Reiseberichte

Geschichte - kurzer berblick

Polens Geschichte ist selbst fr die verworrenen europischen Verhltnisse uerst tragisch verlaufen. Um es anders auszudrcken - nur selten geno das Land so harmonische Verhltnisse wie jetzt. Aber erstmal zu den Ursprngen: Die Polanen (Polen) siedelten eigentlich erst ab dem 6. Jahrhundert im heutigen Polen - zuvor siedelten hauptschlich Germanen, z.B. die Goten, in der Region, bevor sie wohl von den Hunnen und anderen auf Wanderung befindlichen Vlkern vertrieben wurden.

Slawische Stmme eroberten die Region und drangen weit nach Westen vor - wie weit sie kamen, lsst sich noch heute anhand der deutschen Ortsnamen erkennen (siehe z.B. die Linie zwischen Delitzsch und Bitterfeld). Die slawischen Stmme grndeten aber im heutigen Polen lange Zeit keinen Staat. Erst entstanden slawische Frstentmer, doch die schlossen sich erstmal weiter sdlich zusammen zum Reich der Gromhrer zusammen (siehe ?Geschichte Tschechiens) - das war im Jahre 830 und umfasste weite Teile des heutigen Polens. Ab dem Jahr 900 zogen jedoch die Magyaren (siehe ?Geschichte Ungarns) ber 50 Jahre lang plndernd durch die Region. Im Jahre 966 schaffte es schlielich Herzog Mieszko I., das erste polnische Herzogtum zu grnden - dafr musste er freilich das Christentum annehmen. Allerdings war das Herzogtum ziemlich klein und erstreckte sich um das heutige ?Poznań.

Mieszko's Sohn, Bolesław der Tapfere, leitete nach Mieszkos Tod die Geschicke des Landes. Damals gehrten auch weite Teile der heutigen Mark Brandenburg den Polen. Deshalb heisst auch heute noch die westliche Provinz Polens Województwo lubuskie (Woiwodschaft Lebus) - obwohl Lebus am linken Oderufer liegt. Boleslaw wurde vom Papst im Jahr 1025 zum ersten polnischen Knig ernannt.

Mieszko und Boleslaw begrndeten die Piasten-Dynastie, die lange Zeit Polen regierte. Dank zahlreicher Eroberungen wurde Polen bald in etwa so gro wie es heute ist. Die Hauptstadt wurde nach Kraków (Krakau) verlegt. Das Land wurde jedoch von Tataren im Sden und deutschen Ordensrittern im Norden stark geschwcht. Im 14. Jahrhundert ging dem polnischen Knigreich Hinterpommern und Schlesien verloren - bis 1945 sollten diese Gebiete deutsch bleiben. Der letzte Piast, Kazimierz III Wielki (Kasimir der Groe) schaffte es in seiner Herrschaftszeit von 1333 bis 1370, Polen wieder zu einigen und vor allem zu vergrssern - weite Teile der heutigen ?Ukraine gehrten damals zum polnischen Knigreich.

Da den Piasts die mnnlichen Nachkommen ausgegangen waren, wurde durch Heirat ein Bndnis mit dem damals schon mchtigen ?Litauen geschlossen - der litauische Herrscher Jagiełło wurde 1386 auch zum Herrscher Polens und die Litauer als letzte Europer christianisiert. Die Dynastie der Jagielloner sorgte fr eine nie gekannte Bltezeit - Polen und Litauen wurden zu einer europischen Gromacht, die bis zum Schwarzen Meer reichte und selbst die deutschen Ordensritter 1410 aus der Gegend vertrieben.

Das Land erlebte eine verhltnismssig ruhige Epoche, in der Kunst und Wissenschaft florierten. 1569 vereinigten sich Litauen und Polen vollends, wobei Polen die dominierende Rolle spielte. Allerdings endete vier Jahre spter die Dynastie der Jagielloner - stattdessen wurden die Knige nun gewhlt. Die Adelsrepublik Polen-Litauen umfasste damals auch das heutige ?Lettland sowie die ?Belarus sowie weite Teile der ?Ukraine und war damit lange Zeit das grsste Land Europas. Ein Grund dafr war die Tatsache, dass man sich nicht mit Religionskriegen herumrgern musste. Polen war stets katholisch, blieb aber tolerant gegenber anderen Religionen, so dass auch viele Juden eine Hochkultur erlebten. 1596 wurde die Hauptstadt in das zentraler gelegene ?Warszawa (Warschau) verlegt.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde es turbulenter. Es kam zu Kriegen mit Moskau, den Osmanen, Kosaken und mehr. Ende des 18. Jahrhunderts kam der Niedergang. Innenpolitisch unfhig zu reagieren, wurde Polen bei der Ersten Polnischen Teilung 1772 durch Preuen die Stadt Gdánsk, das Ermeland und Westpreuen, von Russland der Osten von Weirussland und von sterreich-Ungarn Galizien, also die Region um das heutige ?L'viv (Lemberg), entrissen.

