sekten, wobei die als Zen-Buddhismus bekannte Form eine sehr große Rolle spielt. Fast alle Sekten lehren den Mahayana-Buddhismus (besser bekannt als "Großes Fahrzeug", was im Gegensatz zum Hinayana, dem "kleinen Fahrzeug" besagt, dass jeder die Erleuchtung erlangen kann). Auch der Schamanismus, also Naturreligionen, spielen nach wie vor eine große Rolle. Dazu kommt der Konfuzianismus, der ja auch in China und Japan von großer gesellschaftlicher Bedeutung ist. Genannt werden müssen auch sonstige Religionen wie die mittlerweile legendäre Moon-Sekte und andere.

 

 

 

 

Was in Südkorea jeden Besucher angenehm überrascht, ist die Gastfreundlichkeit und Offenheit der Bewohner. Hat man Orientierungsprobleme, so ist sofort jemand zur Stelle und erklärt - Sprachbarriere hin oder her - bereitwillig und freundlich den Weg. Das gilt auch für die Arbeiter in Restaurants oder Hotels. Als Besucher sollte man sich jedoch, wie überall, den jeweiligen Regeln und Sitten anpassen. Gerade in Korea sind die Rollenverteilungen sehr deutlich - auf den Konfuzianismus basierend. Das Verhältnis zwischen Jungen und Alten, zwischen Kindern und Eltern, vom einfachen Arbeiter zum Vorarbeiter und nicht zuletzt zwischen Mann und Frau ist klar definiert und unbedingt zu beachten.

Solange man Englisch mit Koreanern spricht, kann man sich diesem Schema entziehen, denn der größte Teil wird durch die Sprache ausgedrückt - mittels tausender fester Formen und spezieller Wörter, durch die das Verhältnis zwischen den Gesprächspartnern fest definiert wird. Das mag für Europäer starr und unzeitgemäß wirken und lässt, genauso wie im Japanischen übrigens, Menschen, die diese Sprache lernen wollen, schier verzweifeln. Es gibt dutzende Respekts- und Ehrerbietungsbezeugungen; je nach dem Gegenüber ist die Sprechweise sehr unterschiedlich. Doch ist dies ein Teil der landeseigenen Kultur und sollte deshalb nicht von Außenstehenden verurteilt werden. Doch wie in Japan scheinen sich Veränderungen anzubahnen - durch eine neue Generation von Jugendlichen. Damit werden in Zukunft viele traditionelle Sachen verschwinden - ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Als Besucher schließlich wird man stets Fehler machen, doch auch in Korea ist das kein so großes Problem (solange man nicht ignorant wirkt), denn von einem Ausländer erwartet man kein perfektes Verhalten. Trotzdem ist es besser, sich vorher über Tabus zu informieren. So ist zum Beispiel das Barttragen in Korea verpönt, und wenn man eine koreanische Familie besucht, so sollte man nie rauchen, bevor der Hausherr dies tut.

 

Landessprache in ganz Korea ist Koreanisch - eine Sprache, die vermutlich zur uralo-altaischen Sprachfamilie (zu deren uralischen Zweig zum Beispiel Finnisch und →Ungarisch gehören) zählt. Zur altaischen Gruppe zählen ebenso Mongolisch und →Japanisch. Alle diese Sprachen sind agglutinierend, was bedeutet, das die Grammatik durch an Verben angehängte Endungen geregelt wird. In der Tat ist Koreanisch sehr ähnlich mit dem Japanischen. Die Satzstruktur ist die Gleiche, auch klingen viele Wörter ähnlich. Wie oben bereits erwähnt, gibt es in beiden Sprachen sehr viele Höflichkeitsabstufungen und feinste Nuancen. So gibt es beispielsweise viele Wörter für "ich" oder "du" - je nachdem, wem man gegenüber steht.

Ein interessantes Kapitel wie überall in Ostasien ist die Schrift. Genau wie in Japan, wurden vor rund 1500 Jahren chinesische Schriftzeichen nach Korea gebracht. Das war in beiden Sprachen sehr schwierig, da sie eigentlich nicht das Geringste mit dem Chinesischen zu tun haben. Die Zeichen wurden in einem sehr langwierigen Prozess assimiliert; mit den Zeichen kamen auch viele Lehnwörter aus dem Chinesischen. So haben rund 60 % des Koreanischen ihren Ursprung im Chinesischen. So gibt es ähnlich klingende Wörter in allen drei Sprachen. Südkorea heißt so im Chinesischen Hanguo, im Koreanischen Hanguk und im Japanischen Kankoku. Die Schriftzeichen sind dafür in allen drei Sprachen die Gleichen. Da die Schriftzeichen nur bedingt kompatibel waren, entwickelten Koreaner wie auch Japaner eigene Schriftsysteme. Während man in Japan gleich zwei Systeme entwickelte und diese zusammen mit den Schriftzeichen immer noch benutzt, entwickelte man im 15. Jhd. die Hangul, mit denen heute fast alles geschrieben wird. Einer der Gründe dafür, dass chinesische Schriftzeichen nicht mehr benutzt werden, ist vielleicht, dass Japan während der Besatzungszeit alle Koreaner zu deren Benutzung zwang. Hangul hingegen sind eine koreanische Erfindung und wesentlich einfacher zu erlernen.

