Reiseberichte

Geschichte - kurzer berblick

Vietnam hat eine lange und bis vor wenigen Jahren sehr kmpferische Geschichte hinter sich. Besiedelt ist die Region bereits seit der Steinzeit, und man nimmt an, dass die Menschen im heutigen Vietnam bereits ab dem 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung wussten, wie man Reis anbaut - damit waren die Vietnamesen zusammen mit ein paar wenigen anderen Vlkern in verschiedenn Gegenden der Welt Vorreiter bei der Landwirtschaft. Das erste Knigreich des Volkes der Vi?t hiess Van Lang und wurde um das Jahr 500 vor unserer Zeitrechnung gegrndet, und es sollte die nchsten 300 Jahre Bestand haben, was teils der geographischen Lage Vietnams zu verdanken war - jene erschwerte eine Eroberung des Gebietes. Im Jahr 211 v.u.Z. war jedoch Schluss damit - ein General der Qin-Dynastie aus dem heutigen China eroberte grosse Teile des heutigen Vietnams und grndete das Knigreich Nam Vi?t (Nam = Sden, Viet = Name des Volkes). Jenes erstreckte sich vom heutigen Nordvietnam bis hin zur Mndung des Perlflusses (dort befindet sich auch Hongkong). Einerseits handelte es sich dabei um ein vietnamesisches Knigreich - andererseits stammte der Herrscher aus China, weshalb sich Historiker nicht ganz einig darber sind, ob man diese Epoche als Fremdherrschaft bezeichnen kann oder nicht.

Chinesische Schriftzeichen findet man noch immer hufig - vor allem, wenn es um Religion geht
Chinesische Schriftzeichen findet man noch immer hufig -
vor allem, wenn es um Religion geht

Im Jahr 111 v.u.Z. eroberte die zunehmend erstarkende chinesische Han-Dynastie das Nam Viet-Reich und lutete damit ber 1'000 Jahre chinesische Fremdherrschaft ein. Es kam in den folgenden Jahrhunderten zu einigen bemerkenswerten Aufstnden - so zum Beispiel unter der Fhrung der Tr?ng-Schwestern im Jahr 40 u.Z. und von Lady Tri?u im Jahr 225. Diese Aufstnde dauerten zwar jeweils ein paar Jahre an, waren aber letztendlich nicht von Erfolg gekrnt. So blieben weite Teile des heutigen Vietnams Bestandteil wechselnder chinesischer Dynastien. Chinesische Schriftzeichen wurden "importiert", ebenso der Buddhismus. In der zweiten Hlfte des ersten Jahrtausends wurde das heutige Vietnam ?? Annan (= "Sicherer Sden") genannt. Der Name wird auch heute noch fr den mittleren Teil Vietnams benutzt. Die vietnamesische Aristokratie hatte sich mit den chinesischeh Machthabern schnell arrangiert, und so nderten sich die Verhltnisse kaum. Bis zum Jahr 939 u.Z., als der vietnamesische General Ng Quy?n eine Reihe erfolgreicher Schlachten gegen die Sd-Han-Dynastie mit einem genialen Trick zu einem fr Vietnam ruhmreichen Ende fhrte: Er liess in einem FLuss nahe der berhmten Halong-Bucht Pfhle mit Eisenspitzen in das Flussbett treiben. Bei Flut lagen die Spitzen gerade so unter Wasser. Die Flotte der chinesischen Armee wurde in den Fluss gelockt - und bei Ebbe geradezu aufgespiesst.

Mit kurzen Unterbrechungen blieb Vietnam bis zum Einrcken Frankreichs ab 1858 quasi unabhngig und politisch relativ stabil. Vietnam war zu jener Zeit ein Knigreich, stark konfuzianistisch und buddhistisch geprgt, mit dem Knig als oberste Autoritt. Interessanterweise konnten die Posten der lokalen Herrscher nicht vererbt werden - sie wurden jeweils vom Knig als Ehre an die Nachfolger bertragen. Das Vietnam jener Zeit stimmte nicht mit den heutigen Grenzen berein. Vor allem im heutigen Zentral- und Sdvietnam entstanden und verschwanden zahlreiche Knigreiche, aber der Nordteil begann ab dem 10. Jahrhundert, nach Sden zu expandieren. Ein grsserer Teil des heutigen Sdvietnams blieb jedoch lange Zeit Bestandteil des Knigreiches der Khmer.

Im Laufe des zweiten Jahrtausends sollte es hufiger zu einer Spaltung des Landes kommen. So begann 1627 ein langer Krieg zwischen den Tr?nh im Norden und den Nguy?n im Sden - unter anderem mit Kanonen aus Portugal, welches ab dem 16. Jahrhundert recht aktive ins sdost- und ostasiatische Geschehen eingriff. Beide Seiten konnten den Krieg letztendlich nicht gewinnen, und so war das Land ab 1672 zweigeteilt und wurde zum Spielball europischer und asiatischer Mchte: So versorgte Portugal zum Beispiel den Sden mit Waffen und Holland den Norden. 1786 kam es zu einer grossen Schlacht zwischen dem Sden und dem damals vom heutigen China untersttzten Norden. Die Schlacht begann mit einem berraschungsangriff whrend der fr Vietnamesen wichtigsten Feiertagen - den T?t (Tet) Neujahrstagen. Die spter gegen die Amerikaner gefhrte hatte somit ein berhmtes historisches Vorbild.

