Geschichte - kurzer Überblick

Macao hat eine bemerkenswerte Geschichte - diese winzige Enklave an der Südostküste Chinas war immerhin 442 Jahre lang in europäischer Hand und gehörte zusammen mit Hongkong zu den letzten europäischen Kolonien in Asien. Archäologen haben festgestellt, dass die (Ex-)Inseln von Macao schon seit mehreren Jahrtausenden bewohnt waren. In den Annalen des Chinesischen Kaiserreiches fanden sie vor allem im Jahr 1277 Beachtung, als die Mongolen die gesamte Region unsicher machten: Geschätzte 50,000 Menschen flüchteten vor den Mongolen ins heutige Macao und konnten dort ihre Stellung halten.

Zeugen der portugiesischen Geschichte gibt es überall
Zeugen der portugiesischen Geschichte gibt es überall

Im 16. Jahrhundert schickten sich alle grossen Mächte in Europa an, die Welt zu erkunden und - zu erobern. Die Portugiesen machten da keine Ausnahme - in Indien machten sie Goa zur Kolonie, im heutigen Malaysia das Gebiet um Malakka sowie weiter im Südosten und bereits nahe Australien Portugiesisch-Timor (heute: Osttimor). Auch mit China versuchte man vorerst, freundschaftliche Kontakte zu knüpfen. Das ging anfangs auch gut, dort 1521 änderte der Ming-Kaiserhof in China seine Meinung und warf die Portugiesen quasi aus dem Land. Die halfen jedoch kurze Zeit später dabei, Piraten von der Küste zu vertreiben und erhielten 1557 das Recht, Macao als Handelsstützpunkt zu nutzen und eine Siedlung zu bauen. Macao wurde von den Portugiesen gemietet und verwaltet, doch für die Bevölkerung galt nachwievor chinesisches Recht.

Macao gedieh daraufhin als Handelsstützpunkt. Fast der gesamte Warenverkehr zwischen China und dem sich ab dem 17. Jahrhundert abschottenden Japan lief über Macao: Seide nach Japan, Silber nach China. Einziger anzulaufender Hafen in Japan war damals Nagasaki. Aber auch der Warenverkehr von und nach Manila, Goa, Lissabon und zum Teil Malakka lief über Macao - die Stadt wuchs schnell und war sehr reich. Rund um 1600 vereinigten sich die protugiesischen und spanischen Königshäuser, wodurch die Stadt ebenfalls profitierte - allerdings weckte das bei den Holländern Begehrlichkeiten. Die Stadt wurde mehrmals attackiert, konnte sich jedoch halten und wurde mehr und mehr zur Festung ausgebaut.

Die Portugiesen importierten und exportierten nicht nur Waren, sondern auch Religion: Via Macao gelangten viele Jesuitenpriester zur Missionsarbeit nach Japan, wo sie jedoch 1637 gewaltsam vertrieben wurden. Die Bedeutung Macaos sank zudem weiter, als China das Monopol aufhob und anderen Nationen ebenfalls Handel - und das nicht nur in Macao - genehmigte. Malakka ging schliesslich an die Holländer verloren, womit die Stadt weiter an Bedeutung verlor.

1842 fiel Hongkong in britische Hände und lief schnell Macao den Rang als wichtiger Hafen und Handelstützpunkt ab. Die Portugiesen begannen daraufhin, den chinesischen Einfluss zu dämmen und den Hafen zum Freihafen zu erklären. 1849 erklärte man die Unabhängigkeit Macaos von China und beendete die Mietzahlungen. In den folgenden Jahren eroberte man noch die beiden Inseln Taipa und Coloane. 1887 wurde der Status von Macao in einem Vertrag zwischen Lissabon und China festgeschrieben.

Im 2. Weltkrieg war Macao für ein paar Jahre der einzige neutrale Hafen in Ostasien - Singapur und Hongkong wurden von Japan kontrolliert, doch Macao erhielt den Status eines Protektorats. Nach dem Krieg, im Jahre 1949, erklärten Mao Tsetungs Kommunisten den Vertrag von 1887 für ungültig, doch man unternahm nichts, um die Lage zu ändern. 1966 kam es jedoch im Schatten der Kulturrevolution in Festlandschina zu blutigen Ausschreitungen. Am 3. Dezember 1966 wurden so 11 Menschen bei einem Aufstand erschossen. Die portugiesische Verwaltung entschuldigte sich wenige Wochen später und trat zurück. Portugal bot zudem China die Rückgabe von Macao an - das wurde jedoch abgelehnt.

Nach der Nelkenrevolution in Portugal 1974 änderte das Land seine Haltung und gab jegliche Kolonialansprüche auf. Trotzdem blieb Macao unter portugiesischer Kontrolle - China wollte nachwievor nicht das Gebiet übernehmen. Erst 1987, nach jahrelangen Gesprächen, wurde ein Vertrag abgeschlossen, in dem die Übergabe Macaos an China für den 20. Dezember 1999 beschlossen wurde. So wurde Macao schliesslich - 2 Jahre nach Hongkong feierlich an die VR China zurückgegeben - unter dem Leitbild des 一國兩制 - ein Land, zwei Systeme. Das bedeutet, das Macao zwar nunmehr vollständig unter chinesischer Kontrolle steht, sich aber am System nichts ändert. Das ist vertraglich bis 2049 garantiert. Und so gibt es andere politische Spielregeln, eine andere Wirtschaft, andere Gesetze, eine feste Grenze mit China, eine eigene Währung usw. trotz Rückgabe.

Da Hongkong schon lange vorher Macao den Rang als Welthafen und Haupthandelsumschlagplatz abgelaufen hatte, suchte man nach Alternativen: 1962 wurde so das Glücksspiel genehmigt - jenes ist ansonsten in Ostasien verboten. Kasinos wurden gebaut, und die zogen vor allem Spieler aus Hongkong an. Bis 2002 hielt die Sociedade de Turismo e Diversões de Macau das Monopol auf das Glücksspiel, seitdem dürfen andere Betreiber mitmischen. Im Jahre 2006 überholte Macao erstmals Las Vegas - an keinem anderen Ort der Erde wird mehr bei Glücksspielen umgesetzt als in Macao. Hier gibt es auch das grösste Kasino der Welt (Sands Macau) sowie das dritt- und viertgrösste Gebäude (nicht höchste!) der Welt (Venetian Macau und MGM Grand Macau). Und - es wird immernoch gebaut! Ca. 70% der Einnahmen Macaos werden durch das Glücksspiel erzielt.

Kasinos gibt es in rauhen Mengen
Kasinos gibt es in rauhen Mengen

Macao gehört - zum grossen Teil dank des Glücksspiels - zu einem der meistbesuchten Orte der Erde. Ca. 25 Millionen Besucher kommen pro Jahr nach Macao (bei 0.5 Millionen Einwohner!). Knapp 50% der Besucher kommen von Festlandschina, 32% aus Hongkong, 6% aus Taiwan (gefolgt von Malaysia, Japan, Thailand usw. - Zahlen für erstes Halbjahr 2009 vom Statistics and Census Service Macao SAR Government).

 

 

 

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