Hangul ist das einzige Schriftsystem, das nach einem wissenschaftichen Prinzip entwickelt wurde und genial einfach ist. Die lateinische Schrift zum Beispiel ist zwar relativ einfach zu erlernen, doch wieso zum Beispiel "k" und "g" so grundverschieden aussehen, obwohl sie phonetisch nahe sind, ist nicht mehr nachvollziehbar. Anders bei den Hangul - es steckt ein gewisses System dahinter und meiner Meinung nach ist es die am schnellsten erlernbare Schrift. Es gibt insgesamt 24 Elemente - 10 Vokale bzw. Halbvokale, und 14 Konsonanten [Bitte den folgenden Link klicken, wenn die Sonderzeichen nicht korrekt dargestellt werden: Tabelle der Hangul Elemente (7 KB)]:

Elemente der Konsonanten*
k|g|knt|d|tr|r,n|lmp|b|ps,sh|s|t -**|ng|ngch|j|tch'|ch'|tk'|k'|k t'|t'|dp'|p'|ph|h|ng

* Der erste Buchstabe steht für die Lesung, wenn das Element an erster Stelle im Zeichen und Wort steht. Die zweite steht für die Lesung, wenn das Element in der Mitte des Zeichens und Wortes steht. Die letzte Lesung steht demzufolge für die Lesung am Zeichen- und Wortende.

** Dieses Element wird nicht gelesen, wenn ein Vokal, Halbvokal oder Diphthong dahinter steht.

Des weiteren gibt es Doppelkonsonanten, bei denen der entsprechende Konsonant einfach doppelt geschrieben wird:

Doppelkonsonanten
kk|gg|ktt|dd|-pp|bb|-ss|ss|ttch|tch|-

Als nächstes die zehn Elemente der Vokale und Halbvokale:

Vokal- und Halbvokalelemente
ayaŏoyouyuŭi

Aus diesen Vokalen werden bestimmte Diphthonge (Doppelvokale) und Halbvokale gebildet. Oftmals ist die Lesung aufgrund obiger Vokalelemente nachvollziehbar - manchmal aber auch ebend nicht:

Halb- und Mischvokale
aeyaeeye wawaeoewowewiŭi

Koreanisch ist eine Silbensprache wie zum Beispiel auch Japanisch. Japanisch allerdings ist eine offene Silbensprache (jede Silbe endet auf einen Vokal), während Koreanisch aus geschlossenen und offenen Silben besteht. Ein koreanisches Zeichen setzt sich immer aus mindestens zwei, maximal aber vier der obigen Elemente zusammen, wobei genau ein Element ein Vokal, Diphthong oder Halbvokal ist. Betrachtet man den Aufbau eines koreanischen Zeichens, so gibt es im wesentlichen folgende Anordnungen der Elemente:

1
2
12
12
3
12
34
1
2
3
1 
2
1. 2.3. 4.5. 6.

[Achtung: Bitte den nachfolgenden Link klicken, wenn die koreanischen Zeichen nicht richtig von Ihrem Browser dargestellt werden: Hangul-Erläuterung (15 KB)]

Die Reihe der Nummern kennzeichnet auch die Reihenfolge beim Schreiben und natürlich beim Lesen. Die gelben Felder kennzeichnen die Position der Vokale - also immer die zwei. Schreibt man nur einen Vokal oder steht der Vokal an erster Stelle, muss man davor oder darüber das Zeichen [] schreiben. Möchte man also ein "A" schreiben, so schreibt man davor das Konsonantelement [] welches hier allerdings nicht betont wird. So liest man das Zeichen [] also lediglich als "a". Wie man erkennen kann, handelt es sich hier um die 2. Anordnung (siehe oben). Im Falle von komplexeren Doppelvokalen und Diphthongen wie z.B. [] oder [], befindet sich das Konsonantelement links oben - siehe 6. Anordnung. Das Zeichen [] wird also einfach nur "oe" gelesen (siehe Struktur 6).

Die Schrift Hangul wird in derselbigen [ 한글 ] geschrieben. Während wir im Lateinischen für das Wort Hangul sechs Buchstaben benötigen, sind es im Koreanischen also nur zwei. Logischerweise steht das erste Zeichen für [HAN] und hat eine Anordnung wie unter 3.). Das zweite wird entsprechend [GŬL] gelesen und ist angeordnet wie unter 5.). Das erste Element [] im zweiten Zeichen wird normalerweise am Anfang und am Ende "k" gelesen - hier allerdings liest man es als "g", da es in der Wortmitte steht. Kompaktere Zeichen wie zum Beispiel [] - eine Mischung aus der 4. und 5. Anordnung - sind eher selten. Am häufigsten sind Zeichen der 1. bis 3. Anordnung. Das Schreiben der Hangul zu lernen ist kein Problem, doch gibt es bei der Lesung noch einige weitere Ausnahmen, was das Lesen etwas problematischer macht. Denn: Wie traditionellerweise auch im Chinesischen und Japanischen, gibt es (meistens) keine Leerzeichen zwischen den Wörtern - ein Satz erscheint also als kompakter Block. Solange chinesische Schriftzeichen dabei sind, ist dieses kein Problem; sind es jedoch nur Hangul, ist es für Ausländer nur schwer verständlich, denn wenn man in einem Satz ein oder zwei Wörter nicht kennt, kann man nicht mehr unterscheiden, wann ein Wort aufhört und wann das nächste beginnt - damit weiss man also auch oft nicht, wie die Elemente gelesen werden - ob nun zum Beispiel als "k" oder als "g". Zwar werden manchmal schon Leerzeichen verwendet, doch findet man nach wie vor sehr viele Schriften ohne Leerzeichen. Ausländer, die des Japanischen mächtig sind, werden wesentlich leichter zurechtkommen in Südkorea, denn Japanisch wird wesentlich öfter und besser gesprochen als Englisch.

 

 

 

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