Im Jahr 1858 griff Frankreich erstmals das heutige Vietnam an, abe der erste Angriff im Norden misslang. Man versuchte es erneut nahe der heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt und setzte erstmal Fuss in Sdvietnam. Die neue Kolonie nannte man Cochinchina. Bis 1887 hatte man auch Nordvietnam erorbert. Wenig spter kamen das heutige Kambodscha und Laos hinzu - das gesamte Gebiet wurde schliesslich in Franzsisch-Indochina umbenannt. Die folgenden Jahrzehnte wurden unruhig und luteten allmhlich das Ende des Feudalismus ein. Es gab zahlreiche, zum Teil sehr lang anhaltende Aufstnde gegen die Besatzer - zuerst mit dem Ziel, das alte Knigreich wiederherzustellen - und spter mit dem Ziel, eine neue, unabhngige und moderne Republik zu grnden. Spter, in den 1930ern, entstanden die ersten kommunistischen Parteien, die schnell die Fhler Richtung Sowjetunion aus. Die franzsischen Kolonialherren waren indes nicht zimperlich und liessen zahlreiche Widerstandskmpfer hinrichten. Von Anfang an war Nguy?n i Qu?c, spter bekannt als Ho Chi Minh dabei. 1940 berrannten die kaiserlichen japanischen Truppen das Land, doch Japan liess die Franzosen des Vichy-Regimes vorerst an der Macht.

1945 entstand nach Abzug der Japaner ein Machtvakuum, infolgedessen Ho Chi Minh im Norden die Demokratische Republik Vietnam ausrief. Im Sden Vietnams hingegen wurde 1949 der von den Franzosen und Amerikanern protegierte, quasi-unabhngige Staat Vietnam ausgerufen. 1946 entwickelte sich der Kampf gegen die Kolonialherren im Norden zum Ersten Indochinesischen Krieg, der bis zur Niederlage der Franzosen bei der Schlacht von Dien Bien Phu in Nordvietnam im Jahr 1954 andauerte. Bei der anschliessenden Genfer Konferenz, bei der auch das vorlufige Schicksal Koreas besiegelt wurde, beschloss man die dauerhafte Teilung Vietnams in den von China und der Sowjetunion untersttzten, kommunistischen Norden sowie der von den Amerikanern untersttzten Republik Vietnam im Sden. Beide Seiten gingen wohl nicht gerade zimperlich mit ihren Gegnern um. Eine grosse Landreform und politische Suberung nach sowjetischem und chinesischem Vorbild kostete Schtzungen zufolge hunderttausenden Menschen im Norden ihr Leben, aber auch im Sden waren politische Gegner ihres Lebens nicht sicher. Nur ein Jahr nach dem Ende des Ersten Indochinesischen Krieges begann so 1955 der Zweite Indochinesische Krieg - wie auch in Korea ein Stellvertreterkrieg zwischen Kommunisten und Antikommunisten, ausgetragen auf dem Rcken der Landesbevlkerung.

Die USA untersttzte den antikommunistischen Sden zwar seit Anfang der 1950er Jahre, aber im 1964 begann die USA, offen in den Konflikt einzugreifen. Auslser war ein Vorfall im Golf von Tonkin, bei dem ein amerikanisches Kriegsschiff von Torpedobooten Nordvietnams angegriffen wurde. Man begann, massiv amerikanische Truppen an den Kriegshandlungen zu beteiligen. Im Jahr 1968 waren bereits ber eine halbe Millionen amerikanische Soldaten im Land. In jenem Jahr versuchte Nordvietnam whrend der sogenannten Tet-Offensive die Oberhand zu gewinnen - nicht nur an der Front, sondern auch durch Guerilla-Taktiken tief im Innern Sdvietnams. Ebenfalls 1968 geschah das M? Lai-Massaker, verbt von amerikanischen Soldaten, bei dem bis zu 500 Zivilisten, Kinder mit eingeschlossen, grundlos niedergemetzelt wurden. Infolgedessen wendete sich die Meinung zum Vietnam-Krieg in Amerika erheblich: Stimmen, den Einsatz zu beenden, wurden lauter. Da ein sofortiger Rckzug jedoch einer Niederlage gleichgekommen wre, zog man sich etappenweise zurck: Truppen wurden reduziert, und man verlegte sich darauf, die sdvietnamesische Armee so zu untersttzen, dass sie die Landesverteidigung selbst bewltigen kann. Diese Taktik sollte man spter auch im Irak, Afghanistan usw. verfolgen. 1973 wurde beim Vertrag von Paris beschlossen, den Krieg in Vietnam zu beenden. Ausgehandelt wurde das Abkommen von Henry Kissinger und dem Politbro-Mitglied L ??c Th?. Beiden wurde aufgrund des ausgehandelten Vertrages im selben Jahr der Friedensnobelpreis zugesprochen - doch L ??c Th? lehnte ihn ab, weil seiner Meinung nach der Krieg noch immer nicht beendet war. Recht hatte er - weniger der Sden noch der Norden hielten sich an den Vertrag.

