Geschichte - kurzer Überblick

Die Inselgruppe der Philippinen ist schon seit vielen zehntausend Jahren besiedelt, aber aufgrund der Topographie gab es lange Zeit keinen einheitlichen Staat auf dem Archipel. Stattdessen unterlagen unterschiedliche Inseln und Inselgruppen unterschiedlichen Einflüssen. Dazu zählte ein starker Einfluß aus Indien und China sowie, vor allem im Süden, ein starker islamischer Einfluß. Von den Europäern wurden die Inseln erst 1521, also später als Amerika, entdeckt - von keinem Geringeren als dem berühmten portugiesischen Entdecker Magellan, der allerdings mit den heutigen Philippinen auch seine letzte Ruhestätte fand. Magellan arbeitete für den spanischen König, und seit seiner Entdeckung setzten sich die Spanier auf den Philippinen fest und gründeten eine erste Siedlung namen San Pedro. Das Land wurde forthin kolonialisiert und als bedeutender Teil von Spanisch-Ostindien ein wichtiger Stützpunkt in Südostasien. Verwaltet wurde die Region von der spanischen Kolonie Mexiko, und Schiffe mit Waren aus Ostasien für Spanien fuhren zuerst nach Mexiko, bevor die Waren weiter nach Europa verschifft wurden. Erst unter der spanischen Krone wurde das Archipel vereint. Gleichzeitig wurde der islamische Einfluß im Süden der heutigen Philippinen zurückgedrängt. Stattdessen wurde der Katholizismus zur wichtigsten Religion. Straßen und Städte mit Festungen, darunter Manila, wurden angelegt, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen gegründet und noch vieles mehr. Der spanische Einfluß äußert sich noch heute in zahllosen spanischen Ortsnamen - und der mächtigen katholischen Kirche. Die Jahrhunderte unter der spanischen Krone verliefen nicht immer ereignislos - um 1646 versuchten die Niederländer und nach 1762 die britische Krone sich in den Philippinen festzusetzen, was jeweils nach ein paar Jahren jedoch zugunsten der Spanier im Sande verlief.

Schilder an der Autobahn zwischen Manila und Angeles sprechen Geschichte: Spanische Ortsnamen und englische Schilder
Schilder an der Autobahn zwischen Manila und Angeles sprechen
Geschichte: Spanische Ortsnamen und englische Schilder

Die Herrschaft Spaniens über die Philippinen sollte letztendlich fast 400 Jahre anhalten. 1896 begann ein Aufstand gegen die Kolonialherren. Bereits davor bildete sich eine philippinische Elite heraus, die für Reformen und später für die Unabhängigkeit des Landes plädierten. Eine der wichtigsten Personen dieser Elite war José Rizal, ein hochgebildeter Wissenschaftler und Politiker, der unter anderem in Europa studiert hatte und heute als erster philippinischer Wissenschaftler sowie Nationalheld gilt. Fälschlicherweise wurde er allerdings 1896 als angeblicher Anführer der Revolution verhaftet und mit nur 35 Jahren von den Spaniern hingerichtet. Rizal dürfte in den Philippinen die wichtigste Persönlichkeit der Geschichte sein. Dem Namen begegnet man auf Schritt und Tritt. Parks, eine ganze Stadt, zahllose Straßen und vieles mehr sind nach Rizal benannt, und der Tag seiner Exekution, der 30. Dezember, ist ein nationaler Feiertag.

Plastische Darstellung der Exekution Rizals in einer Gedenkstätte in Manila
Plastische Darstellung der Exekution Rizals in einer Gedenkstätte in Manila

Die USA begannen im Zuge des Kampfes Kubas um Unabhängigkeit 1898 damit, spanische Besitzungen anzugreifen. Dies geschah auch in Guam und letztendlich auch auf den Philippinen. Dort unterstützten die USA die Unabhängigkeitskämpfer, die so schliesslich im gleichen Jahr die Erste Philippinische Republik ausriefen. Der Pariser Vertrag von 1898 beendete den Spanisch-Amerikanischen Krieg, doch als Ergebnis wurden die Philippinen den Amerikanern zugeschlagen. Die gerade unabhängig gewordenen Philippinen erkannten den Vertrag jedoch nicht an und erklärten im folgenden Jahr den USA den Krieg. Die Philippinen waren zwar noch kein geeintes Land sondern bestanden aus Provinzen und Gruppierungen wie dem Sultanat von Sulu, Moro, der Republik Zamboanga und weiteren, doch der Kampf gegen die USA einte sie alle. Der Unabhängigkeitskrieg dauerte drei Jahre und war sehr blutig - es wird unter anderem geschätzt, das zwischen 200'000 und 1,5 Millionen Zivilisten getötet wurden. Es gab reconcentrados genannte Konzentrationslager, Massaker an der Zivilbevölkerung, Vergeltungsmaßnahmen, Folter und mehr. Die weit besser ausgerüsteten und kampferprobten Amerikaner gewannen den Krieg, aber Scharmützel sollte es weiterhin geben. Der Katholizismus verlor den Status der Staatsreligion und Englisch wurde nun Amtssprache, was sich auch noch heute darin äußert, dass man im Vergleich zu anderen Ländern der Region relativ gut Englisch spricht. Ab 1935 gewährte man den Philippinen einen gewissen Autonomiestatus.

