Reiseberichte

Prolog

Als meine Frau und ich zum ersten Mal versuchten, nach Moldau zu reisen, machte uns die moldawische Botschaft in Bukarest einen dicken Strich durch dir Rechnung - da meine Frau einen japanischen Pass hat, hiess es pltzlich, dass sie ein offizielles Einladungsschreiben bentigt (pltzlich bezieht sich darauf, dass man uns in der Botschaft in Berlin Wochen vorher Gegenteiliges mitteilte). Ein Jahr spter versuchten wir es noch mal, und dann klappte es: Wir wurden von einer Familie aus einem kleinen Dorf in der Mitte des Landes eingeladen - da ein Familienmitglied in Berlin lebt und wir uns ber ein paar Ecken kennenlernten. Moldau ist sehr lndlich, aber genau das macht es so reizvoll. Wir nutzten die Zeit auch fr einen Abstecher in die abtrnnige Republik Transnistrien, welches sich nach einem kurzen aber blutigen Brgerkrieg Anfang der 90er von Moldau trennte. Der Besuch dort war wie eine Reise in die Vergangenheit - die Zeit der Sowjetunion. Moldau, und auch Transnistrien, sind sehr faszinierend und die Bewohner mehr als nett.

Visa

Moldauisches Visum - gltig 30 Tage
Moldauisches Visum - gltig 30 Tage

Mit Ausnahme von Staatsbrgern der ehemaligen Sowjetunion herrscht fr so ziemlich jeden Visumzwang. Das kann man z.B. beim Konsulat der Republik Moldau in ?Bukarest bekommen. Oder wohl auch bei der Einreise a, Flughafen oder an der Grenze. Auf letzteres wrde ich mich allerdings nicht verlassen!!! Sicherer und unkomplizierter ist es, zumindest fr deutsche Staatsbrger, es bei der Botschaft in Berlin zu holen. Und so geht es: 45 Euro plus 5 Euro Extragebhr an zwei separate Konten berweisen, Visumsantrag von der Botschaft faxen lassen, ausfllen, zusammen mit Pass, berweisungsbesttigung, ein Passfoto, Antrag und an sich selbst adressierten Rckumschlag an die Botschaft schicken. Dauert dann zwei bis drei Wochen. Man braucht keine Einladung, aber eine Adresse in Moldau!!! Diese wird nicht kontaktiert - aber sie sollte schon stimmen. Mich bitte nicht nach einer Adresse fragen - stattdessen einen der Links unten kontaktieren! Man kann natrlich auch selbst zur Botschaft gehen und den Pass selbst wieder abholen. Das einfache Visum ist am praktischsten - gilt einen ganzen Monat. Achtung: Auch wer nach ?Transnistrien fahren mchte, braucht kein zweifaches Visum, da man de facto Moldau nicht verlsst!!!.

Also - am besten erstmal die Botschaft kontaktieren, da sich die Bestimmungen schnell ndern knnen. Und Formblatt zuschicken lassen. Die Leute bei der Botschaft sind sehr nett und hilfsbereit. Adresse:

Botschaft der Republik Moldau

Konsularabteilung

Gotlandstr. 16

10439 Berlin

Tel.: 030-283 5237

Fax: 030-446 52972

Es ist gut mglich, dass sich die Dinge bereits stark gendert haben (Visum nicht mehr erforderlich usw.) - unbedingt vor einer Tour bei offiziellen Stellen erkundigen!

Einschrnkungen

Laut Botschaft muss man sich innerhalb von drei Tagen bei den rtlichen Polizeibehrden melden!!! Dies gilt nicht bei Hotelaufenthalten - man bekommt vom Hotel eine Besttigung, dass man dort bernachtet hat. Diese muss man bei der Ausreise vorlegen. So weit so gut - Ich war sechs Tage in Moldau, zwei Nchte davon bei Bekannten und den Rest im Hotel. Vom Hotel bekam ich ebensolche Besttigung. Das hat an der Grenze jedoch niemanden interessiert - es gab keine Fragen und man wollte keine weiteren Dokumente sehen. Darauf sollte man sich jedoch auf gar keinen Fall verlassen!!!

An der Grenze muss man ein Formular ausfllen, auf dem man vermerkt, wieviel Bargeld man dabei hat. Das Schreiben ist wichtig und muss bei der Ausreise wieder abgegeben werden! Wer bei der Ausreise mehr Geld dabei hat als bei der Einreise, hat ein Problem - das Geld wird dann eingezogen. Allerdings wurden wir zum Beispiel weder bei der Ein- noch bei der Ausreise kontrolliert.

