Geschichte - kurzer Überblick

Im Gegensatz zu den anderen beiden baltischen Staaten →Estland und →Lettland kann Litauen auf eine ziemlich glorreiche Vergangenheit zurückblicken. Die Vorfahren der Litauer kamen wohl zu Beginn der Zeitrechnung in die Region und lebten die nächsten tausend Jahre vor sich hin. Es wurden kleine Fürstentümer gegründet. Erste Versuche der Christianisierung schlugen fehl - die Missionare wurden umgehend zu ihrem Schöpfer geschickt. 1236 vereinigten sich die Stämme, um den deutschen Schwertritterorden zu verjagen. 1253 vereinigte Großfürst Mindaugas die Fürstentümer gewaltsam und liess sich zum König krönen. Vorher liess er sich taufen. Lange hatte er jedoch nicht Freude am Titel - 10 Jahre später wurde er ermordet, die Litauer kehrten daraufhin zum Animismus zurück. Letztendlich wurden die Litauer erst 1387 christianisiert - aussergewöhnlich für Europa!

Im 14. Jhd. spielte Großfürst Gediminas eine grosse Rolle. Viele Fürstentümer der geschwächten Kiewer Rus schlossen sich Litauen an oder wurden gewaltsam angeschlossen. Durch gezielte Heiratspolitik wurde 1385 schliesslich ein festes Bündnis mit Polen geschlossen. Dank dieses Bündnisses konnten 1410 bei der berühmten Schlacht von Tannenberg (bei Žalgiris/Grünwald) die preussischen und livonischen Kämpfer des deutschen Ritterordens vernichtend geschlagen werden. Zu dieser Zeit erreichte Litauen seine grösste Ausdehnung - die ganze heutige →Belarus und grosse Teile der →Ukraine bis hin zum heutigen →Odessa gehörten zu Litauen.

Litauen hat zahlreiche Zeugen seiner bewegten Geschichte
Litauen hat zahlreiche Zeugen seiner bewegten Geschichte

Einzig der heutige Südwesten des Küstenlandes blieb von dieser Zeit an bis 1918 preußisch. Im Laufe der Zeit gewann Polen in der Union jedoch immer mehr die Oberhand. Zwar blühte die litauische Sprache und Kultur auf, aber die politischen Entscheidungen wurden immer weniger von Litauern getroffen. Trotzdem hatte die Union noch bis 1795, also bis zur Dritten Polnischen Teilung (siehe →Geschichte Polens), Bestand. Litauen fiel fortan an Russland, worunter die Litauer und ihre Kultur stark litten. Auch vereinzelte Aufstände im 19. Jahrhundert konnten daran nichts ändern. Die Russifizierung wurde ständig stärker.

Bereits im Jahre 1915 eroberte Deutschland im Zuge des Ersten Weltkrieges Litauen. 1918, gegen Ende des Krieges, proklamierte man erstmals eine unabhängige Republik Litauen. Die Deutschen zogen sich zurück, aber →Polen und die frisch gegründete Sowjetunion stritten sich um Litauen. Die neue Republik konnte nicht verhindern, dass →Vilnius und das Umland von Polen erobert wurde. Man verlegte die Hauptstadt nach Kaunas und annektierte seinerseits das bisher deutsche Memelland im Osten. 1920 war die Grenzziehung abgeschlossen. Allerdings entwickelte das Land nach und nach eine Diktatur.

1939 begann die wirre Zeit. Der Druck aus Deutschland war zu gross, und so musste man das Memelland rund um die heutige Stadt Klaipėda (Memel) zurückgeben. Anschliessend fiel Litauen wie auch die anderen baltischen Staaten dem Geheimen Zusatzprotokoll des deutsch-sowjetischen Angriffspakts zum Opfer. 1939 stationierte die Sowjetunion Truppen im Land, im folgenden Jahr wurde das ganze Land annektiert. Zehntausende Litauer verloren bei den darauf folgenden Säuberungsaktionen ihr Leben. 1941 annektierte die Wehrmacht das Land. Litauen war bekannt für seine starke jüdische Kultur, doch geschätzte 200'000 Juden wurden während der deutschen Besatzung deportiert - die meisten daraufhin ermordet.

1944 nahm die Rote Armee das Land wieder ein. Die Russifizierung und Kollektivierung sowie Deportationen waren wieder an der Tagesordnung. Fast das ganze Land wurde Sperrgebiet und war für Ausländer tabu. Erst im Zuge der Perestroika änderten sich die Dinge zugunsten der Litauer. 1990 erklärte man als erste Sowjetrepublik die Unabhängigkeit. 1991 wurde diese schliesslich auch von Moskau anerkannt. Das ging jedoch nicht unblutig vonstatten: Im Januar 1991, am Blutigen Sonntag, sowie im Juli 1991 verloren 21 Litauer bei Scharmützeln an der Grenze ihr Leben.

Nach Erklärung der Unabhängigkeit entwickelte sich das Land ziemlich schnell. Litauen wurde demokratisch und die Wirtschaft erholte sich. Am 1. Mai 2004 trat man der EU und bereits vorher der NATO bei. Das bringt Probleme mit sich - der zu Russland gehörende Kaliningrader Oblast' (Bezirk Königsberg) bleibt ein Streitpunkt mit Russland, denn Litauen verweigert den Verkehr zwischen dem Mutterland und der Enklave ohne aufwendige Visa- und Zollprozeduren. Das gilt auch für Reisende.

 

 

 

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