'Battling Bastards of Bataan' - Gedenkstätte für die amerikanischen Soldaten im Kampf gegen die japanische Invasion
'Battling Bastards of Bataan' - Gedenkstätte für die amerikanischen
Soldaten im Kampf gegen die japanische Invasion

1941 gab es eine weitere wichtige Zäsur in der Geschichte des Landes. Nur 10 Stunden nach dem Angriff auf Pearl Harbor griff Japan auch den amerikanischen Stützpunkt Clark Air Base auf den Philippinen an. Kurze Zeit später landeten japanische Truppen auf Luzon und drängten die amerikanischen Kräfte auf die Bataan-Halbinsel zurück. Geschätzte 80,000 Kriegsgefangene wurden schließlich auf den "Todesmarsch von Bataan" geschickt. Im April 1942 ergaben sich die philippinisch-amerikanischen Kräfte, und die japanische Besetzung begann. Doch auch danach gab es bedeutende Widerstandskräfte, so dass Japan in Wahrheit nur ein gutes Drittel des Landes wirklich unter Kontrolle hatte. Es wird geschätzt, dass rund eine Million Filipinos während der Zeit bis zur Kapitulation Japans ums Leben kamen - ein nicht geringer Anteil davon bei der Schlacht von Manila.

Am 4. Juli 1946 - Zufall oder nicht - gewährten die USA den Philippinen die lang ersehnte Unabhängigkeit. Wirtschaftlich blieb das Land allerdings weiterhin stark von den USA abhängig, und der Unabhängigkeitsvertrag legte unter anderem fest, dass die USA für 99 Jahre ihre Stützpunkte behalten dürfen. Der Start war schwierig, denn das Land war verwüstet und sollte weiterhin von Gewalt geprägt sein - unter anderem durch den Widerstandskampf einer kommunistischen Gruppierung, genannt "Huks". Die Philippinen wurden fortan demokratisch regiert, doch 1965 kam Ferdinand Marcos an die Macht, und der weigerte sich, nach seinen maximal möglichen zwei Amtszeiten abzutreten. Stattdessen erklärte er 1972 das Kriegsrecht und regierte forthin als Diktator das Land. Einer seiner schärfsten Kritiker war der Oppositionelle Benigno "Ninoy" Aquino Jr., der trotz Warnungen 1983 in sein Heimatland zurückzukehren versuchte - und noch am Flughafen ermordet wurde (jener Flughafen trägt heute seinen Namen). In den 1980ern regte sich jedoch immer mehr Widerstand gegen die Diktatur, und Teile der Behörden und des Militärs begannen 1986, Marcos das Gehorsam zu verweigern. Der Diktator floh daraufhin aus dem Land, und Aquinos Witwe wurde die Präsidentin der Philippinen.

Das Land hatte auch nach dem Sturz des Diktators mit zahlreichen Problemen zu kämpfen - vor allem mit der Armut, Korruption, sowie kommunistischen und islamistischen Gruppierungen, die das Land mit Gewalt und Terror überzogen. Auch ausländische Touristen waren betroffen - so machten zum Beispiel Entführungen durch die Terrororganisation Abu Sayyaf in den Südphilippinen weltweit Schlagzeilen. Die Sicherheitslage hat sich in den vergangenen Jahren etwas verbessert, doch gibt es auch jetzt noch (Stand: 2013) etliche Gebiete, vor allem auf Mindanao und anderen Inseln im Süden des Landes, die von ausländischen Besuchern besser gemieden werden sollten. Ein trauriger Höhepunkt der Gewalt in der jüngeren Geschichte des Landes war dabei das Maguindanao-Massaker, bei dem 2009 insgesamt 58 Menschen (ein Politiker nebst Gefolge sowie ein Tross der Presse mit mindestens 34 Pressevertretern) brutal ermordert wurden.

Seit 2010 ist Benigno Aquino III, Sohn der oben erwähnten Aquinos, Präsident des Landes. Das mag nach nordkoreanischer Erbfolge klingen, ist aber wirklich das Resultat demokratischer Wahlen. Und seit etwa dieser Zeit geht es immer weiter bergauf mit den Land: Es wird sehr viel gebaut, viel erneuert, und das Land ist auf dem Weg, ein neuer Stern am südostasiatischen Firnament zu werden: Ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Entwicklung ist zum Beispiel das Stadtviertel Makati in Metro Manila. Experten schätzen, dass die Philippinen sich bis 2050 zur größten Wirtschaftsmacht Südostasiens aufschwingen könnten.

 

 

 

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