Tabibito Dez 2009 bei der Arbeit
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt.

Mittlerweile gibt es mindestens vier Orte, die ich als Heimat bezeichnen würde. Und eine Rangfolge fällt schwer. Heimat im ursprünglichen Sinne ist die Mark Brandenburg und Berlin, denn ich wurde in Bad Saarow geboren - das war 1974 - und lebte in Fürstenwalde / Spree bis ich 14 war. Dort leben noch immer meine Eltern und auch Verwandte. Die nähere Umgebung inklusive Berlin (politisch und kulturell korrekt gesehen Ostberlin) zählt ebenfalls zur Heimat.

In einer anderen Ecke Brandenburgs liegt Wiesenburg im Fläming. Dort lebte ich im Alter von 14 bis 18 Jahren - keine unwichtige Zeit - in einem Schloss, das, anfangs dirigiert von einem überzeugten Stalinisten, zu einer "Spezialoberschule zur Vorbereitung auf das Russischlehrerstudium" (kurz: EWOS) umgebaut wurde. Diese 4 Jahre, so chaotisch sie während der Wiedervereinigung waren, möchte ich auf gar keinen Fall missen. Meine zweite Heimat. Die ich ehrlich gesagt in jüngster Zeit vernachlässigt habe.

Nach dem Lande ging es in die Stadt. In einen der finstersten Orte Mitteldeutschlands - so sagt man jedenfalls. Halle / Saale. Hier ging es an die Martin-Luther-Universität zum Studium der Geographie. Nur unterbrochen durch ein Jahr in der Bundeswehr - in Kiel und Hildesheim - blieb ich in Halle gute 10 Jahre und damit viel länger als gedacht. Halle wurde somit zu einer weiteren Heimat.

Die Angelegenheit war nicht von Erfolg gekrönt: Alles planmässig abgeschlossen, nur vor der letzten Hürde gebockt - trotz langer Forschungsarbeit lief die Diplomarbeit auf Grund. Ungünstige Umstände und eine wachsende Abscheu vor dem, was in deutschen Unis und vor allem danach so geschieht, liess mein Leben eine andere Wendung nehmen. Beziehungsweise machte es die Entscheidung für meine Frau und mich leichter, wo wir vorerst wohnen werden.

Seit 1995 hatte ich verstärkt mit Japan, Japanern und Japanisch zu tun. 1996 und 1997 flog ich nach Japan. 1998-99 folgte ein Jahr Studium in Japan an der Senshu-Universität. Weitere Reisen nach Japan in den Jahren 2002, 2003 und 2004 folgten. 2005 heiratete ich meine langjährige treue Freundin und Reisebegleiterin. Seit August 2005 leben wir schliesslich bei Tokyo. Meine "jetzige Heimat". Hier gehöre ich momentan hin.

Ebenfalls seit 2005 arbeite ich bei einer kleinen IT-Firma in Tokyo - erst als Webmaster, nunmehr als Geschäftsführer. Das bedeutet für mich im Schnitt 50% Japanisch, 45% Englisch und 5% Deutsch (zu Hause). Nebenher spreche ich noch ein bisschen Französisch, Russisch und Chinesisch und bin begeisterter Fan vergleichender Linguistik. Ansonsten widme ich meine Freizeit am liebsten meiner Frau und unserer Tochter, gutem Essen, ansehnlichen Bars und ausgedehnten Wanderungen. Wer mehr über den Werdegang dieser Geschichte lesen möchte, dem sei mein →Japan-Blog empfohlen.

 

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