Hanoi Hilton
"Hanoi Hilton" (H?a L Gefngnis) - hier wurden auch abgeschossene US-Piloten interniert

Die USA zogen sich 1973 gnzlich zurck aus Vietnam, doch Sdvietnam war zu schwach, um dem fortwhrenden Ansturm der Kommunisten, sowohl aus dem Norden als auch durch die sogenannten Viet Cong, der kommunistischen Bewegung im eigenen Land, standzuhalten: Saigon fiel am 30. April 1975, und so wurde Vietnam unter kommunistischer Herrschaft wiedervereinigt. Der Zweite Indochinesische Krieg hat tiefe Narben hinterlassen - in Vietnam, aber auch in den USA. Bekannt wurde der Krieg unter anderem auch dafr, dass alle schmutzigen Register gezogen wurden - der Einsatz von Napalm und Agent Orange sind nur zwei Beispiele. Schtzungen ber vietnamesische Opfer gehen weit auseinander und reichen von knapp einer Million bis zu 3 Millionen Menschen. ber 50'000 Amerikaner kehrten nicht lebend zurck, und auch die in den Krieg hineingezogenen Nachbarn Laos und Kambodscha hatten hunderttausende Tote zu beklagen.

Selbst nach der Wiedervereinigung kam Vietnam nicht vollstndig zur Ruhe. Zum einen stellte sich heraus, dass die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Nord- und Sdvietnam nicht ohne weiteres berbrckbar sind. Zudem litt das Land unter den Folgen des Krieges sowie den Folgen des anhaltenden Wirtschaftsembargos. Als es Ende der 1970er immer fter zu bergriffen auf vietnamesische Drfer durch die Roten Khmer im Nachbarland Kambodscha kam, beschloss Vietnam, der Gefahr ein Ende zu setzen und in Kambodscha einzumarschieren. Vietnam hatte keine grosse Mhe, die Roten Khmer aus Phnom Penh und grossen Teilen Kambodschas zu vertreiben und blieb bis 1979 im Land, wodurch es jedoch noch weiter von der Weltffentlichkeit isoliert wurde. Der Einmarsch passte auch der Volksrepublik China nicht, die auf Seiten Kambodschas stand, und so kam es zum Sino-Vietnamesischen Krieg. Der Krieg begann mit dem Einmarsch chinesischer Truppen im Februar 1979. Nach knapp einem Monat war er auch schon zu Ende, ohne dass sich irgendetwas gendert hatte, aber trotzdem verloren zehntausende Menschen in diesem Krieg ihr Leben.

Politische Repressalien sowie die desolate Wirtschaftslage veranlassten nach dem Vietnamkrieg hunderttausende Vietnamese, aus dem Land zu fliehen. Die meisten von ihnen versuchten ihr Glck mit dem Boot - vorlufiges Ziel waren Malaysia, die Philippinen, Hong Kong, Singapur usw. Die Flchtlinge wurden unter dem Begriff boat people bekannt und lsten eine humanitre Krise aus, da es zum einen sehr viele Flchtlinge auf einmal waren und zum anderen unzhlige Flchtlinge die berfahrt nicht berlebten. Zehntausende Vietnamesen flohen in die USA. Es gab zudem einen regen Austausch von Studenten und Vertragsarbeitern zwischen Vietnam und den sozialistischen Brderlndern, allen voran die DDR, wobei es sich bei diesen nicht um Flchtlinge handelt. Viele Vietnamesen in der DDR verloren nach der Wiedervereinigung in Deutschland ihre Arbeit, und es kam zu unrhmlichen Fllen von seelischer und krperlicher Gewalt gegen Vietnamesen, und doch entschieden sich die Meisten, in Deutschland zu bleiben.

In den 1980ern war Vietnam stark von wirtschaftlicher und militrischer Hilfe aus der Sowjetunion angewiesen. Die Wirtschaft kam nicht in die Gnge, so dass die kommunistische Regierung 1986 beschloss, die Zgel etwas zu lockern. Diese neue Maxime, ganz im Geiste von Perestroika, nannte man ??i M?i (Doi Moi) und hatte das Ziel, eine sozialistische Marktwirtschaft zu etablieren. Diese Politik, die nun auch Privatunternehmen und eine Abkehr von den grossen Agrargenossenschaften bedeutete, zeigte durchaus Erfolge - Vietnam wurde aufgrund seiner hohen Wachstumsraten oft als Tigerstaat bezeichnet. Das soll jedoch nicht ber die Tatsache hinwegtuschen, dass Vietnam nachwievor im festen Griff einer einzigen Partei ist. Und obwohl sich das Land mehr und mehr fr die Aussenwelt ffnet, gibt es keine Garantie dafr, dass Doi Moi auf Ewigkeiten weitergehen wird.

 

 

 

 

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