Geschichte - kurzer Überblick

Die PMR wurde erst 1990 gegründet und ist damit die jüngste, wenn auch nicht anerkannte Republik auf dem Territorium der Ex-Sowjetunion. Allerdings gab es schon vorher historisch begründete Unterschiede zur jetzigen Republik Moldau. Während Moldau 1918 von →Rumänien erobert und eingegliedert wurde, verblieb das Gebiet östlich des Dnestr in sowjetischer Hand. Dieser schmale Streifen wurde zur Moldawischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (MASSR) erklärt und gehörte zur Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Schon damals bzw. eigentlich schon immer galt, dass östlich des Dnestr die Moldawen nicht die Mehrheit stellten - im Gegensatz zum Westen, genannt Bessarabien.

Nach der Eroberung durch die Sowjetunion 1940 (mit dreijähriger Besetzung durch die Wehrmacht von 1941 bis 1944) wurden Bessarabien und Transnistrien zur neuen Moldawischen Sozialistischen Sowjetrepublik (MSSR) zusammengeschlossen. Wie in allen anderen Sowjetrepubliken auch erfolgte eine massive Russifizierung, die sich unter anderem in der Einführung der kyrillischen Schrift manifestierte. Die Probleme begannen 1989. Der Oberste Sowjet der MSSR beschloss unter anderem, die kyrillische Schrift durch die ursprüngliche, lateinische Schrift zu ersetzen. Das war historisch logisch für Bessarabien, aber nicht für Transnistrien - die dortigten Bewohner, mehrheitlich Russen und Ukrainer, verlangten nach einem Referendum und befürchteten Diskriminierung. Hinzu kam, dass die Regierung in →Chişinău nicht glaubhaft versichern konnte, dass es in Zukunft keinen Zusammenschluss mit →Rumänien geben könnte.

Tiraspol: Gebäude des Sowjets mit Denkmal des Krieges 1992
Gebäude des Sowjets mit Denkmal des Krieges 1992

1990 fanden zahlreiche Abstimmungen in Transnistrien statt - ca. 96% der Wähler (Wahlbeteiligung 79%) stimmten für die Loslösung von Moldau - darunter auch die Einwohner von →Bendery. Der Oberste Moldawische Sowjet erklärte das Ergebnis für ungültig. Transnistrische Abgeordnete verliessen darauf den Sowjet. Am 2. September 1990 erklärte der transnistrische Kongress daraufhin die Gründung der Transnistrisch-Moldawischen Sowjetischen Sozialistischen Republik (TDMSSR) innerhalb der UdSSR. Später strich man das "Sowjetisch-Sozialistisch" und nannte sich TDMR. Es gab jedoch auch Abgeordnete, die gegen die Gründung waren. Selbstredend erkannte der Oberste Sowjet Moldawiens die Republik nicht an. →Tiraspol wurde zur Hauptstadt erklärt und erste Selbstverteidigungskräfte aufgebaut. Eine wichtige Rolle sollte zudem die hier stationierte 14. Russische Armee spielen.

Im November 1990 gab es den ersten Zwischenfall - protestierende Frauen besetzten Verwaltungsgebäude in Dubăsari, bei der Räumung wurden drei Menschen erschossen. Im selben Monat gab es erneut ein Referendum, bei dem fast 98% der Wähler die Gründung der TDMR bestätigten. Transnistrien bildete seine eigene Polizei und Armee; nach und nach wurden die moldawische Exekutive, zum Teil mit Gewalt, aus dem Gebiet vertrieben. 1992 spitzte sich die Lage zu und der schwelende Konflikt entwickelte sich zum Krieg. Im März erklärte Moldau den landesweiten Notzustand. Die Waffen für den Konflikt kamen von der 14. Armee, welche auf Seiten der TDMR stand. In →Bendery am Westufer eskalierte die Lage - die moldawische Polizei wurde angegriffen und bat die Hauptstadt um Hilfe. Moldawische Truppen nahmen die Stadt am 20. Juni 1992 ein, doch Paramilitärs blieben. Transnistrische Truppen nahmen nach mehreren Anläufen und heftigen Gefechten die Stadt wieder ein - bis zum 26. Juni. Grund dafür war unter anderem, dass die moldawische Armee trotz Artillerie und Kampfflugzeugen es nicht schaffte, die einzige Brücke über den Dnestr zu zerstören. Auch in Dubăsari kam es zu Scharmützeln. Angaben über Opfer sind sehr unterschiedlich und reichen von 500 bis 1000 Toten.

Nach dem kurzen Krieg blieb die 14. Armee, um Stabilität zu garantieren. Mittlerweilen scheint sie jedoch weg zu sein - die grossen Kasernen der Armee in Tiraspol sind leer. Allerdings wachen noch russische Friedenstruppen über die Waffenruhe (siehe →Foto). Transnistrien verabschiedete 1995 eine eigene Verfassung, die unter anderem Meinungs- und Religionsfreiheit garantiert. Der Präsident wird alle 5 Jahre neu gewählt (ist seit 1991 Igor Smirnov) und steht dem Sowjet vor. Wilde Spekulationen ranken sich um Transnistrien - zum Teil gestreut von der Republik Moldau. Transnistrien sei eine Mafiarepublik, man betreibt Menschenhandel, Wegelagerei, transnistrische Wissenschaftler arbeiten im Irak, man leistet Militärhilfe in Südossetien usw. Was auch immer daran wahr sein mag. Bis heute ist die PMR international nicht anerkannt. Die einzige Anerkennung erhält das Land nur von ebenfalls nicht anerkannten Ländern wie Abchasien (sezessionistische Republik in →Georgien) oder Nagorny Karabach (von →Armenien eroberte armenische Enklave in Aserbaidschan).

Die Inflation in den 1990ern brachte seltsame 'Blüten' hervor
Die Inflation in den 1990ern
brachte seltsame "Blüten" hervor

Wirtschaftlich sieht es schlimm aus - obwohl stark industrialisiert, liegt das Durchschnittseinkommen bei 30 Euro pro Monat. Die haarsträubende Inflationsrate konnte jedoch mittlerweilen gedrückt werden. Die Armut ist selbst in der Hauptstadt offensichtlich. Einige Unternehmen scheinen jedoch erfolgreich zu sein - so eine Stahlmühle, das Unternehmen Sheriff (eine Druckerei!?), welches momentan ein sehr grosses, hochmodernes Stadion für seine Fussballmannschaft baut, Kvint - ein erfolgreicher Cognac-Produzent, und andere. Das Exportvolumen von Industrieprodukten von Transnistrien ist grösser als das der Republik Moldau. Zudem gibt es Exportverträge mit ca. 50 Ländern (staatliche Angaben).

Man darf auf die Zukunft gespannt sein. Neueren Untersuchungen zufolge möchten die Bewohner nachwievor nicht in die Republik Moldau zurück. Den Konflikt militärisch zu lösen kann sich Moldau nicht leisten. Doch ob die PMR jemals anerkannt wird... Man hofft ja immernoch auf eine Neugründung der Sowjetunion (auf den neuen Pässen der Einwohner steht zum Beispiel wieder "CCCP"), doch dass dürfte so schnell nicht der Fall sein.

 

 

 

Name:

Email:

Webseite:

Kommentar:


Sicherheitscode:
CAPTCHA Image

Bitte Sicherheitscode eingeben:
 

 

©2016 Tabibito.de