Geschichte - kurzer Überblick

Historisch gesehen lässt sich das heutige Moldau in zwei Regionen unterteilen: in Bessarabien, dem Bereich zwischen den Flüssen Prut (Pruth) und Nistru (Dnestr, Dnjestr), sowie Transnistrien (alias Transdnjestrien, Transnestrien, Transdnestrien) - einem schmalen Streifen Land zwischen dem Fluss Nistru und der ukrainischen Grenze, also der heutigen "abtrünnigen" →PMR. Zur Historie letzterer Region siehe →Geschichte Transnistriens.

Der Name Bessarabien wird schon einige Jahrhunderte benutzt, aber woher dieser Name eigentlich kommt, scheint unklar zu sein. Bis 1812 gehörte das Gebiet zu Moldawien - dieser Name kennzeichnet heute nur noch den Ostteil Rumäniens mit →Iaşi als einstiger Hauptstadt und dem glorreichen Ştefan cel Mare (Stefan der Grosse), der von →Suceava aus 1457 bis 1504 das Moldawische Reich regierte und noch heute auf den moldauischen Geldscheinen (siehe unten) geehrt wird. Und zwar auf allen! Ab der Mitte des 16. Jhd. wurde das Gebiet jedoch von den Türken erobert und lange regiert. Bis zum Jahre 1812: Im Verlaufe einer der vielen Russisch-Türkischen Kriege fällt Bessarabien an den Zaren. Der wollte die weiten, zugewonnenen Gebiete schnell besiedeln und sorgte dafür, dass sich auch viele deutsche Bauern hier niederliessen. Davon zeugen auch heute noch Ortsnamen wie Marienfeld oder Jacobstal - auf alten Karten gibt es selbst "Leipzig" und vieles mehr. Jedoch - wie eingangs erwähnt - sind fast alle Deutschen ausgewandert.

Nach über 100 Jahren begann die wirre Zeit: 1918, nach der Oktoberrevolution, erklärte Bessarabien seine Unabhängigkeit von Russland und vereinigte sich mit →Rumänien. Bis 1940 -dann eroberte die Rote Armee Bessarabien (gehörte zum Geheimvertrag von Ribbentrop und Molotov!).

Russische Friedenstruppen am Dnestr
Russische Friedenstruppen am Dnestr

Ein Jahr später, eroberten deutsche und rumänische Truppen das Gebiet zurück. Und 1944 kam wieder die Rote Armee - mit furchtbaren Folgen für die Moldawier. Das Land wurde sowjetisiert, das kyrillische Alphabet aufgezwungen und unzählige Moldawier depotiert. Bessarabien wurde mit Transnistrien vereinigt, und so entstand die Молдавская ССР (Maldavskaya SSR - Sozialistische Sowjetrepublik Moldawien). 1989, mit Glasnost, kam die Wende - das lateinische Alphabet durfte wieder benutzt werden. 1991 erklärte man die volle Unabhängigkeit, schloss sich aber sofort der GUS (Gemeinschaft unabhängiger Staaten) an. Zudem erklärte Moldau volle Neutralität - kann also nicht Mitglied militärischer Bündnisse wie der NATO werden.

Gagausische und slawische Minderheiten befürchteten eine Vereinigung mit Rumänien und hielten 1991 eigene Präsidentschaftswahlen ab. Die Spannungen, welche schon jahrelang schwelten, gipfelten 1992 schliesslich in einem vollen Bürgerkrieg zwischen Moldau und Transnistrien (genaueres dazu siehe unter →Geschichte Transnistriens). Der Konflikt mit den Gagausen konnte schliesslich halbwegs friedlich gelöst werden - die Gagausier erhielten weitreichenden Autonomiestatus, →Comrat wurde zur Hauptstadt.

Gegen Ende der 1990er war von einer Vereinigung mit →Rumänien die Rede - davon ist man heute scheinbar weit entfernt. Moldau hat ein arges Exportdefizit, hohe Auslandsschulden. Übrigens errang die Kommunistische Partei bei den Wahlen 50,1 % der Stimmen und stellt seitdem den Präsidenten - das ist einmalig in Europa seit den 1990ern! Da frag ich mich doch persönlich, wieso es so grosse Probleme mit der ebenfalls kommunistischen →PMR gibt.

 

 

 

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