Der Rest Polens entwickelte sich jedoch weiter prchtig, und 1791 gab sich das Land die erste geschriebene Verfassung Europas, was damals sehr fortschrittlich war. Das interessierte die Gromchte wenig. 1793 kam es zur Zweiten Teilung Polens. Preuen griff sich die die Województwo wielkopolskie (Gropolen) rund um Poznan, Ruland nahm sich den Rest Weirusslands, Schwarzrussland, Kleinrurussland und Podolien (heute Teile der ?Belarus, ?Ukraine und ?Transnistriens). Es kam zu massiven Aufstnden gegen die Okkupanten,weshalb die drei Supermchte 1795 die Dritte Polnische Teilung bzw. die endgltige Auflsung Polens beschlossen. Westgalizien inkl. Kraków fiel an die k.u.k. Monarchie, Neuostpreuen und Neuschlesien an Preuen sowie der Rest der heutigen ?Belarus und weite Teile ?Litauens sowie das Kurland (der Osten ?Lettlands) an das Zarenreich.

1807 fegten die napoleonischen Truppen durchs Land und schufen das Groherzogtum Warschau, doch nach Napoleon wurde das Land wieder geteilt, was durch den Wiener Kongress 1815 besttigt wurde. Zwar sollten die Rechte der Polen von allen drei Besatzungsmchten geachtet werden, doch in Wahrheit wurden die Rechte von Preuen, Russland und sterreich-Ungarn mehr oder weniger stark beschnitten. Demzufolge kam es zu mehreren grossen Aufstnden, darunter auch brgerkriegshnliche Zustnde im russisch besetzten Teil.

Rot, roter, polnischer Kommunismus...
Rot, roter, polnischer Kommunismus...

Im Ersten Weltkrieg kderte Deutschland Polen mit der Aussicht auf die Schaffung eines Unabhngigen Knigreichs Polen, was 1916 auch durchgesetzt wurde. 1917 kam die russische Oktoberrevolution dazwischen. Polen wurde zum ersten Mal seit 122 Jahren das Recht auf Unabhngigkeit eingerumt. Die wurde 1918 durch den Vertrag von ?Brest-Litowsk besttigt. Zwar wurde der Vertrag nach der Niederlage Deutschlands wieder annuliert, doch Polen blieb unabhngig. Teile der vormals russisch besetzten Gebiete sowie vormals von Deutschen besetzte Gebiete gehrten zum neuen Polen - darunter auch ein Zugang zur Ostsee bei Gdynia (Gdingen).

In Russland herrschte noch ein blutiger Brgerkrieg zwischen Bolschewiki, Menschewiki und anderen Parteien. Polen nutzte die Gunst der Stunde, um unter der Fhrung des Marschalls Piłsudski die ehemaligen Ostgebiete zurckzuerobern. Die polnische Armee verbuchte schnell betrchtliche Landgewinne und fgte der jungen Roten Armee empfindliche Verluste zu - obwohl die nach einer Gegenoffensive schon vor Warschau standen. So fielen Gebiete bis einschliesslich ?Vilnius und ?L'viv (Lemberg) an Polen. 1921 wurde mit der Sowjetunion schliesslich in ?Riga ein Friedensvertrag ausgehandelt.

Piłsudski setzte nach einem Staatsstreich 1926 die parlamentarische Demokratie ausser Kraft und regierte das Land fortan eher diktatorisch. 1935 verstarb er jedoch, was Polen fortan schwchte. Am 1. September 1939 kam erneut eine Katastrophe ber das Land. Schon vorher hatten Deutschland und die Sowjetunion im geheimen Zusatzprotokoll des Nichtangriffspaktes die nunmehr fnfte Teilung Polens beschlossen. Als erstes rckte Deutschland ein. Ein fadenscheiniger Angriff auf den Sender Gleiwitz wurde als Vorwand benutzt, einzufallen. Als erstes wurde eine x-beliebige Kleinstadt ausgewhlt und aus der Luft bombardiert - viele Zivilisten fielen dem zum Opfer. Polen leistete Widerstand, hatte aber der geballten Kraft der Wehrmacht nicht viel entgegenzusetzen. Dieser Blitzkrieg markierte zwangslufig den Beginn des Zweiten Weltkrieges, denn die polnischen Verbndeten Grobritannien und Frankreich erklrten umgehend Deutschland den Krieg.

