Geschichte - kurzer Überblick

Das Volk der Letten bzw. verschiedene Gruppen davon liessen sich wahrscheinlich erst im 9. Jhd. in derRegion nieder - da sie jedoch keinen Staat bildeten, standen schon im gleichen Jahrhundert die Schweden vor der Tür. Trotzdem wurde das Gebiet nicht dauerhaft besetzt und blieb bis ins späte 12. Jahrhundert sogar heidnisch, bevor es von Bremen aus zwangschristianisiert wurde. 1202 entstand der sogenannte Schwertbrüderorden nahe Riga, der sich anschickte, das Baltikum zu 'erschliessen'. Jener verlor jedoch 1236 bei Saule gegen →Litauen, und so kam der Livonische Ritterorden bzw. der Deutsche Orden zum Zug. So entstand das von Deutschen dominierte Livland, welches im 14. Jhd. auch das heutige →Estland umfasste und von Anfang an enge Verbindungen mit der Hanse unterhielt.

Riga: Die Hanse lässt grüssen: Gildehaus der Schwarzhäupter mit Roland
Die Hanse lässt grüssen: Gildehaus
der Schwarzhäupter mit Roland

Die von Wittenberg ausgegangene Reformation erreichte bereits Anfang des 16. Jhd. das Livland, und so wurde es lutherisch. Der livländisch-litauische Krieg in der Mitte des Jahrhunderts besiegelte jedoch das Ende des Staatengebildes. 1561 wurde Livland aufgeteil - ein Großteil ging an Polen-Litauen, die nördlichen Gebiete fielen an Schweden und auch Dänemark. Halbwegs autonom blieb nur das Herzogtum Kurland im Westen des heutigen Lettlands. Das änderte sich auch nicht, als Schweden weitere Teile des Livlandes 1629 eroberte.

Der Große Nordische Krieg von 1700 bis 1721 verschonte auch die Letten nicht. Wie auch Estland, fielen weite Teile der Region durch den Frieden von Nystad an das russische Zarenreich. Der Zar mischte sich jedoch nicht allzu sehr ein - die Oberschicht wurde nachwievor von Deutschen gestellt, und die Region blieb protestantisch. Durch die erste und dritte Teilung Polens (siehe →Geschichte Polens) fielen auch das Kurland und weitere Gebiete an Russland. In den Jahren 1816 bis 1819 wurde schliesslich auch im Baltikum die Leibeigenschaft abgeschafft. Im 19. Jahrhundert änderte sich fortan nicht allzu viel - ein bisschen Fortschritt hier und da sowie ein erstarkendes Nationalbewusstsein der Letten konnte verzeichnet werden. Kulturell bedeutsam war das erste Lettische Liederfestival, welches fortan eine wichtige Rolle spielen sollte.

Der Erste Weltkrieg brach aus und erreichte Lettland 1917, als die Deutschen die Region einnahmen. Dramatisch wurde das Jahr 1918 - die Deutschen verloren und zogen ab, aber die Bolschewiki kamen. Und die Letten nutzten das Chaos, um am 18. November erstmals in ihrer Geschichte die Unabhängigkeit zu erklären. Die Rote Armee konnte sich nicht in der Region halten. Die Grenzen wurden sprachlich gezogen - dort, wo die meisten Einwohner lettisch sprachen, war Lettland. Zu dieser Zeit verblieb auch die deutsche Oberschicht im Land, aber die Letten leiteten fortan die Geschicke des Landes. 1920 wurde in →Riga ein Friedensvertrag mit der Sowjetunion abgeschlossen. Das Land blühte auf wie nie zuvor - ein Staatsstreich im Jahre 1934 verwandelte das Land jedoch zunehmend in eine Diktatur.

1939 geriet das Land in die Mühlen der Großmächte. Die Sowjetunion zwang Lettland, die Stationierung der Roten Armee im Land zuzulassen. Aufgrund des Geheimen Zusatzprotokolls im Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und Russland wurde Lettland schliesslich 1940 gänzlich von der Sowjetunion annektiert. Vorher verliessen jedoch so ziemlich alle Baltendeutschen das Land, gesichert durch ein bilaterales Abkommen. Stalin wütete auch in Lettland sofort nach der Annektierung. In weitreichenden Säuberungsaktionen wurden sehr viele Letten entweder erschossen oder deportiert. Dementsprechend waren nicht alle Letten unglücklich, als 1941 die Wehrmacht in Lettland einrückte. So gingen auch etliche Letten der SS zur Hand, als es um die Vernichtung der Juden Lettlands ging. Es gab auch lettische Wehrmachtsverbände. Natürlich gab es auch Widerstandsbewegungen.

1944 kam die Rote Armee zurück, und wieder wurden geschätzte 100'000 Letten oder mehr ermordet und viele andere deportiert. Als Lettische Sozialistische Sowjetrepublik wurde Lettland wieder von der Sowjetunion 'assimiliert' - darunter litten die lettische Sprache und Kultur und massivst. Viele Letten nutzten die Wirren der Zeit und wanderten aus - so gibt es heute eine große, weit verstreute lettische Diaspora.

Zusammen mit →Litauen und →Estland erklärte Lettland 1990 seine Unabhängigkeit, was 1991 von Moskau anerkannt wurde. Nach einer turbulenten Anfangszeit fing sich Lettland und konnte sich politisch und ökonomisch stabilisieren. Zusammen mit 9 anderen Staaten trat Lettland so am 1. Mai 2004 der EU sowie kurz vorher der NATO bei.

 

 

 

Name:

Email:

Webseite:

Kommentar:


Sicherheitscode:
CAPTCHA Image

Bitte Sicherheitscode eingeben:
 

 

©2016 Tabibito.de