Prologue

Zum ersten Mal war ich 1983 in Polen, seitdem dutzende Male. Weshalb es mir nie in den Sinn kam, eine Seite über Polen zu schreiben. Damals waren die Verhältnisse schwierig - es fehlte an grundlegenden Dingen, andererseits konnte man aber in Polen westliche Sachen (wie Musik) kaufen, die es in der DDR nicht gab. Aber es kam schon mal vor, dass einem kleine Kinder hinterherliefen, mit Steinen warfen und "Nazi!" riefen. In den 1980ern. Mittlerweilen hat sich jedoch sehr, sehr viel getan. Selbst Deutsch kann man nunmehr ohne Bedenken sprechen. In diesem Fall kann und muss man den Politikern beider Länder danken - z.B. Willy Brandt, um nur einen zu nennen.

Visa

Alle West- und Mitteleuropäer benötigen kein Visum. Ein gültiger Personalausweis reicht für deutsche Staatsangehörige zumindest auch aus. Mit dem EU-Beitritt sind die zum Teil lästigen Zollkontrollen an der deutschen Grenze auch weggefallen. Allerdings gelten noch immer die gleichen Bestimmungen, und der Zoll kontrolliert gelegentlich im Hinterland.

 

 

 

Geld

Die Landeswährung nennt sich Złoty (sprich: Swuoti, bedeutet 'Gold'), welche in der Regel abgekürzt wird mit . Ein Złoty besteht aus 100 Grosz (Plural: groszy). Die Währung ist mittlerweilen sehr stabil, da man die Inflation in den Griff bekommen hat. Der Kurs liegt bei 1 Euro = 4 Zł - die Schwankungen sind eher gering. Das bedeutet, daß der zu kommunistischen Zeiten übliche Schwarzumtausch verschwunden ist.

Es zirkulieren Münzen im Wert von 1, 5, 10, 20 und 50 gr sowie zu 1, 2 und 5 Zł. An Geldscheinen gibt es 10, 20, 50, 100 und 200 Zł-Noten.

In Polen herrscht mittel- bzw. westeuropäischer Standard. Geldautomaten gibt es überall. Diese akzeptieren alle gängigen Kredit- und Bankkarten, also auch Cirrus- und Maestrokarten. Natürlich kostet das pro Abhebung ca. 4 Euro. Viele Banken wechseln freilich auch Bargeld.

10 polnische Zloty
10 polnische Zloty

Preise

Polen ist nachwievor recht günstig, obwohl die Preise in den 1990ern beträchtlich stiegen. Die Preise entsprechen in etwa denen in →Tschechien, wobei die Auswahlmöglichkeiten in Tschechien etwas besser sind. Man kann auch in zentraler Lage für ca. 10 Euro pro Person übernachten, sollte dann aber nicht viel verlangen. Beim Essen gibt es eine grosse Preisspanne: Wer sich mit einer bar mleczny (wörtl.: Milchbar) begnügt, kann für einen guten Euro satt werden. In Milchbars, eine Art Kantine, gibt es mehr als Milchprodukte. In den letzten Jahren schossen hochwertige restauracja wie Pilze aus dem Boden. Dort kann man schnell mal 10 Euro für ein komplettes Menü lassen.

Auch die Transportkosten halten sich in Grenzen, aber man muss beachten dass Polen kein kleines Land ist. Für die rund 400 km von →Warschau nach →Wrocław zahlt man mit dem Zug knapp 10 Euro.

Man kann mit 20 Euro pro Tag in Polen herumkommen, aber da beschränkt man sich auf das Allernötigste und hat nicht viel Spass dabei. Besser sollte man um die 30 Euro einplanen.

 

 

 

 

Anreise

Je nachdem von wo man anreist, sollte man evtl. das Flugzeug in Erwägung ziehen - es gibt mittlerweilen preiswerte Flüge nach →Warschau, Kraków und andere Großstädte.

Es gibt ein paar internationale Fährverbindungen - so nach Ystad und Nynäshamn in Schweden und nach Kopenhagen. Es gibt auch einige Fähren von deutschen Ostseebädern auf Usedom nach Świnoujście (Swinemünde).

Mit dem Zug gibt es auch viele Möglichkeiten. Genial ist der Berlin-Warszawa-Express - fährt drei Mal am Tag, kostet rund 30 Euro für die ganze Strecke (rd. 20 von Frankfurt/Oder) und braucht gute 6 Stunden. Ansonsten gilt - bis zum ersten Bahnhof auf polnischer Seite fahren und dort für den polnischen Tarif ein Ticket kaufen ist am günstigsten. Es gibt ansonsten auch sehr viele Regionalzüge von Deutschland nach Polen.

Verkehrsknotenpunkt ist natürlich →Warschau mit den beiden wichtigen Bahnhöfen Centralna und Wschodnia. Alle Züge aus dem Westen halten auch in →Poznań. Der Ost-West-Express fährt von Brüssel (15½ h) über Köln (12 h) nach Warschau und weiter nach Osten. Nach →Brest in der→Belarus dauert es 4 h und kostet 13 Euro, nach →Minsk braucht man 10 Stunden (vorher Visum besorgen!). Einige Züge fahren weiter nach Moskau (18 h) und Saratow.

