Geschichte - kurzer Überblick

Serbien wurde weit vor Beginn unserer Zeitrechnung erst von Illyrern, dann von Kelten besiedelt. Die Römer eroberten die Region im 3. Jhd. v.u.Z. und benannten sie Moesia Superior - die Donau bildete dabei die nördliche Grenze. 395 u.Z. wurde das römische Reich geteilt - das heutige Serbien wurde byzantinisch, das heutige Kroatien hingegen weströmisch.

Im 6. Jhd. kamen slawische Stämme in die Region - Slowenen, Kroaten und Serben, die 895 von den Mönchen Kyrill und Method zum Christentum bekehrt wurden. 1217 wurde das erste unabhängige Königreich Serbien gegründet. Im 14. Jahrhundert regierte dies Stefan Dushan - hier erlebte Serbien eine erste Blütezeit. So entstanden während seiner Regentschaft zahlreiche Klöster. Die schöne Zeit war nach seinem Tod schnell vorbei - in der Schlacht auf dem Косово Поље Kosovo Polje (Kosovo-Feld) 1389 gegen die Osmanen unterlagen die Serben und wurden fortan ein halbes Jahrtausend (!) von den Osmanen regiert. 1815 gab es einen ersten grossen Aufstand - Serbien wurde quasi-unabhängig; die Osmanen gewährten 1829 schliesslich den Status einer Autonomie. Richtig unabhängig wurde Serbien jedoch erst 1878.

1914 erschoss ein serbischer Attentäter den Erzherzog Ferdinand in →Sarajevo - was →Österreich-Ungarn veranlasste, Serbien zu annektieren, was den Ersten Weltkrieg auslöste. Nach dem Ende des Krieges und der Niederlage der karkanen Monarchie wurden →Slowenien, →Kroatien und die Војводина Vojvodina mit Serbien, Montenegro und →Mazedonien vereinigt. 1929 benannte man das Gebilde - zum ersten Mal - in Jugoslawien um.

1941 trat Jugoslawien der faschistischen Achse Berlin-Rom-Tôkyô bei - was einen Staatsstreich auslöste. Peter II. war nun König und drehte den Spiess herum, indem er die Achse umgehend verliess. Das veranlasste natürlich Hitler, umgehend einzumarschieren und das Land zwischen Deutschland, Italien, →Ungarn und →Bulgarien aufzuteilen. Fast gleichzeitig wurde die Kommunistische Partei unter Josip Broz Tito aktiv und erklärte den bewaffneten Aufstand.

1945, nach Kriegsende, gewannen die Kommunisten die Macht und beendeten die Monarchie. Bosnien, Montenegro und Mazedonien erhielten nun Republikstatus; Kroatien und Slowenien hatten diesen Status schon vor dem Krieg. Den Albanern in Kosovo und den Ungarn in der Vojvodina verweigerte man den Republikstatus - mit der Begründung, dass sie vor dem Krieg auch keine Republiken waren und ausserhalb des alten Jugoslawien lagen. Die Föderative Republik Jugoslawien war geboren - mit dem serbischen →Belgrad als Machtzentrum.

Folgen der NATO-Luftangriffe im Zentrum von Belgrad
Folgen der NATO-Luftangriffe im Zentrum von Belgrad

Tito sagte sich jedoch im Gegensatz zu den meisten anderen Staaten Osteuropas schon 1948 von Stalin und der Sowjetunion los - was ihm finanzielle und sonstige Hilfe seitens Westeuropas und der USA einbrachte. Das blieb auch bis in die 1980er Jahre so - gewöhnlichen DDR-Bürgern zum Beispiel war eine Reise nach Jugoslawien nicht möglich - dafür war das Land, zumindest die Adriaküste, beliebtes Reiseziel von Westdeutschen.

Das fragile, künstliche Gebilde Jugoslawien hielt nur bis 1986 - spätestens hier wurde der Grundstein für den Kollaps gelegt. Die Serbische Akademie der Wissenschaften betrieb geistige Brandstiftung, indem sie eine stärkere Rolle Serbiens in Jugoslawien forderte. 1987 wurde Slobodan Milosevic Vorsitzender der Kommunistischen Partei und mischte sein Programm mit serbisch-nationalistischen Ideen. Als Resultat erklärten →Slowenien und →Kroatien ihre Unabhängigkeit. Nun ging es Schlag auf Schlag: Die jugoslawische, serbisch dominierte Armee JNA annektierte Slowenien. Nach ein paar Scharmützeln innerhalb eines zehn-Tage-Krieges zog sich die JNA jedoch zurück - es gab keine begründeten serbischen Ansprüche in Slowenien. 1992 erkannte die EU die Unabhängigkeit Sloweniens und Kroatiens an und verhängte ein Waffenboykott (immerhin!).

