Geschichte - kurzer Überblick

Mazedonien war nicht immer ein so kleines und relativ unbedeutendes Land, wie es heute erscheint. Der bekannteste Mazedonier dürfte wohl Alexander der Grosse sein, der von Mazedonien ausgehend im 4 Jhd. v.u.Z. auszog, um halb Asien zu erobern - er kam immerhin bis nach Indien. Nach seinem Tode aber brachen Erbfolgerkriege aus, und das Reich wurde in drei Teile gespalten - Syrien, Ägypten und Antigonos (das heutige Mazedonien). Mazedonien war jedoch schon immer viel grösser - der Hauptteil des antiken Mazedoniens zählt heute zu Griechenland. Auch →Bulgarien gehörte bis zur Eroberung durch die Römer zum Königreich Mazedonien.

Rom verleibte sich den Balkan inkl. Mazedonien im 2. Jhd. v.u.Z. ein; als das Imperium dann im 4. Jhd. u.Z. zerbrach, fiel Mazedonien dem Ost- bzw. byzantinischen Reich zu und wurde entsprechend von Konstantinopel regiert. Im 7. Jhd. begannen Slawen, die Region zu besiedeln. Das heisst, die heutigen Mazedonier haben mit ihren antiken Vorfahren ziemlich wenig gemein! Im 9. und 10. Jhd. wurde Mazedonien von den bulgarischen Zaren Simeon und später Samuel erobert und zum Zentrum des mächtigen →Ersten Bulgarischen Reiches erkoren. Nach dem Niedergang dieses Reiches wurde Mazedonien zum Spielball der Bulgaren, Serben und Osmanen - bis schliesslich 1389 →Serbien vernichtend von den Osmanen auf dem Kosovo Polje (Kosovo-Feld) geschlagen wurde und für Mazedonien ebenso wie für seine Nachbarn eine fünfhundertjährige osmanische Fremdherrschaft begann.

1878 besiegten die Russen das Osmanische Reich bzw. seine Gebiete in Europa. Nun begann das eigentliche Chaos: Dem Vertrag von San Stefano zufolge wurde Mazedonien Teil eines mächtigen →Bulgariens - zu mächtig, befanden andere und gaben im Vertrag von Berlin Mazedonien den Türken zurück. 1893 gründete sich eine ИМРО IMRO (Organisation für eine Innere Mazedonische Revolution) genannte Widerstandsbewegung, die in Илинден Ilinden - einem Ort nationaler Bedeutung - den Aufstand probten, aber 1903 blutig niedergeschlagen wurden.

Im Ersten Balkan-Krieg 1912 kämpften Bulgaren, Serben, Montenegriner und Griechen erfolgreich gegen die Osmanen - Mazedonien wurde wieder bulgarisch. Bis zum Zweiten Balkankrieg im Jahr 1913: Jetzt, wo die Osmanen raus waren, hiess es "Alle gegen Bulgarien". Bezahlen musste die Rechnung Mazedonien - es wurde zwischen Griechenland und →Serbien aufgeteilt.

Keine Seltenheit in Mazedonien - Moscheen
Keine Seltenheit in Mazedonien - Moscheen

Die IMRO kämpfte nun gegen die Serben, was Folgen hatte: Die mazedonische Sprache, Kultur, ja selbst der Name "Mazedonien" wurden verboten. Trotzdem entschied sich die IMRO jedoch im Zweiten Weltkrieg, sich mehrheitlich den Partisanen Tito's und nicht dem profaschistischen Bulgarien anzuschliessen.

Das wurde nach Kriegsende belohnt - Tito bot den Mazedoniern in einem neuen Jugoslawien vollen Republikstatus an. Die Mazedonier hofften nun noch auf den Zusammenschluss mit dem griechischen Mazedonien, doch diese Hoffnungen zerschlugen sich schnell. Immerhin war die mazedonische Sprache nun erlaubt; ausserdem wurde eine unabhängige Mazedonisch-Orthodoxe Kirche 1952 zugelassen.

1991, Jugoslawien brach nach und nach zusammen, stimmten Mazedonier mehrheitlich der Unabhängigkeit zu. Ein Jahr später, also 1992, erklärte das Land seine Unabhängigkeit von Belgrad - jenes stimmte zu und zog ohne Zaudern und ohne Zwischenfälle seine Truppen ab - die einzige ehemalige Republik Jugoslawiens, die sich friedlich aus dem Gebilde lösen konnte!

Einzig Griechenland verweigerte die Anerkennung und nannte als Bedingung für die Aufnahme in den Staatenbund, dass Mazedonien sich einen anderen Namen und eine andere Flagge suche. Um das durchzusetzen, verhängte man von 1994 bis 1995 gar ein Handelsembargo. Deshalb heisst das Land vorläufig nun F.Y.R.O.M (siehe oben), aber die Probleme mit Griechenland sind noch immer akut.

Der Kosovo-Krieg hat das Land schwer getroffen, da der Handel mit →Serbien aufgrund des Embargos völlig einbrach. Nebenbei ergab sich ein zweites Problem - hunderttausende Flüchtlinge aus Kosovo kamen ins Land. Die sind zwar alle wieder heimgekehrt, aber die Spannungen zwischen der albanischen Minderheit, viele von ihnen leben im Nordwesten rund um Tetovo, blieben. Die Albaner forderten eine eigene Universität, Unterricht in eigener Sprache und höheres politisches Gewicht. Bald brachen darob Kämpfe in Tetovo und Umgebung aus - unterstützt durch aus →Albanien einsickernde UCK-Kämpfer. Die Situation konnte nur mit Mühe und internationaler Hilfe (auch durch die Bundeswehr) vorerst bereinigt werden. Ganz wird sich das Problem nicht lösen lassen, denn religionsbedingt liegt die Geburtenrate der Albaner weit höher als die mittlerweilen negative Geburtenrate der slawischen Mazedonier. Die befürchten eine ethnologische Umwälzung und damit, aus dem "eigenen Land" gedrängt zu werden.

Die Kosovo-kriegsbedingte Misere brachte zudem rund 35% Arbeitslosigkeit hervor, was sich nicht positiv auf den innerstaatlichen Konflikt auswirkt.

Allerdings scheint sich vieles zu bessern: Tetovo sah für mich bei der Durchfahrt wie eine boomende Stadt aus - es wird unheimlich viel gebaut. Nach der Normalisierung der Lage in →Serbien kann es jetzt eigentlich auch nur besser werden.

 

 

 

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