Zwei Züge am Tag fahren nach →Kiew. Dauert 17 h, einer der beiden Züge kommt aus Berlin (siehe →Anreise Ukraine). Zudem gibt es direkte Züge nach →Prag (9 h) über →Olomouc (5h), nach →Budapest (10 h) über Bratislava sowie einen direkten Zug nach Wien (7½ h).

Nützlich ist auch die Verbindung von Warschau nach →Vilnius in →Litauen. Dieser Hotelzug besteht nur aus drei Schlafwagen (jedenfalls im Winter) und braucht von Hauptstadt zu Hauptstadt 10 Stunden ± 1 h Zeitverschiebung. Der Zug von Warschau fährt nur an ungeraden Tagen ab - um 21:42. Am nächsten Morgen ist man um 08:50 Ortszeit in Vilnius. Achtung: Der Zug fährt nicht über weissrussisches Territorium - man braucht sich also keine Sorgen über Visa zu machen. Der Fahrpreis beträgt 19,30 € plus 16,00 € Schlafwagenzuschlag. Der Zug ist sauber, wird aber waggonweise lustigerweise noch mit Kohlen beheizt. Unterwegs hält der Zug in Białystok und in Kaunas.

Busse gibt es auch. Das Busunternehmen Eurolines fährt von Dänemark und einigen deutschen Städten nach Polen und weiter nach →Vilnius, →Riga und →Tallinn. Mehr dazu siehe Webseite: www.eurolinijos.lt. Die Busse sind allesamt recht modern und so bequem wie ebend ein Bus sein kann.

Grenzübergänge

Polen grenzt im Norden an die Nordsee und ansonsten an sieben Länder, als da wären (im Uhrzeigersinn): Die russische Enklave Kaliningrad (Königsberg), →Litauen, →Belarus, →Ukraine, →Slowakei, →Tschechien sowie nach Deutschland. Vor allem im Süden und Westen gibt es unzählige Grenzübergänge für Schiene und Strasse. Für aus dem Westen kommende Reisende sind die Übergänge Görlitz ↔ Zgorelec, Forst (bei Cottbus), Frankfurt/Oder ↔ Słubice, der zwischen Berlin und Szczecin (Stettin) sowie der bei Ahlbeck ↔ Świnoujście (Swinemünde) am wichtigsten.

Ein- und Ausreise

Es gelten die üblichen Zollregelungen der EU. Die Ein- und Ausreise geht fix, so dass man nach keinen fünf Minuten im Land ist. Es gibt auch nichts besonderes zu beachten. Nur die Ostgrenzen sind, da EU-Aussengrenzen, nicht ganz einfach. Für die →Belarus und die →Ukraine sowie zur russischen Enklave Kaliningrad unbedingt vorher ein Visum besorgen!!! Reisende mit dem Auto müssen an diesen Grenzen mit Problemen (lange Wartezeiten, strenge Kontrollen) rechnen, können das Procedere allerdings mit etwas papiergeldförmigen Schmiermitteln minimieren.

 

 

Essen und Trinken

Der Gedanke, zwei Wochen lang polnisches Essen haben zu müssen, hat mir früher regelmässig eine Gänsehaut und sich aufsträubende Nackenhaare beschert. Besonders die Kiełbasa (polnische Einheitswurst), rosa Knoblauchsuppen, labskausähnliche, undefinierbare Gewölle und die mayonnaiselastigen Salate kamen mir immer sehr verdächtig vor. Das alles gibt es heute immer noch, aber in besserer Qualität. Eins haben viele Gerichte in Polen gemein: Die Zutaten werden auf Erbsengrösse geschnitten und das Endergebnis sieht aus, als ob es aus dem Mixer kommt. Ich hoffe, die Polen verzeihen mir das folgende: Kulinarisch gesehen ist Polen das England Osteuropas, nur ohne Fish & Chips.

Oft sieht man in polnischen Restaurants Bigos - eine Art Wurst-Sauerkraut-Topf, der, vorausgesetzt man mag Sauerkraut, schnell satt macht und bei dem man nicht viel falsch machen kann. Auch typisch sind Gołąbki - Krautrouladen, wie man sie auch hierzulande oft findet. Auch pierogi sieht man gelegentlich - die ähneln den russischen Pelmeni (Teigtaschen). In Polen werden sie manchmal frittiert - davon sollte man lieber die Finger lassen. Placki Ziemniaczane - polnische Kartoffelpuffer - gibt es auch häufig. Aber wer nicht viel davon hält, kann sich auch in Spezialitätenrestaurants - von mexikanisch über italienisch bis jüdisch - versuchen.

Polen ist ein traditionelles Wódka-Land. Es gibt zahlreiche Sorten, wobei der Źubrówka mit dem Grashalm auch international bekannt wurde. Ist allerdings mit seinem leicht süsslichen Geschmack nicht Jedermanns Sache. Mittlerweilen gibt es auch viele Sorten Piwo (Bier), von denen einige, z.B. Okocim und EB, recht passabel sind. Im Gegensatz zu früher ist es kein Problem mehr, einen anständigen Espresso oder Kaffee zu bekommen.

 

 

 

 

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