 

 

Geld

Wie auch in Rumnien heisst die Whrung Leu (Plural: Lei), welcher aus 100 Bani besteht. Der Kurs im Mai 2004 lag bei ca. 14:1. im Sommer 2006 bei 17 Lei = 1 Euro.

100 Lei-Schein
100 Lei-Schein

Die Whrung ist frei konvertierbar, da die Preise freigegeben wurden. Die Inflation hlt sich in Grenzen. Obwohl konvertierbar, wird man moldawisches Geld im Ausland nicht los!!! Ausnahme scheint lediglich ?Odessa zu sein.

Es gibt Mnzen im Wert von 5, 10, 25 und 50 Bani, die aber keine so grosse Rolle spielen. Geldscheine gibt es im Wert von 1, 5, 10, 25, 50, 100 und 200 Lei. Die 1-Leu-Scheine spielen eine enorm wichtige Rolle - man sollte immer ein paar davon zur Hand haben!!! Achtung: Moldawisches Geld ist in ?Transnistrien ungltig, kann aber dort getauscht werden.

In der Hauptstadt gibt es etliche Geldautomaten, und so auch in ?Bălţi und ?Orhei. Woanders sieht es mau aus. Aber es gibt berall Wechselstuben. Der Kurs an der Grenze ist eher schlecht. Pro Abhebung mit einer EC-Karte bezahlt man die blichen 4 % oder mindestens 4 Euro.

Preise

Die Republik Moldau ist aufgrund der wirtschaftlichen Verhltnisse natrlich fr westliche Besucher sehr billig. Mit Abstand am teuersten ist das bernachten - kostet in der Hauptstadt mindestens 10 Euro pro Nacht. Es sei denn, man hat private Kontakte. Essen ist auch sehr billig, wobei es jedoch auch teurere Restaurants gibt. In besseren Restaurants zahlt man fr ein Hauptgericht 15 bis 60 Lei (1 bis 4 Euro). Kaffee kostet meistens 2 bis 3 Lei. Sehr billig sind Verkehrsmittel - eine Fahrt von ?Chişinău nach ?Bălţi zum Beispiel (160 km) kostet mit dem Bus nur 24 Lei (1.7 €). Marshrutkas (Sammeltaxis) kosten in der Innenstadt zwischen 0.8 und 3.0 Lei - je nach Entfernung. Auch Fahrten in die Nachbarlnder sind kaum teurer. Eintrittspreise, so berhaupt erhoben, sind lcherlich billig. Internet in Café's kostet max. einen Euro pro Stunde. Wie auch in anderen GUS-Staaten (vom Baltikum abgesehen) sind Zigaretten und Alkohol unsagbar billig.

Wer halbwegs sparsam lebt, kann mit 20 bis 30 Euro pro Tag gut auskommen. Wobei der Lwenanteil davon freilich ans Hotel geht! Wer privat bernachtet und sich auf dem Markt versorgt, kann gar mit 5 Euro klarkommen. Kein Wunder - Moldawier verdienen im Durchschnitt um die 50 Euro pro Monat!

 

 

 

Anreise

Bus, Bahn oder Flugzeug. Es gibt mittlerweilen Direktflge von Deutschland und sterreich nach ?Chişinău. Des weiteren kann man mit Zwischenstopp in Rumnien fliegen - scheint etwas billiger zu sein.

Wer mit Bus oder Bahn von Westen kommt, durchquert zwangslufig ?Rumnien. Von dort fahren Zge, beginnend in ?Sofia (Bulgarien) oder ?Bukarest, ber ?Iaşi in die moldawische Hauptstadt und von dort weiter ber ?Tiraspol nach ?Kiew. Dies sind meist Nachtzge. Da in Moldau noch das alte sowjetische Gleissystem mit grsserer Spurbreite besteht, steht man drei Stunden an der Grenze, damit die Achsen umgestellt werden knnen. Es gibt des weiteren noch direkte Zge nach Woronesch und Moskau in Russland sowie nach →Minsk in →Weissrussland.

Mit dem Bus oder Minibus kann man auch fahren: Der Minibus braucht nur knappe 5 Stunden von Iaşi nach Chişinău und fhrt dann weiter nach ?Orhei. Bis zur Hauptstadt kostet es 170'000 rumnische Lei (ca. 4 Euro), bis Orhei 200'000 rum. Lei. Es gibt auch direkte Busse von ?Bălţi nach ?Suceava in der Sdbukowina. Kostet 57 mold. Lei (4 Euro) und kann bis zu sechs Stunden dauern.

Grenzbergnge

Die Hauptgrenzbergnge zwischen Rumnien und Moldau liegen bei Sculeni (Strasse) und wenige Kilometer weiter sdlich bei Ungheni (Bahn) sowie bei Albiţa - alle liegen in der Mitte. Es gibt jedoch noch weitere: Bei Lipcani hoch im Norden, Costeşti (weiter sdlich), Cahul und Giurgiuleşti weit im Sden nahe der Grossstadt Galaţi.