Schon bei der Besetzung Polens sprten die Einwohner, was auf sie zukommen wrde. Stdte wurden massiv bombardiert - so auch die Hauptstadt. Ab dem 17. September erfllten die Sowjets ihren Teil und rckten bis zum Bug vor. Nach nur drei Wochen hatte die Wehrmacht ganz Polen unter Kontrolle. In Polen zeigte das Dritte Reich sein hssliches Gesicht. Das Land wurde systematisch zerstrt. Man geht von rund 2,8 Mio ermordeten Polen und mindestens genau so vielen ermordeten Juden aus. Aufstnde und Partisanenaktionen, zum Teil organisiert von der Exilregierung in London, machten jedoch deutlich, dass das Land nicht vllig unter Kontrolle zu bringen war. Nennenswert sind vor allem der Ghettoaufstand von Warschau 1943 sowie ein weiterer, vom polnischen Widerstand organisierter Aufstand in der Hauptstadt 1944 - beide Aufstnde zogen sehr groes Leid mit sich.

Die Rote Armee schaute erstmal zu, wie die Wehrmacht den Aufstand in ?Warschau mit aller Macht niederschlug. Dann erst rckte sie weiter vor, so dass bis Anfang 1945 das ganze Land befreit war. Befreit? Die Sowjets zgerten nicht lange und eliminierten erstmal das polnische Offizierskorps und andere, mglicherweise strende Elemente. Bei den Abkommen von Tehrān, ?Jalta und Potsdam wurden die neuen Grenzen Polens festgelegt. Um es kurz zu sagen - ganz Polen wurde ein paar hundert Kilometer nach Westen verschoben. Zugunsten der Sowjetunion, zuungunsten Deutschlands. Fortan sprach man in der DDR von der Oder-Neie-Friedensgrenze. Schlesien, Ostpreuen, Hinterpommern und andere Gebiete gingen verloren. Dies brachte ethnische Suberungen mit sich. Polen wurden brutal aus der ?Ukraine vertrieben, Ukrainer aus Polen, sowie Millionen Deutsche aus dem heutigen Polen. Was blieb war ein tiefer Hass auf Deutschland und auch auf die Sowjetunion.

Stalin war der Meinung, da das "...einfhren des Kommunismus in Polen zu vergleichen sei mit dem Satteln einer Kuh". Recht hatte er. Zahlreiche Aufstnde, vor allem 1956, 1968, 1970 und 1976, sorgten fr chaotische Zustnde. 1980/81 lhmte ein groer Streik das Land, selbst das Kriegsrecht wurde verhngt. Die kommunistische Fhrung war isoliert. Jahrelang durften noch nicht einmal DDR-Brger nach Polen reisen. Auch wirtschaftlich war das Land nicht erfolgreich - trotz Planwirtschaft galoppierte in Polen die Inflation. Die oppositionelle Gewerkschaft Solidarność (Solidaritt) wurde immer mchtiger. 1989 kam es zu den ersten freien Wahlen, bei denen die Kommunisten nicht einen einzigen Sitz gewannen.

Das war der Todessto fr die Kommunisten. 1990 trat der unbeliebte Jaruzelski zurck und machte Platz fr den populren Gewerkschaftsboss Lech Wałęsa, der zum ersten demokratisch gewhlten Prsidenten gekrt wurde. Nun wurden die rmel hochgekrempelt: Die Kirche, schon immer stark in Polen, bte verstrkt Einfluss aus. Die Wirtschaft und das politische System wurden reformiert. Im Mai 2004 trat Polen schlielich der EU und schon vorher der NATO bei. Polen wurde zum wichtigsten Partner der USA auf dem Festland whrend des Irak-Krieges. Aber es ist nicht alles Gold, was glnzt. Eine hohe Arbeitslosigkeit, steigende Kriminalitt und eine starke Verarmung einiger Bevlkerungsgruppen bleiben eine Herausforderung. Andererseits hat sich das Verhltnis zu Deutschland und der Ukraine sprbar verbessert.

 

 

 

 

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