Geschichte - kurzer Überblick

Wie auch die benachbarten Regionen wurde das heutige Kroatien erst von Illyrern und dann von Römern besiedelt. Die Besiedlung begann an der dalmatinischen Küste bei derdamals wie heute wichtigen Stadt →Split. Nach der Trennung des Römischen Reiches in West und Ost 395 u.Z. wurde Kroatien, wie auch das heutige →Bosnien und →Slowenien, Teil des Weströmischen Reiches. →Serbien, →Mazedonien usw. hingegen gehörten zum Byzantinischen Reich. Ab dem 6. Jhd. liessen sich Slawen in der Region nieder - und zwar der Stamm der Kroaten. 925 wurde der vormals zum Frankenreich gehörende und der von den Byzantinern eroberte Süden zu einem Königreich Kroatien vereinigt.

Das ging allerdings keine 200 Jahre gut - der Norden schloss sich →Ungarn an,der Süden wurde vom damals starken Venetien vereinnahmt. Daran sollte sich in den nächsten Jahrhunderten nicht viel ändern. 1241/2 kam die grosse und verheerende Invasion der Mongolen (siehe auch →Geschichte Ungarns). Die Türken rückten immer weiter auf dem Balkan vor, konnten aber Dalmatien nie erobern. Der Norden hingegen fiel nach der Niederlage Ungarns gegen die Türken 1526 an die Habsburger und damit später an Österreich-Ungarn. Letztere holten die Krajina-Serben (Krajina = Grenze) ins Land, um die Grenzen gegen das Osmanische Reich abzusichern. Sie sollten in der jüngeren Geschichte noch eine gewichtige Rolle spielen. Ausnahme blieb das heutige →Dubrovnik, welches lange Zeit als Republik Ragusa seine Unabhängigkeit wahren konnte.

Kroatien: Diokletian-Palast in Split
Diokletian-Palast in Split

Anfang des 19. Jhd. fiel die gesamte Region an Napoleon, aber nicht lange. Österreich nutzte das nach dem Abzug der Franzosen entstandene Vakuum und okkupierte kurzerhand Dalmatien. Somit war das gesamte heutige Kroatien Teil des österreichisch-ungarischen Imperiums. Das änderte sich bis zur Niederlage der Monarchie 1918 auch nicht. Allerdings erstarkte seit Mitte des 19. Jhd. das kroatische Bürgertum und der Nationalismus. Unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkrieges gründete man das Königreich der Serben, Slowenen und Kroaten, welches 1929 in Jugoslawien umbenannt wurde. Jedoch gab es enormen Widerstand seitens der Kroaten. So wurde unter anderem 1934 der serbische König Alexander I. in Marseilles von kroatischen Nationalisten erschossen. Mit der Besetzung durch Naziutschland 1941 eskalierte die Lage. In Kroatien übernahmen die Ustaşa, eine faschistische Vereinigung, die Macht und begannen umgehend, Serben, Roma, Moslems und andere Minderheiten zu vertreiben oder zu ermorden. Zwar kämpften auch Kroaten mit den Partisanen gegen die Nazis, doch oft reduzierte sich der Kampf auf Ustaşa (=Kroaten) gegen Četniks (=Serben). Massaker gab es auf beiden Seiten, doch die kroatische Vernichtungsmaschinerie war am verheerendsten. Allein im Raum Kroatien/Bosnien kamen während des Zweiten Weltkrieges ca. eine Million Menschen ums Leben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg formierte sich trotz des vorher Gewesenen Jugoslawien neu - unter den Fittichen der Sowjetunion und dem kroatisch-slowenischen Statthalter Tito, aber mit Zentralregierung in →Belgrad. Nach dessen Tod 1980 begann es zu brodeln. Die politische Lage wurde langsam instabil, und ein Wohlstandsgefälle sorgte ebenso für Unmut. Schliesslich war der Lebensstandard in →Slowenien und Kroatien wesentlich höher. Nach dem Fall der Berliner Mauer und Glasnost' und Perestroika, wurden 1990 in Kroatien freie Wahlen abgehalten, die ein Nichtkommunist gewann - namentlich Franjo Tudjman, ein ehemaliger Partisanengeneral und Führer des Kroatischen Demokratischen Bündnisses.

Kroatien: Vukovar lag nach dem Krieg in Trümmern
Vukovar lag nach dem Krieg in Trümmern

1991 erklärte Kroatien seine Loslösung von Jugoslawien und gab den Serben in Kroatien den Status einer Minderheit. Der wurden jedoch keine Sonderrechte eingeräumt - im Gegenteil, die Bedingungen für kroatische Serben wurden wesentlich schlechter. So forderten sie - immerhin 600'000 Menschen - Autonomie. Nach Erklärung der Unabhängigkeit erklärten die Serben der Krajina spontan ihre eigene Unabhängigkeit von Kroatien. Das Gebilde nannte sich Republika Srpska Krajina (RSK) und bestand genau genommen aus drei nicht miteinander verbundenen Gebieten in West- und Ostslawonien sowie der Krajina selbst - dem Gebiet rund um die Nordwestgrenze Bosniens. Hauptstadt wurde die Stadt Knin. Den Krajina-Serben kamen bosnische Serben und die serbisch-dominierte JNA (Jugoslawische Volksarmee) - 180'000 Soldaten und 2000 Panzer - zu Hilfe. Die Krajina-Serben kappten wichtige Verkehrsverbindungen Kroatiens. Schwere Kämpfe brachen in der Krajina und in Slawonien rund um →Vukovar aus. Vukovar wurde drei Monate lang von 30'000 Soldaten und 600 Panzern belagert, bevor es fiel.

Innerhalb von drei Monaten eroberte die JNA rund ¼ Kroatiens. Kroatien sperrte im Gegenzug jugoslawische Stützpunkte im Land. Um dies zu beenden, zog die JNA (nun bestehend aus Serben und Montenegrinern) von Serbien aus gen →Dubrovnik, welches sie auch beschossen und belagerten. Kampfflieger der JNA versuchten derweilen, den kroatischen Präsidenten in →Zagreb aus der Luft zu ermorden. 1995 fruchteten Dialoge und Waffenstillstandsabkommen nicht mehr - Kroatien eroberte in der Operation Blijesak (Blitzschlag) erst Westslawonien und knapp drei Monate später in der Aktion Oluja (Sturm) die Krajina zurück. Nur Ostslawonien, das Gebiet rund um →Vukovar, blieb noch serbisch besetzt. Nahezu über 100'000 Serben müssen quasi über Nacht ihre Heimat verlassen. Das Dayton-Abkommen sicherte schliesslich 1998 die Rückgabe Ostslawoniens an Kroatien - seitdem ist es halbwegs ruhig in Kroatien und das Land ist in seinen jetzigen Grenzen international anerkannt. Angeblich sind nachwievor rund 50% der Bewohner Ostslawoniens Serben.

Kroatien erholt sich nunmehr von den wirren Zeiten - nicht zuletzt dank der zurückkehrenden Touristen. Die Aufnahme in die EU ist in greifbare Nähe gerückt. Die Wirtschaft wächst, doch gibt es fast 20% Arbeitslosigkeit. Wichtig ist jedoch vor allem, dass sich die politische Situation in Kroatien und den umliegenden Ländern stabilisiert.

 

 

 

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