Entgegen anders lautender Gerchte scheinen auch die erwhnten kleineren Grenzbergnge fr Reisende anderer Lnder kein Problem zu sein. Wir wurden zwar am kleinen bergang bei Costeşti komisch angeschaut und lange ber unseren Reisezweck usw. befragt, aber letztendlich gab es keinerlei Probleme.

Es gibt zahlreiche Grenzbergnge zur ?Ukraine. Der grsste und praktischste liegt allerdings im Gebiet von ?Transnistrien (PMR) bei Pervomaisc - will heissen, Auslnder bekommen oft Probleme an der Grenze bzw. werden eine Menge Geld los. Die bergnge im Norden sowie im Sden nach Ismail verlaufen nicht durch Transnistrien und sind deshalb wahrscheinlich unproblematischer. Allerdings fhren alle Wege von Chisinau nach ?Odessa wohl oder bel durch Transnistrien - ob mit der Bahn oder mit dem Bus. Selbiges ist von Chisinau gerade mal 150 km entfernt.

Unterwegs im Land

Es gibt ca. 1300 km Bahnstrecke im Land - das ist nicht viel und die Bahn ist fr Inlandsfahrten ziemlich unbrauchbar, da es kaum direkte Verbindungen zwischen den Grossstdten gibt - manchmal ist man geneigt zu glauben, dass in Moldau erst die Bahnlinien und danach die Stdte gebaut wurden.

Die Busse sind nicht gerade die Neuesten...
Die Busse sind nicht gerade die Neuesten...

Ausserdem muss man beachten, dass die Bahn meist zu Sowjetzeiten gebaut wurde - das heisst, dass manche Zge mehrfach die moldawisch-ukrainische Grenze berqueren - was Probleme mit dem Visum mit sich bringt.

Besser bedient ist man mit Bussen - die sind in der Regel sehr, sehr alt. Und werden schnell voll. Es ist kein Problem, von A in die Hauptstadt zu kommen. Aber von A nach B, ohne ber die Hauptstadt zu fahren, kann sehr problematisch werden. Etwas teurer sind Marshrutkas - also Sammeltaxis, die festgelegte Strecken abfahren. Sie fahren meist erst dann los, wenn sie voll sind. Wie auch in anderen Ex-Sowjetunion-Lndern gilt - Busse und Marshrutkas knnen berall angehalten werden und man kann, wo man will, aussteigen. Beide Verkehrsmittel fahren im jeweiligen autogară (Busbahnhof) der Stadt los und enden im selbigen. Der Busbahnhof liegt meist sehr zentral.

 

 

Essen und Trinken

Siehe ?Rumnien. Extrem verbreitet sind Milchprodukte - Brânză (Schafskse), Caşcaval (Kse aus Kuhmilch), Smetana (russische saure Sahne), Tvorog (krniger Frischkse, wird mit Zucker gegessen) usw. usf. gehren zum Standard. Interessant ist die Art und Weise, wie man hier Mâmâligâ (Polenta, Maisbrei) it - man tunkt den Brei erst in zerlassenen Speck, dann in Knoblauch und dann in Schafskse. Simpel, lecker und macht satt.

Die russische Kcke (Pelmeni und Co.) ist auch nicht selten anzutreffen. Es gibt in Moldau zwei Arten von Restaurants - welche, die traditionelle rumnische Kche anbieten, und italienische. Beide kommen etwa gleich hufig vor. McDonalds hat auch schon in der Hauptstadt Fuss gefasst. In kleinen Stdten sind Restaurants Mangelware, aber in Alimentari (Lebensmittelgeschft) und auf den Mrkten kann man sich selbst versorgen.

Vin (Wein) wird nahezu berall angebaut. Ganz bekannt fr den Weinanbau ist Cricova - eine kleine Stadt keine 15 km nrdlich der Hauptstadt. Dort wird der Wein in kilometerlangen Stollen gelagert. Und der Wein ist nicht zu verachten! Die trockenen Rotweine (Merlot, Cabernet Sauvignon usw.) z.B. sollte man unbedingt probiert haben. Wo es Wein gibt, gibt es auch Weinbrand. Mehr dazu siehe unter ?Transnistrien. Bere (Bier) gibt es freilich auch - die Marken "Chişinău", "Vitanta" und "Premium" sind weit verbreitet. Letzteres ist wirklich gut. Und - Wodka (hier: Rachiu) gibt es natrlich auch in rauhen Mengen.

 

 

 

 

 

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