Geschichte - kurzer Überblick

Das Gebiet des heutigen Ungarn wurde erstmals wahrscheinlich von Kelten besiedelt, die jedoch von den Römern um die Zeitenwende herum vertrieben wurden. Das Gebiet westlich der Donau wurde so Teil der Provinz Pannonien. Welche auch bis 451 bestand hatte - bis die Hunnen unter Attila einfielen und ihr kurzlebiges Reich gründeten. Danach kamen Gothen, Lombarden und Avaren - und, erst 796, verschiedene Stämme der Magyaren(sprich "Madscharen"!), welche zuvor in einem Gebiet östlich der Wolga in der Nähe des Urals lebten. Die Magyaren waren gefürchtet in Europa, denn sie terrorisierten selbst Spanien, Deutschland und Italien mit unberechenbaren und brutalen Attacken. Erst 955 wurden die Magyaren in der Schlacht bei Augsburg gestoppt und zum Christentum bekehrt. István alias Stefan I gründete im Jahr 1000 das erste Ungarische Königreich.

Im Jahr 1241 wurde Ungarn von den Mongolen überrannt und zerstört. Wahrscheinlich überlebte ein Drittel der Bevölkerung diesen Überfall. Im Mittelalter erstarkte jedoch Ungarn, welches damals wesentlich grösser war - auch →Siebenbürgen, das heutige →Kroatien und auch die →Slowakei gehörten zum Königreich. 1222 wurde die europaweit erste Goldene Bulle, ein Dokument, welches die Macht des Königs zugunsten des Adels beschnitt, in Székesfehérvár (Stuhlweissenburg) erlassen. In →Pécs wurde 1367 eine erste Universität gegründet.

1456 gelang es den Ungarn, nahe des heutigen →Belgrads den osmanischen Vormarsch auf Europa zu stoppen. Interne Bauernaufstände (deren Anführer Dózsa übrigens auf einem glühenden Eisenthron verbrannt wurde) schwächten allerdings das Reich, so dass die Osmanen beim nächsten Vormarsch 1526 im heutigen Mohács (unweit von Pécs) erfolgreich waren und man schliesslich 1541 die Festung von Buda einnahm. Das Land wurde dreigeteilt - die →Slowakei und Transdanubien fielen an die Habsburger, die Mitte wurde osmanisch und Siebenbürgen (Transilvanien) wurde zum Vasallenstadt der Osmanen.

Esztergom - lange Zeit Hauptstadt Ungarns
Esztergom - lange Zeit Hauptstadt Ungarns

In der nächsten Zeit änderte sich daran nicht viel. Die Osmanen wurden erst 1686 von Österreichern, Ungarn und Polen vertrieben. Man versuchte von 1703 bis 1711 einen Auftstand gegen die Habsburger, der jedoch fehlschlug. Aber innerhalb der Habsburger Monarchie unter Maria Theresa und ihrem Sohn Joseph II entwickelte sich das Land gut. Wichtig war das Jahr 1848 - Lajos Kossuth und der Dichter Sándor Petöfi führten eine Revolution an und forderten die Unabhängigkeit. Der wurde zwar niedergeschlagen, aber diese Revolution und ein 1866 gegen die Preussen verlorener Krieg schuf die Grundlage für die Schaffung einer gleichwertigen Monarchie namens Österreich-Ungarn. Was sich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg als unpraktisch herausstellte - im Vertrag von Trianon 1920 verlor das Land gute zwei Drittel seiner Fläche und mehr als die Hälfte der Bevölkerung - darunter weite Teile des heutigen →Serbiens, der →Slowakei und gar →Galizien (heute Teil Polens und der →Ukraine).

1920 wurde eine kurzlebige kommunistische Regierung von Admiral Miklós Horthy, einem Rechten, blutig beendet. Horthy blieb an der Macht und verbündete sich 1941 mit den Nazis. Ungarn stellte dabei auch Truppen zur Verfügung. Als er 1944 die Seiten wechseln wollte, wurde er jedoch von den Nazis abgesetzt. Nun kamen die berüchtigten, faschistischen Pfeilkreuzler an die Macht, die sofort damit begannen, die Juden des Landes in die Vernichtung zu schicken. Erst im April 1945 hatte der Spuk ein Ende und die Rote Armee hatte Ungarn ganz unter Kontrolle.

Das Land wurde kommunistisch. Am 23. Oktober 1956 versuchten Studenten einen Aufstand gegen die Besatzungsmacht Sowjetunion. Sie wurden niedergeschossen. Imre Nagy, ein Oppositionsführer, kam an die Macht und versprach am 28. Oktober eine Amnesty. Kämpfe brachen aus und viele Mitglieder des Geheimdienstes AVO wurden gejagt und massakriert. Die Rote Armee zog sich tatsächlich kurz zurück, aber als Imre Nagy am 1. November den Austritt aus dem Warschauer Vertrag verkündete, wurde es Moskau zu bunt - die Rote Armee rückte in →Budapest ein und schlug den Aufstand nieder - schätzungsweise 3000 Menschen wurden getötet, Imre Nagy deportiert und später hingerichtet, Hunderttausende flohen nach Österreich. Das Land wurde wieder kommunistisch, aber 1968 ersetzte man die zentrale Planwirtschaft mit einer begrenzten Marktwirtschaft. Der Sozialist János Kádár blieb bis 1987 an der Macht - abgelöst von Károly Grósz, der das Land reformierte. 1989 traten die Kommunisten freiwillig ihr Machtmonopol ab - es gab erste freie Wahlen. Bei einem "Europa-Picknick" in Sopron öffnete man, wie vorher auf Flugblättern angekündigt, die Grenze zu Österreich, so dass tausende DDR-Bürger fliehen konnten (wir waren zu der Zeit auch in Ungarn - bei der Rückfahrt in die DDR begrüssten uns die DDR-Grenzer richtig freundlich und leicht erstaunt).

Danach wechselten die regierenden Parteien mehrfach, und die Umwandlung in eine freie Marktwirtschaft war und ist schmerzhaft. Alles in allem steht Ungarn aber unter den ehemaligen Ostblockstaaten nicht so schlecht dar. 1999 wurde Ungarn Mitglied der NATO; im Jahre 2004 folgte die EU-Mitgliedschaft.

 

 

 

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