Als nächstes brachen schwere Kämpfe mit Kroatien aus - Hauptgrund waren die sogenannten Krajina-Serben (mehr dazu siehe →Kroatische Geschichte). Der Kampf der Serben gegen die Kroaten weitete sich zwangsläufig auf →Bosnien- Herzegowina aus. Jenes wollte ebenfalls, gleichzeitig mit →Mazedonien, die Unabhängigkeit von Jugoslawien. Mazedonien war von marginalem Interesse für Serbien, und so war es das einzige Land, das ohne einen einzigen Schuss in die Unabhängigkeit entkam. Anders Bosnien - hier wurde der Konflikt besonders grausam. Er wurde zum ethnischen Konflikt, zum Krieg der Religionen - obwohl die vorher nie eine so grosse Rolle spielten. →Sarajevo allein wurde drei lange Jahre belagert, was allein dort 10'000 Opfer kostete. Serbien versuchte (wie allerdings auch Kroatien) mit aller Macht, Teile Bosniens an Serbien anzugliedern. Zwar war die UNO in Form der UNPROFOR vor Ort, aber völlig hilflos: Vor den Blauhelmen wurde z.B. der bosnische Vizepräsident aus einem UNO-Fahrzeug gezerrt und umgehend erschossen. Auch das Massaker in Srebenice - eigentlich UNO-Schutzzone - wurde nicht verhindert (das ganze, sehr peinliche Dilemma wird vom britischen Film "Warriors" gut um nicht zu sagen zu gut dargestellt).

Brücken waren primäres Ziel der NATO
Bei Novi Sad: Brücken waren primäres Ziel der NATO

Erst 1994 griff die NATO mit Kampfflugzeugen ins Geschehen ein. 1995 wurde endlich der Vertrag von Dayton abgeschlossen - welcher vorläufige Ruhe und eine Zweiteilung des Landes vorsieht. Noch immer sind KFOR - Soldaten im Land sowie Milosevic vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal. Und weiter ging es - das 1992 neu gegründete Dritte Jugoslawien - bestehend aus Serbien und Montenegro - sprach dem →Kosovo (in Serbien Косово и Метохија (Kosovo i Metochiya) genannt) den Autonomiestatus ab. Permanente Provokationen, vor allem durch die JNA, sorgten 1998 zum Ausbruch von Kämpfen im zu 90% von Albanern bewohnten Kosovo. Man begann - wie einst in Bosnien, mit ethnischen Säuberungen und vertrieb hunderttausende Albaner, die nach →Albanien oder →Mazedonien fliehen mussten. Auch hier wurden wieder Massaker verübt. Konsequenterweise mischten sich militante Albaner in Form der UCK ins Geschehen ein. Diesmal reagierte die NATO ein kleines bisschen schneller - nach dutzenden erfolglosen Drohungen und einem ebenso fruchtlosen Handelsembargo trug man den Krieg erstmals nach Serbien. Zurecht befürchtete man einen aufreibenden Bodenkrieg, und so beliess man es bei Bombardements, bis Serbien nach 78 Tagen einlenkte. Der Witz des Jahres war die versehentliche Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad. Begründung - die CIA verfügte nicht über aktuelle Stadtpläne. Wer's glaubt...Sollte die militärische Intelligenz wirklich so dumm sein, dann gnade uns Gott...

Es ist noch ziemlich unklar, wie sich das Land weiterentwickelt. Nach der lange fälligen Entmachtung von Milosevic sah es nach Besserung aus - demokratische und wirtschaftliche Reformen kamen ins Rollen. Doch das tödliche Attentat auf Ministerpräsident Zoran Ðinđić - angeblich durch die Mafia - ist der Sache sicherlich nicht dienlich. Läuft man durch die Strassen von →Belgrad und →Novi Sad, mag man gern an eine Besserung glauben. Doch was brodelt da unter der Oberfläche!? Und wie geht es weiter mit dem Kosovo? Was denkt das Volk über den jetzigen EU-freundlichen Kurs der Regierung? Das Kapitel Balkankonflikt scheint noch lange nicht beendet zu sein.

2006 erklärte Montenegro - friedvoll - seine völlige Unabhängigkeit von Serbien. Der auslösende Volksentscheid dazu war allerdings denkbar knapp.

 

 

 

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